Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English
Besucher, