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12. August 2004

Ein Schrittmacher aus Stammzellen

Neue Therapie bei Herzrhythmusstörungen? – Forschungs-Stipendium für Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg

Dr. Dierk Thomas

Dr. Dierk Thomas, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, erhielt für seine Forschungsarbeiten das Max-Schaldach-Stipendium 2004 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. / Foto: privat.

Biologische Herzschrittmacher aus Stammzellen könnten künftig eine Behandlungsalternative zu elektronischen Schrittmachern bieten. Für ein Forschungsprojekt zur Entwicklung eines biologischen Impulsgebers hat Dr. Dierk Thomas, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo Katus), von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie das Max-Schaldach-Stipendium 2004 in Höhe von 25.000 Euro erhalten. Die Forschungsarbeiten laufen unter der Leitung von Dr. Christoph Karle.

Herzschrittmacher seit Jahren erfolgreich angewandt – Therapie birgt aber auch Risiken

Der Herzschlag wird durch körpereigene elektrische Impulse erzeugt. Taktgeber ist dabei der Sinusknoten im Herzen, ein Bündel spezialisierter Nervenzellen. Von dort läuft der Impuls über ein Reizleitungssystem durch den Herzmuskel, das Herz zieht sich zusammen. Bei Herzrhythmusstörungen können sowohl der Sinusknoten als auch das Reizleitungssystem gestört sein. Die Folge: Das Herz schlägt zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig. Ist der Herzrhythmus zu langsam, kann ein elektronischer Herzschrittmacher als künstlicher Impulsgeber einspringen.

Elektronische Herzschrittmacher werden seit Jahren sicher und erfolgreich angewandt. Sie weisen jedoch auch Nachteile auf: Der chirurgische Eingriff, die Implantation des nahezu handtellergroßen Geräts unter das Schlüsselbein, ist mit einem, wenn auch geringen, Risiko verbunden. So können Blutungen oder Infektionen auftreten. Es kommt auch vor, dass sich durch den Engriff Luft im Raum zwischen Lunge und Rippenfell ansammelt, wodurch Atemprobleme entstehen können. Die Operation muss zudem regelmäßig wiederholt werden, um die erschöpfte Batterie auszutauschen. Der Patient muss in kurzen Abständen einen Spezialisten zur Kontrolle aufsuchen. Außerdem kann der Puls nur begrenzt körperlichen Anstrengungen angepasst werden. Elektrische und magnetische Felder (z.B. bei Magnet-Resonanz-Tomographie, Strahlentherapie, elektronischen Metalldetektoren in Flughäfen, Handys) sowie bestimmte mechanische Belastungen können den Schrittmacher aus dem Takt bringen.

"Diese Risiken sind beherrschbar", erklärt Dr. Dierk Thomas. "Trotzdem versuchen wir, einen biologischen Herzschrittmacher zu entwickeln, der die Therapiemöglichkeiten verbessert. Wir möchten aus Stammzellen Herzmuskelzellen züchten, die wir als biologischen Herzschrittmacher in das kranke Herz einbringen", erklärt Dr. Dierk Thomas das Ziel seines Projekts.

Erbinformation für Ionenkanäle wird in Stammzellen eingebracht

Dazu untersuchen die Heidelberger Forscher zunächst die winzigen Kanäle, die in der Wand der Herzmuskelzellen sitzen. Diese lassen geladene Teilchen, "Ionen", geregelt ein- und ausströmen und regulieren dadurch den elektrischen Herzschlag-Impuls. "Zuerst müssen wir genau verstehen, wie diese Kanäle arbeiten. Dann werden wir die Erbinformation für die Schrittmacher-Kanäle in Stammzellen einbringen, die sich zu Herzmuskelzellen entwickeln." Als Transportsystem für die Kanal-Gene nutzen die Wissenschaftler Viren, die für den Menschen ungefährlich sind, so genannte Adenoviren.

Genetisch veränderte Stammzellen reifen zu Herzschrittmacher-Zellen

Die Forscher sehen zwei Alternativen auf dem Weg zum biologischen Herzschrittmacher: Entweder implantieren sie über einen Herzkatheter die Stammzellen direkt in das kranke Herz. Dort reifen die Zellen zu intakten Herzmuskelzellen und erzeugen den elektrischen Herzschlag-Impuls. Oder die Wissenschaftler bringen die Stammzellen zuerst im Labor in ein künstliches Herzgewebe ein, wo sie sich vermehren und sich zu Herzmuskelzellen entwickeln. "Aus solch einem künstlichen Herzgewebe, dem "engineered heart tissue", können wir die fertigen Herzzellen regelrecht ernten und sie dann in das kranke Herz einbringen", beschreibt Dr. Thomas die Vorteile dieses Systems. Läuft alles nach Plan, rechnen die Wissenschaftler damit, in ca. vier Jahren erste klinische Studien mit einem biologischen Herzschrittmacher durchführen zu können.

Forschungsergebnisse gehen in die Medikamenten-Entwicklung ein

In ihren Forschungsarbeiten untersuchen die Wissenschaftler auch die Möglichkeiten, Herzrhythmusstörungen mit Medikamenten zu behandeln. Bisher gibt es vor allem Wirkstoffe für Patienten mit einem zu schnellen Herzschlag. Es fehlen Medikamente, um einen zu langsamen Herzrhythmus zu behandeln. "Da gibt es einen großen Bedarf. Wenn wir verstehen, wie die Schrittmacher-Kanäle in der Wand von Herzmuskelzellen reguliert werden, können wir mit Medikamenten in diese Mechanismen eingreifen", blickt Dr. Thomas in die Zukunft.

Ansprechpartner:
Dr. Dierk Thomas
Abteilung Kardiologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg
E-Mail: Dierk_Thomas@med.uni-heidelberg.de


Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
Handy: 0170 / 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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