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18. August 2004

Heidelberger Tradition fortgeführt

Voluminös: Klaus von Beymes Band "Politische Theorien im Zeitalter der Ideologien. 1789-1945"

Klaus von Beyme hat mit seinem Riesenwerk über die Geschichte der politischen Theorien von 1789 bis 1945 an eine alte Tradition der Heidelberger Politikwissenschaft angeknüpft, die von seinem akademischen Lehrer Carl J. Friedrich, der die frühneuzeitlichen Theoretiker bevorzugte, aber auch von Dolf Sternberger, der es lieber mit Aristoteles oder Bagehot hielt, begründet worden ist.

Klaus von Beymes Werk ist seitenmäßig sehr ausladend, aber in Zeit und Raum auf ca. 200 Jahre eingegrenzt. Es untersucht die Zerklüftung des politischen Denkens, wie sie durch das welthistorische Ereignis der Französischen Revolution Wirklichkeit geworden ist. Kategorial identifiziert der Autor dabei drei ideologische "Lager", die schroff gegeneinander stehen: Liberalismus und Radikalismus; Konservatismus und extreme Rechte; Sozialismus, Anarchismus, Kommunismus.

Diesen drei "Großideologien" wird im Rahmen sechs unterschiedlicher nationaler Traditionen jeweils nachgegangen, wobei das Ganze auf Europa konzentriert bleibt: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien, Russland. Nur in diesen Ländern sah von Beyme eine ausdifferenzierte Theorie der Politik am Werke.

Da von Beyme nicht nur an der Entstehungs-, sondern auch an der Wirkungsgeschichte politischen Denkens interessiert ist, verknüpft er dieses jeweils mit sozialen Bewegungen und politischen Strömungen bzw. Parteien. Das bringt ihn sympathischerweise auch dazu, ein gehöriges Maß in die "Niede-rungen der kleineren Denker" hinabzusteigen und deren Bedeutung für konkrete politische Taktik und Strategie auszuloten. Der Band ist voll von Personen (ca. 170), die man nicht einmal dem Namen nach kennt. Wer kann schon auf Anhieb mit Leuten wie den Franzosen Prévost-Paradol und Guesde, den Italienern Balbo und Ferrari, den Spaniern Argüelles und Pi y Margall oder den Russen Samarin und Stankevic etwas anfangen?

Der Parteienforscher kommt zur Geltung

Der Rezensent kann nicht einmal bruchstückhaft auf dieses Werk eingehen. Einige Aspekte erscheinen ihm aber erwähnenswert: So muss auf die sozialgeschichtliche Herangehensweise des Autors hingewiesen werden, die in die vergleichende Analyse von Sozial- wie Berufsstruktur der Politiktheoretiker samt ihren Einnahmequellen mündet. Hierher gehört die Untersuchung des politischen Engagements der Theoretiker: als Abgeordnete, Agitatoren, Publizisten, Verfassungsväter, Denkschriftenverfasser. Die Bedeutung der literarischen Produktionsbedingungen, von Exil und Verfolgung werden benannt. Ein anderer wichtiger Faktor, den von Beyme herausstreicht, bezieht sich auf Rezeption oder Nicht-Rezeption, auf Rezeptionswellen und mehr oder weniger "konjunkturelle" Umdeutungen. Auch kommen "Normalwege" (Frankreich, Großbritannien) und "Sonderwege" (Deutschland, Spanien, Russland) politischen Räsonnierens zur Sprache.

Auf den abschließenden Seiten kommt der Parteienforscher von Beyme zur Geltung, wenn er die politischen Ideologien und ihre Repräsentanten mit dem Phänomen der Massenparteien korreliert und ihren praktischen Einwirkungen nachspürt. Als Summe ist in jedem Falle das Buch komparativ angelegt.

Die einzelnen Teile stehen nur scheinbar unverbunden nebeneinander. Ganz passionierter Komparatist, hat von Beyme es sich zur Aufgabe gemacht, disparate politische Theoriengehalte und die zum Teil schillernden Biographien, die dahinter stehen, sinnvoll miteinander zu vergleichen. Darin liegt die große Leistung dieses Werkes. Es liefert zudem – ob gewollt oder ungewollt, sei dahin gestellt – einen Beweis dafür, dass ein Verständnis um politische Strukturen, Vorgänge, Entscheidungen und ähnliches im historischen Raum ohne die Rücksichtnahme auf intellektuelle Anstrengungen sinnhaft nicht gewonnen werden kann.

Klaus von Beyme: "Politische Theorien im Zeitalter der Ideologien. 1789-1945". Westdeutscher Verlag, Wiesbaden. 1001 S., 59,50 Euro.

Arno Mohr

Rückfragen bitte an
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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
Irene Thewalt
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