Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English
Besucher, Internationale Beziehungen, Heidelberg und RegionStartseiten der FakultätenAufbau der Universität, Personalverzeichnis, ServiceeinrichtungenFächerübersicht, Beratung, Informationen für ausländische StudierendeProjekte, Publikationen, Technologietransfer

Startseite > Presse >

 
29. September 2004

"Ich genieße den Blick über den Tellerrand"

Britische Biologie-Studentin erlebt Unis in Cambridge und Heidelberg – Philine zu Ermgassen ist für ein Jahr mit dem Baden-Württemberg-Stipendium der Landesstiftung Baden-Württemberg an die Universität Heidelberg gekommen

Cambridge. Kaum ein Name hat in Universitätskreisen einen ähnlich herausragenden Klang. 80 Nobelpreisträger hat die 1209 gegründete Universität hervorgebracht, Könige und Premierminister gehören ebenso zu den Absolventen wie Oliver Cromwell und Prinz Charles, Charles Darwin und Douglas Adams. Wer hier studieren will, muss ein anstrengendes und aufwendiges Bewerbungsverfahren bestehen. Nur 25 Prozent aller Bewerber sind dabei erfolgreich. Philine zu Ermgassen hat es geschafft. Sie studiert Biologie und Geographie in Cambridge. Und ist jetzt für ein Jahr mit dem Baden-Württemberg-Stipendium der Landesstiftung Baden-Württemberg an die Universität Heidelberg gekommen. Jetzt überlegt sie, hier ihre Abschlussarbeit zu machen.

"Ich wollte einfach mal etwas anderes sehen, über den Tellerrand hinaus schauen", begründet die 25jährige ihren Entschluss, zumindest vorübergehend von der einen ehrwürdigen alma mater an die andere zu wechseln. "Und Heidelberg hat in der Biologie ja einen exzellenten Ruf." Die Studienleistungen, die sie in Heidelberg erbringt, werden ihr in Cambridge trotzdem nicht anerkannt. "Das Studium ist dort nicht modular aufgebaut, sondern wird von Jahr zu Jahr spezifischer. Wir schreiben jedes Jahr am Ende Prüfungen, und die kann ich diesmal eben nicht mitschreiben." Den Verlust eines Studienjahres nimmt sie allerdings gelassen, "das wird durch die Erfahrungen mehr als ausgeglichen."

Der Blick von außen

Zu diesen Erfahrungen gehört auch die deutsche Sprache, denn obwohl ihr Vater Deutscher ist, hatte Philine zu Ermgassen mit der Sprache bislang nur wenige Berührungspunkte. "Meine Mutter ist Dänin, zuhause sprechen wir dänisch und ansonsten englisch. Ich hab vor einigen Jahren schon einen Deutschkurs in Freiburg gemacht, dann noch ein Deutsch-Diplom in Cambridge und vor Semesterbeginn einen Deutschkurs in Heidelberg." Derart vorbereitet konnte sie sich von Anfang an voll und ganz auf die Studieninhalte konzentrieren. Und darauf, die Unterschiede in den Studiensystemen und im zwischenmenschlichen Miteinander zu analysieren.

Die nämlich sind gewaltig, wie sie festgestellt hat. In Cambridge, das als Elite-Universität in Großbritannien eine gewisse Ausnahmeposition innehat, beginnt das Studium mit relativ breit gefächerten Inhalten in vier Fächern. Bei Philine zu Ermgassen sind das die beiden Hauptfächer Geographie und Biologie sowie Mathematik und Geologie. Im zweiten Jahr werden die Hauptfächer in Einzeldisziplinen aufgeteilt, beispielsweise Botanik, Zoologie und Ökologie. Und im dritten Jahr folgt dann die Spezialisierung, beispielsweise Ökologische Biologie. "Dadurch wird man richtig in das Fach hineingeführt und verzettelt sich nicht", urteilt Ermgassen. Der Nachteil: "Die Ausbildung ist sehr eng, es bleibt keine Zeit, mal links und rechts zu schauen." Und genau diesen Blick über den Tellerrand hat sie im deutschen Studiensystem sehr genossen. "Das Angebot an Nebenfächern und die Möglichkeit, sich anderswo umzuschauen, sind in Deutschland einfach viel besser", so ihr Urteil.

