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6. Juli 2004

"Zauberlehrling" der Biotechnologie?

Das Symposium "Physik und Biophysik zur Goethezeit" an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

"Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust", so lässt Goethe seinen Faust sprechen, jenen Archetypus des neuzeitlichen Forschers. Doch nicht nur Trieb und Geist rangen im Weimarer Dichterfürst selbst miteinander, auch auf dem Gebiet der Wissenschaft blieb er dem dualistischen Prinzip unterworfen: "Was wir heute kaum noch wissen: Goethe selbst empfand sich mehr als Naturforscher, denn als Dichter", so Christoph Cremer vom Kirchhoff-Institut für Physik. "Physik und Biophysik zur Goethezeit: Konzepte der Natur um 1800", unter diesem Titel fand ein interdisziplinäres Symposium an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften statt. Organisiert wurde es von der Goethe-Gesellschaft Heidelberg und der Heidelberger Akademie in Verbindung mit der Universität. Rund ein Dutzend Referenten aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen diskutierten mit den zahlreichen Gästen über die Aktualität der in jener Achsenzeit Europas erstmals formulierten Frage nach den Möglichkeiten und damit nach dem Wesen moderner Wissenschaft. Denn mit geradezu frappierender Ähnlichkeit taucht sie in den Diskussionen der Gegenwart, sei es in der Biotechnologie oder in der Atomphysik, wieder auf.

Letizia Mancino-Cremer, Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft Heidelberg, erachtete es als "Goethes Vermächtnis", diese Diskussion angestoßen zu haben. "Goethe selbst versuchte in seiner Person, jene ersten Spannungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaft zu überbrücken. Er galt geradezu als ein Synonym für das Zusammenfließen geistiger Strömungen!" Doch an Goethes Haltung zu den Naturwissenschaften entzündete sich seit damals auch manch heftiger Disput. Worin lag nun die besondere Leistung der Weimaraners? Was ahnte er über die Antinomien des Technischen? Wie viel Zauberlehrling steckt heute noch in der Biotechnologie?

Probleme mit der Mathematik

Manfred Osten, ehemaliger Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung, formulierte es in seinem Vortrag "War Goethe mit der Physik gesegnet?", wie folgt: Goethe antizipierte bereits die Einsicht Niels Bohrs, von dem das Wort stammt, "die Naturwissenschaften handeln nicht von der Natur, sondern von dem, was Menschen über die Natur aussagen." "Goethe hat sehr früh darauf aufmerksam gemacht, dass die Objektivität der Resultate physikalischer Experimente wesentlich mitbestimmt wird von Erwartungs- und Zeitvorstellungen des experimentierenden Subjekts", so Osten.

Nicht ganz so wohlwollend beurteilte Hans Günter Dosch, Theoretischer Physiker und Sekretar der Akademie, in seinem Koreferat "War die Physik mit Goethe geschlagen?", das methodische Vermögen Goethes. Goethe habe ganz erhebliche Probleme mit der Mathematik gehabt. "Leider begriff Goethe das hoch entwickelte Symbolsystem der Mathematik nicht. Sonst hätte er sich wohl nicht so vehement gegen Newton gewandt", so Dosch. Lebhaft wurde die Diskussion vor allem in der abschließenden Diskussionsrunde unter der Moderation von Gerhard van Kaick vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Ob in der Altersdebatte oder im Streit um die rechtlichen Grundlagen der Reproduktionsmedizin, immer wieder kehre das Denken ganz unweigerlich zu den gleichen Grundproblemen zurück.

Was in der Epoche Goethes als Fragehorizont angerissen wurde, könne auch in historischer Distanz nicht gültig beantwortet werden. Statt einer eindeutigen Antwort, wie der Wert des menschlichen Lebens zu fassen sei, würde die Frage nach dem ethischen Moment vor dem Hintergrund des Machbaren in der Moderne eher verschärft und gäbe sich als bleibende, angesichts eines exponentiellen Wissenszuwachses in Teilen sogar erschwerte, Aufgabe zu erkennen. "Was ist die geheimnisvolle Lebenskraft? Welche Folgen müssen wir annehmen, wenn wir als Mediziner eingreifen? Welche Konsequenzen haben wir zu verantworten, wenn wir nicht handeln?", so der Stammzellforscher Anthony Ho. "Hier bleibt unser Denken immer noch dem Ursprung verhaftet. Gleichgültig wie weit unsere speziellen Kenntnisse in den letzten 200 Jahren auch fortgeschritten sein mögen."
Johannes Schnurr

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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