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14. Juli 2004

Universität Heidelberg siegreich in DAAD-Wettbewerb

Demnächst "Summer School" in Strahlentherapie am Heidelberg Center Lateinamerika in Santiago de Chile

Ionisierende Strahlungen sind in der Medizin seit langem unentbehrlich – sei es in der Röntgendiagnostik, in der Nuklearmedizin, der Röntgencomputer-Tomographie, der Magnetresonanz-Tomographie oder der Strahlentherapie. Indes bedürfen all diese diagnostischen und therapeutischen Methoden eines sorgfältigen Umgangs, um Patienten wie auch das Personal vor der Strahlung zu schützen. Denn wo der vernünftige Einsatz nuklearen Materials eine Krankheit zu heilen vermag, kann unsachgemäße Handhabung im Gegenzug großen Schaden anrichten. Der Einsatz ionisierender Strahlung am Menschen unterliegt daher strengen Richtlinien – in Deutschland der Röntgenverordnung und der Strahlenschutzverordnung -, die sich inzwischen an europäischen Vorgaben orientieren.

Während jedoch in den westlichen Ländern speziell ausgebildete Medizin-Physiker die Verantwortung bei radiologischen Untersuchungen und Behandlungen tragen, existiert in Chile und anderen Ländern Lateinamerikas bislang nicht einmal ein vergleichbares Berufsbild. Die Aufgaben werden hier von Ärzten oder technischen Assistenten ausgeübt – die nicht selten von der immer komplexeren Technik überfordert sind. Eine sichere, nebenwirkungsfreie Anwendung ist deshalb oftmals nicht gegeben, was unmittelbare Gefahren für den Patienten sowohl bei der Diagnose als auch in der Therapie zur Folge hat. Darüber hinaus fehlt es an Forschungsvorhaben und Entwicklungen in der Medizinischen Physik, wie sie bei uns seit langem üblich sind.

Doch dieser Mangel könnte künftig dank einer Initiative des Heidelberg Centers in Santiago de Chile behoben werden. Denn im November diesen Jahres wird unter dem Namen "Summer School in Medical Radiation Physics" vom Heidelberg Center ein Kurs organisiert, der die Grundlagen der Strahlenphysik, des Strahlenschutzes und der Medizinischen Physik in den Teilgebieten radiologischer Diagnostik (einschließlich Röntgendiagnostik, Röntgencomputer-Tomographie und Magnetresonanz), der Nuklearmedizin (Diagnostik und Therapie) sowie der Strahlentherapie mit ionisierenden Strahlen (Brachytherapie und Teletherapie) vermittelt.

Darüber hinaus wird der Stand der Wissenschaft und Technik auf aktuellen Forschungsgebieten der Medizinischen Strahlenphysik gelehrt. Diesen hohen Anspruch würdigte kürzlich auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), der das Projekt im Rahmen des Wettbewerbs "Summer Schools im Ausland" auszeichnete und die Finanzierung übernimmt. Immerhin entspricht der rund 80 Stunden umfassende Kurs in Umfang und Inhalt derjenigen Ausbildung, die auch in Deutschland für den Medizin-Physik-Experten vorgeschrieben ist. Weiterhin lehnt sich der Lehrgang bezüglich der Lehrinhalte und Lernziele eng an die Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Physik (EFOMP) für die Ausbildung zum Medizin-Physik-Experten an.

"Im Grunde ist dieser Kurs bereits der zweite seiner Art", erklärt Dr. Walter Eckel, der Direktor des Heidelberg Centers für Lateinamerika. "Denn erste – und sehr gute – Erfahrungen konnten wir bereits im vergangenen Jahr machen, als Professor Schlegel, der Leiter der Abteilung für Medizinische Physik am Deutschen Krebsforschungszentrum, ein Seminar zur Strahlentherapie anbot." Rund 50 Teilnehmer zählte diese Veranstaltung, was den Bedarf an entsprechenden Lehrangeboten deutlich machte. "Den kommenden Kurs, der einen ähnlichen Zulauf haben dürfte, sehen wir deshalb auch als eine Art Antwort auf diesen Bedarf."

Die Organisation des Projekts übernimmt das 2001 von der Universität Heidelberg – mit finanzieller Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg – gegründete Heidelberg Center Lateinamerika in Santiago de Chile. Dieses einzige Postgraduiertenzentrum einer deutschen Universität im Ausland bietet die Plattform des Kurses, an dem weiterhin noch die Fakultäten für Physik und Medizin der Pontificia Universidad Católica und der Universidad de Chile sowie von deutscher Seite die Abteilung Strahlentherapie des Heidelberger Universitätsklinikums und die Abteilung Medizinische Physik des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) beteiligt sind.

Folglich wird denn auch im kommenden November Prof. Dr. Wolfgang Schlegel mit sieben weiteren Mitarbeitern seiner Abteilung nach Chile reisen, um gemeinsam mit zwei vom Universitätsklinikum entsandten Mitarbeitern und Professor da Silva – dem führenden brasilianischen Radiologen – den Kurs zu halten. "In Chile ist die Strahlentherapie noch relativ unterentwickelt. Die Ärzte – und generell das beteiligte Personal – fühlen sich durchaus zu Recht ein wenig alleine gelassen. Vor allem wenn es um Fragen der Sicherheit in der Strahlenbehandlung geht, ist ein enormer Nachholbedarf spürbar", erklärt der Projektverantwortliche der "Summer School in Medical Radiation Physics". Der Name hat indes durchaus seine Berechtigung, liegt der chilenische November doch mitten im Frühsommer, der die anreisenden Heidelberger Wissenschaftler mit erfreulichen 25 Grad begrüßen dürfte.

Indes darf man in diesem Zusammenhang nicht alleine von einem Wissensexport reden. Immerhin gilt die Medizinische Physik in der Neckarstadt auch auf internationaler Ebene als hervorragend positioniert – und ist die am DKFZ betriebene Forschung auf diesem Gebiet an vorderster wissenschaftlicher Front angesiedelt. Denn von deutscher Seite wird mit dem Kurs auch die Hoffnung verknüpft, besonders geeignete chilenische Physiker für eine Promotion auf dem Gebiet der Medizinischen Physik zu gewinnen und für eine wissenschaftliche Tätigkeit in Deutschland zu interessieren. Zugleich wird durch die gemeinsamen Bemühungen von Seiten der Ruperto Carola und des DKFZ deutlich, welche Möglichkeiten sich aus der wissenschaftlichen Vernetzung in Heidelberg ergeben.

"Und das – also der Brückenschlag zwischen inner- und außeruniversitären Einrichtungen – ist einer der größten Pluspunkte Heidelbergs", ist sich Dr. Eckel sicher. "Denn so wird der Lehrexport erleichtert, ohne dass die Lehre in Heidelberg darunter zu leiden hätte." Zugleich denkt Walter Eckel bereits jetzt an künftige Vorhaben: "Mittelfristig arbeiten wir mit aller Kraft auf das erklärte Ziel hin, einen vollwertigen Masterstudiengang in der Medizinischen Physik in Chile zu etablieren. Das würde dann nämlich nicht nur eine wertvolle Ergänzung des bereits bestehenden Lehrangebots darstellen – sondern auch eine schmerzliche Lücke im Gesundheitswesen Lateinamerikas schließen."
Heiko P. Wacker

Rückfragen bitte an
Dr. Walter Eckel
Heidelberg Center Lateinamerika
Avda. Los Leones 1035
Providencia, Santiago de Chile, Chile
Tel. +56-(0)2-2343466, Fax +56-(0)2-2343781
walter.eckel@heidelberg.tie.cl

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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