Ermüdende 90 Minuten

Mit dem Aufbau der Lehrveranstaltungen allerdings hatte Philine zu Ermgassen dann doch ihre Probleme. "90 Minuten Vorlesung, das ist doch für den Professor und für die Studenten einfach ermüdend, vor allem, wenn man in überfüllten Vorlesungen auf der Treppe sitzt." In Cambridge ist eine Vorlesung nur 50 Minuten lang, "das ist einfach besser für die Konzentration". Zu jedem Fach muss jede Woche eine Hausarbeit geschrieben werden, und dann sind da noch die Supervisions. Dabei treffen sich zwei bis drei Studenten wöchentlich mit "ihrem" Professor, diskutieren die anstehenden fachlichen Themen und besprechen die Hausarbeiten sowie offene Fragen. "Da kann sich niemand verstecken, da kommt man nicht mit einem Referat im Semester durch, da ist jeden Tag höchste Konzentration und fachliche Kommunikation gefordert. Dadurch wird das Studium sehr intensiv", hat Philine zu Ermgassen im Vergleich mit dem deutschen System festgestellt.

Besser findet sie allerdings die Organisation der praktischen Laborarbeit in Heidelberg. "Hier arbeiten wir sechs Wochen lang in der Praxis und bekommen auf diese Weise einen echten Einblick, wie Laborarbeit und das Berufsleben funktionieren." In Cambridge dagegen gehen die Studenten ein Mal pro Woche für eine Stunde ins Labor oder an die Praktische Arbeit, müssen also wesentliche praktische Erfahrungen vermissen.

"Deutsche Zeitungen haben interessante Inhalte"

Und dann hat Philine zu Ermgassen noch andere Bereiche gefunden, die ihr hier besser gefallen als in Großbritannien. "In Deutschland interessieren sich die Menschen sehr viel stärker für die gesamte Gesellschaft, beschäftigen sich mit relevanten Themen und blicken sehr viel stärker über die Grenzen des eigenen Landes hinaus", fasst sie ihre Eindrücke zusammen. "Deutsche Zeitungen haben wenigstens interessante Inhalte. Die Massenblätter in Großbritannien beschäftigen sich hauptsächlich damit, wer wen heiratet oder nicht, selbst wenn irgendwo auf der Welt etwas wirklich Wichtiges passiert. Und die Deutschen reden auch über wesentliche Themen, nicht nur über Schauspieler und Popstars."

Abschlussarbeit in Heidelberg?

Zu den wesentlichen Themen zählt die Biologin auch die Umwelt. Im Vergleich zu Großbritannien hat sie in ihrem Gastland ein breites, gut verankertes Umweltbewusstsein ausgemacht, das sich beispielsweise in Mülltrennung und Anleitungen zum spritsparenden Autofahren niederschlägt. "Das gehört ebenso wie der Blick auf wesentliche Themen zu den Dingen, die ich in England vermissen werde", ist sie sich sicher. "Und das stärkere Gesellschaftsgefühl werde ich sicher als positive Erfahrung mitnehmen, wenn ich zurück gehe." Wann das sein wird, steht allerdings noch nicht fest. Philine zu Ermgassen, die in Cambridge Biologie studiert, sucht derzeit einen Praktikumsplatz in Deutschland und überlegt sich, in Heidelberg ihre Abschlussarbeit zu schreiben.

Weitere Informationen:
Landesstiftung Baden-Württemberg
Dr. Andreas Weber
Tel. 0711 24847621, Fax 24847655
weber@landesstiftung-bw.de

ACOM*WGS Communications
Dr. Sebastian Schulz
Tel. 0711 72724435, Fax 72724472
sebastian.schulz@acom-wgs.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English