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24. September 2004

179 Fragen bis zum Ziel

Wer an der Universität Heidelberg Psychologie als Nebenfach studieren will, muss intelligent genug sein und eine Menge Antworten parat haben – Seit 1997 veranstalten die Heidelberger Psychologen bereits Auswahltests

Angestrengte Gesichter, regelmäßig wiederkehrendes Stirnrunzeln und rote Backen – hier liegt Anspannung in der Luft. In den oberen Reihen fächern sich einige mit Papier Frischluft zu, dort kaut eine Kollegin nervös am Stift: "Stopp!" Kollektives Durchatmen und umblättern. Nach 90 Minuten ist der Test überstanden, der über Eignung und Zukunft der angehenden Studenten entscheiden wird. Im Hörsaal 13 suchen die Psychologen der Universität Heidelberg die Besten der Interessierten.

Merissa aus Bonn, Anne aus Fulda und Keren aus Frankfurt wollen dazu gehören. Die frisch gebackenen Abiturientinnen und selbst ernannten Hobby-Psychologinnen wollen ihre Interessen zur Profession machen. Vor dem Hörsaal stehen die drei, die sich auf dem Weg hierher kennen gelernt haben, zusammen und quatschen. Von Aufregung ob des nahenden Auswahltests keine Spur. "Nö, ich bin einfach gespannt", sagt Merissa. Erst als die drei die Quoten für diesen Test erfahren, sind sie kurz sprachlos. In Mathe nie schlecht, können die drei jungen Frauen problemlos ausrechnen, wie wahrscheinlich sie zu den Besten der Begehrten gehören werden.

456 Abiturienten aus ganz Deutschland haben sich zum Wintersemester 2004/2005 für Psychologie im Nebenfach an der Ruperto Carola beworben. Und da nur 60 rare Plätze zu vergeben sind, bestimmt das Konkurrenzprinzip den Zugang zur Uni. Seit 1997 veranstalten die Heidelberger Psychologen bereits Auswahltests – damals noch ein Mischung aus schriftlichem Test und ausführlichen Interviews. Damit verstehen sich die Heidelberger Psychologen als Vorreiter jenes Prinzips zur Elitenrekrutierung, das auch unter Maßgabe des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums steht.

Fächer mit örtlichem Numerus Clausus müssen nach der aktuellen Hochschulvergabeverordnung aus Stuttgart ihren Nachwuchs nach bestimmten Kriterien suchen: eines davon können Tests sein. Nur die Motiviertesten und Begabtesten sollen in die Hörsäle. 90 Prozent der Nebenfach-Studenten werden in Psychologie mittlerweile so gefunden. Von den Interviews hat das Institut mittlerweile wieder Abstand genommen. Obgleich sie von Abiturienten und Dozenten gleichermaßen akzeptiert worden seien, wäre deren Durchführung zu zeitaufwändig, erklärt Professor Manfred Amelang, der die Auswahlverfahren seit 1997 mit betreut.

Der aktuelle Test der Heidelberger Psychologen ist – neben den Verfahren der Molekularbiologen – der umfangreichste, der an der Uni veranstaltet wird. Geprüft werden darf kein Fachwissen – das ja erst während des Studiums erworben werden soll – und kein Abiturwissen. Daher testen die Psychologen die Intelligenz der Aspiranten: mal sozial, mal numerisch, mal verbal. Kopfrechnen ist angesagt, Wortpaare müssen gebildet werden, Bildergeschichten vervollständigt, mit denen geprüft werden soll, wie gut die angehenden Psychologen menschliche Emotionen einschätzen und vorhersagen können. Insgesamt 179 Fragestellungen in 90 Minuten.

"Da sind schon einige harte Brocken dabei", gibt Moritz Heene zu. An einigen Multiple-Choice-Fragen, sagt der wissenschaftliche Angestellte, der mit fünf Kollegen die Tests konzipiert und auswertet, müsse auch er knabbern. Um ein möglichst authentisches Leistungsspektrum abzubilden, werde das Niveau des Tests hoch gehalten: Nur etwa fünf Prozent der Getesteten schaffen es überhaupt durch alle Fragen. Zudem: "Wirklich vorbereiten kann man sich nicht", sagt Heene. Einschlägige IQ-Tests, die im Handel erhältlich sind, können lediglich als Orientierung für den Heidelberger Test dienen.

Da wundert es nicht, dass Merissa, Anne und Keren ihre mehrere Seiten dicken Testbögen mit roten Backen abgeben. "Viel zu wenig Zeit", urteilen alle drei. "Sobald man bei einer Aufgabe länger überlegen muss, ist der Rest verloren." Auch das gehört zum Konzept. Die Aufgaben sind in Themenblöcken zusammengefasst, deren Beantwortung ist zeitlich begrenzt. Heenes Stopp-Ruf nach zwei, fünf oder acht Minuten zwingt zum Umblättern.

Mit dem Auswahltest wird das Abitur-Zeugnis nun nicht völlig irrelevant, aber dennoch nicht mehr alleiniger Maßstab. Über den Abi-Schnitt hinaus lassen die Psychologen Noten der Fächer Deutsch, Mathe und Englisch mit in ihre Bewertung der Aspiranten einfließen. Noten und Testergebnisse werden dann gleichwertig berücksichtigt in einem Ranking aller Bewerber – die Besten dieser Liste dürfen zum kommenden Semester am Institut ihr Studium aufnehmen.

Ob Merissa, Anne und Keren dazu gehören? "Ich kann meine Leistung nicht richtig einschätzen", sagt Anne. "Keine Ahnung, ob's klappen wird." Zur Sicherheit haben sich alle drei junge Frauen an weiteren Universitäten im ganzen Bundesgebiet beworben – "Auswahltests hat bisher sonst niemand gefordert", berichten sie. Dennoch wären alle drei "super froh", wenn sie ab Oktober in Heidelberg anfangen könnten. "Das hat schon etwas Besonderes, hier zu studieren", sagt Merissa.
Alexander R. Wenisch

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Manfred Amelang
Psychologisches Institut der Universität Heidelberg
Tel. 06221 547328 oder -9, Fax 547325
manfred.amelang@psychologie.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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