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24. August 2004

Gibt die Malaria ihr Geheimnis preis?

Kinder-Uni im Netz bei Biowissenschaftler Hans-Michael Müller vom EMBL – Ein kniffliger Job

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"Sehen die eklig aus", murmelt Marcel und verzieht dabei das Gesicht. Der Grund sind die geplatzten roten Blutkörperchen, die der kleine Redakteur der Kinder Uni im Netz gerade im Mikroskop betrachtet. Eindeutiger Fall von Malaria, denn um diese Krankheit und deren Überträger, die Moskitos, ging es im European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Malaria-Forscher Dr. Hans-Michael Müller erklärte den Jung-Journalisten nicht nur, wie Malaria übertragen wird, sondern auch, wie die Forschung versucht, Mittel gegen diese Krankheit zu entwickeln.

Hunderte von Moskitos sitzen im mit Fliegengitter überspannten Eimer

Hunderte von Moskitos sitzen im mit Fliegengitter überspannten Eimer. Privatdozent Dr. Müller erklärt den kleinen Redakteuren Marcel, Lukas und Adrian der Kinder-Uni im Netz, warum diese Krankheit so schwer zu bekämpfen ist. Foto: Dagmar Welker


Forschung "Made in Heidelberg"

Wie kommt es zu einer Malaria-Infektion? Verursacher sind Einzeller (Protozoen) der Gattung Plasmodium, die eine komplizierte Entwicklung im Moskito und im Menschen durchmachen. Ein Mensch kann nur dann an Malaria erkranken, wenn er von einer weiblichen Mücke der Gattung Anopheles gestochen wird. Die Mücke muss auch den Malaria-Erreger in sich tragen und dies ist nicht selbstverständlich. "Denn die Plasmodien haben es ganz schön schwer", erläuterte der Biologe Müller. Auch die Moskitos besitzen eine Abwehr, die ist zwar nicht ganz so kompliziert ist wie die beim Menschen, aber immerhin sorgt sie dafür, dass nur etwa jede hundertste Mücke den Erreger besitzt.

Die Plasmodien hat sich das Moskito geholt, in dem es einem infizierten Menschen Blut abgesaugt hat. Dabei muss es in der winzigen Menge Blut auch noch die Geschlechtsform (Gametozyt) der Plasmodien erwischen. Im Darm der Mücke wandeln sich die Erreger dann in das Infektionsstadium, die Sporozoiten, um. Die werden beim Stich einer Mücke dann wiederum auf den Menschen übertragen und setzen sich in der Leber fest.

"Das ist recht clever", erklärte Hans-Michael Müller, "denn hier ist das menschliche Immunsystem nicht besonders aktiv". In der Leber entwickeln sich die Sporozoiten weiter zu so genannten Merozoiten, die die roten Blutkörperchen befallen und zu ihrem Aufplatzen führen, was dann die typischen Fieberanfälle bei Malaria verursacht. Eine Möglichkeit, den Malaria-Erreger zu bekämpfen, besteht darin, den Entwicklungs-Kreislauf zu unterbrechen. Das kann geschehen, in dem die übertragenden Moskitos getötet werden.

Eine Mückenbekämpfung, wie etwa in den Rheinauen kommt leider im Falle der Anopheles-Mücke nicht in Frage. Dieses Moskito bevorzugt nämlich kleinste Pfützen zur Eiablage und unzählige Pfützen nach einem Regenschauer gezielt mit einem Insektizid zu besprühen, ist nahezu unmöglich.

Deshalb hatten die Forscher um Hans-Michael Müller eine andere Idee, den Entwicklungszyklus der Plasmodien in den Moskitos zu unterbrechen. Sie fanden heraus, dass ein bestimmtes Eiweiß (Protein) in der Darmwand der Moskitos notwendig ist, damit die Erreger sich weiter entwickeln können. Eine Möglichkeit wäre es nun, dieses Eiweiß mit einem anderen Stoff zu umschließen, so dass die Plasmodien es nicht mehr aufschließen können. Um aus solchen Ergebnissen aber ein wirksames Mittel zu fabrizieren, wird noch viel Forschung notwendig sein.

Wie die Malaria-Forschung praktisch aussieht, schauten sich die Jung-Redakteure etwas genauer an. Aber keine Sorge, am EMBL wird nicht mit Erregern der für den Menschen gefährlichen Malariaarten geforscht. Statt dessen wird eine Malaria-Art eingesetzt, die nur Mäuse befällt, aber der für den Menschen gefährlichen Malaria ähnlich ist. In einem speziellen Labor werden bei rund 30 Grad Celsius Raumtemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit Moskitos gezüchtet.

Die befinden sich dann in Eimern, die mit Fliegengittern abgedeckt sind. Natürlich brauchen die Moskito-Weibchen auch einmal eine Blutmahlzeit, um Eier zu produzieren. Da muss dann eine Maus als Saugopfer herhalten. Allerdings sind die Nager als Blutlieferant nicht ganz so beliebt. Doch die Malaria-Forscher haben einen Trick: Einfach eine Socke mit Fußschweiß-Geruch über die Maus halten und schon funktioniert's. Sollte das auch nicht helfen, dann muss halt der Arm von Hans-Michael Müller herhalten, aber der hat sich an die Stiche schon fast gewöhnt.

INFO: Die Kinder-Uni im Netz ist ein wissenschaftsjournalistisches Projekt von und für Kinder, das im Internet unter www.kinder-hd-uni.de zu finden ist.
Stefan Zeeh

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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