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23. August 2004

Wenn die studentische Freiheit zur Qual wird

..., hilft die Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studentenwerks – Dringende Arbeiten werden häufig verschoben

Die Zeit für Studenten ist gut: Sonne satt, vorlesungsfreie Zeit. Das nächste Semester scheint Ewigkeiten in der Zukunft zu liegen. Also heißt es, zurücklehnen und verdrängen, dass da vielleicht noch die eine oder andere Hausarbeit geschrieben werden muss. Meist bis Ende September müssen die nachwuchswissenschaftlichen Werke abgegeben werden. Aber bis dahin gilt das immer wieder erneuerte Versprechen: "Morgen fang' ich wirklich an!"

Aufschiebeverhalten (Procrastination) nennt der Psychologe dieses nicht nur bei Studenten bekannte Phänomen. Unangenehme Aufgaben werden so lange vor sich her geschoben, bis man an ihnen nicht mehr vorbei kommt. In der Zwischenzeit liegen die Paulas und Jans in der Sonne, plötzlich macht Geschirrspülen richtig Spaß, die Wäsche müsste mal gewaschen werden.

Gut, fast jeder schiebt einmal Aufgaben vor sich her, kann sich nicht entschließen, endlich das anzugehen, was wichtig ist. Zum Problem wird das Verhalten aber, wenn es zur Qual wird. Und das ist nicht selten. Psychologie-Studenten der Uni Münster haben bei einer Untersuchung unter ihren Kommilitonen einen Zusammenhang zwischen Procrastination, Depression und Versagensangst heraus gearbeitet.

Rainer M. Holm-Hadulla kennt das Problem – von Berufs wegen. "Das ist unser Alltagsgeschäft", sagt der Leiter der Psychotherapeutischen Beratungsstelle, die das Studentenwerk Heidelberg seit Anfang der 70er Jahre betreibt. Vor allem Studenten der Geisteswissenschaften wird seiner Erfahrung nach die im Studium gewonnene Freiheit der Zeitplanung zur Last. In den stärker strukturierten Naturwissenschaften könnten sich die jungen Erwachsenen besser orientieren. Die Gründe liegen für Holm-Hadulla schon in der in der Kindheit und Schulzeit: Die Studenten haben nicht gelernt, ihre Arbeit und Freizeit eigenständig zu organisieren und sind jetzt an der Uni überfordert, das Selbstwertgefühl ist am Boden. Im schlimmsten Fall steht – oft nach überlanger Studienzeit – am Ende dieser Spirale ein Studienabbruch. 25 Prozent der zwei Millionen Studierenden verlassen in Deutschland die Uni ohne Abschluss.

Der Professor für Psychotherapeutische Medizin war in den zurückliegenden drei Jahren Leiter eines Modellprojekts, das sich genau diesem Problem stellte. Die Frage war, ob mit einer gezielten Beratung Studienzufriedenheit und Studienerfolg verbessert werden kann. Die Ergebnisse des Coachingprojekts zeigen, dass in vielen Fällen fünf Sitzungen genügen, um die Ziel- und Handlungsorientierung sowie das Selbstwertgefühl der Studenten zu steigern. Daher mache es Sinn, wenn Studenten nicht erst zur Beratung kommen, wenn die Welt bereits über ihnen zusammen zu brechen droht, sondern schon zu Studienbeginn. Entsprechend könnte sich auch an den Instituten ein Coachingangebot durchsetzen, in dem speziell geschulte und erfolgreiche ältere Semester jüngeren Studienanfängern als individuelle Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Das Zentrum für Studienberatung und Weiterbildung der Uni bietet bereits seit 1997 Tutorienprogramme an. "Doch erst langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass solche Angebote wichtig sind", sagt Diplom-Psychologe Oliver Orth. 2003 verzeichnete das Zentrum in der Bergheimer Straße einen Zuwachs von 40 Prozent. Ziel ist es, Studenten über verschiedene Kurs-Module so genannte "Schlüsselkompetenzen" zu vermitteln. Auf dem Programm speziell für Studienanfänger stehen Themen wie "Eigenständige Studienorganisation", "Selbstgesteuertes Lernen" oder "Referate halten". Im Zentrum werden Tutoren ausgebildet, die ihr wissen an den Instituten an jüngere Kommilitonen weiter geben. So entsteht eine Art Schneeballsystem: Allein im vergangenen Jahr wurden an 30 Fächern der Uni 370 solcher studentischer Tutorien mit fast 5500 Teilnehmern angeboten.
Alex Wenisch

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
Irene Thewalt
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Tel. 542311
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