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3. Juli 2004

Hier endet der Kampf gegen den Tod

In der neuen Medizinischen Klinik wurden zwei Abschiedsräume für Angehörige eingeweiht

Hier endet der Kampf gegen den Tod

Der Künstler Andreas Felger (links) hat für die Abschiedsräume in der neuen Medizinischen Klinik Holzreliefs geschaffen. Oliver Kohler stellte sie vor. Foto: Benjamin

Die beiden Holzreliefs, die Andreas Felger für die beiden Abschiedsräume der Intensivstationen im Neubau der Medizinischen Klinik geschaffen hat, sind etwas ganz Besonderes. "Sie sind geschaffen für Augenblicke, in denen Menschen aufhören mussten, noch etwas zu tun", so der Publizist Oliver Kohler bei der Einweihung der beiden Orte, an denen es ums Abschiednehmen geht.

Dass es solche Räume gibt, in einer Klinik, wo mit allen Mitteln um das Leben gekämpft wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Im Etat der ultramodernen Universitätsklinik ist nämlich nichts dergleichen vorgesehen.

Deshalb war es schließlich eine Initiative aus Pflegekräften, Ärzteteam, Klinikseelsorge und Unterstützerkreis, die in einem Kraftakt für die finanzielle Unterstützung und die Realisierung sorgten.

"Hier haben unterschiedliche Gruppen an einem Ziel gearbeitet". Ein Platz, wo Abschied genommen wird von den verstorbenen Patienten, so Professor Wolfgang Herzog, das tue der Klinik gut.

Die beiden Kunstwerke, die die beiden Abschiedsräume der Kardiologischen und Gastroenterologischen Intensivstation prägen, haben jeweils die Form eines schmalen Rechtecks. Ihr Grundmaterial ist Holz. "Damit", so Oliver Kohler, der Andreas Felger seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden ist, "wählt der 1935 am Fuß der Schwäbischen Alb geborene Maler das ihm nächste und vertrauteste Element".

Felger, der als einer der bedeutendsten deutschen Holzschneider unserer Zeit gilt, hat das Holz als Relief mit Vorsprüngen, Kanten und Einkerbungen gearbeitet. "Schon immer sahen Menschen ja im Baum das Leben selbst verkörpert", formuliert Kohler in seiner Interpretation. Bewusst habe der Künstler mit Stundenglas und Sonne zwei Sinnbilder gewählt, die auch in einer multikulturellen Stadt wie Heidelberg viele Menschen erreichen und ihnen Raum lassen für eine spirituelle Dimension. Auf dem einen Kunstwerk berühren sich zwei Dreieck und ergeben die Kontur eines Stundenglases, dessen obere Hälfte leer ist. "Zukunft wurde Gegenwart und verwandelte sich in Vergangenheit", beschreibt Kohler. Der untere Teil hat einen Auftrag von Blattgold. "Dieses Leben hatte seine Zeit und darin seinen Wert. Nun ist es vollendet", beschreibt Kohler die Gedanken seines Freundes.

Die Farben des zweiten Reliefs sind ganz anders. Sie reichen vom lichten Blau des Morgens, über das Grün der Wiesen bis zum Meeresblau und dem Dunkel des Erdinnern. Über dieser Landschaft eines Lebens ist die Sonne aufgezogen. "In ihr bündeln sich Wärem, Kraft, Wachstum und Entwicklung", referiert der Publizist.

Gleichwohl stehe das Licht auch für die Ostersonne, die über einem Grab aufgeht, und ein neues Licht auf eine vordergründig eindeutig Situation werfen könne. Keinesfalls, so betont er, suchten die Holzreliefs den Tod zu ästhetisieren. "Alle hier Arbeitenden kennen seinen täglichen Schrecken." Oft genug mache er nur fassungslos, ratlos, sprachlos. Felger habe jedoch versucht, mit den Bildern eine Art Kultur des Abschieds zu schaffen. "Sie wollen still und doch intensiv denen nahe sein, die mit der Entfernung eines Menschen umgehen müssen."

Keinesfalls, so betont Klinikseelsorger Thomas Wigant, wolle der Raum vereinnahmen. Vielmehr sei es ein Ort, etwas sein zu lassen. Gerade in einem Krankenhaus der Maximalversorgung rechne eigentlich niemand mit einem solchen, aber doch habe er beobachtet, dass allein seine Existenz oft zum kurzen Innehalten führe.

Dass seine Funktion als "Abschiedsraum" schon am Schild kenntlich sei, würdigt Wigants Kollegin, die Klinikpfarrerin Dagmar Kreitzscheck. Ab und an sei es nämlich für jeden wichtig, "dem Tod einmal wieder ins Auge zu schauen".
Kirsten Baumbusch

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Dr. Michael Schwarz
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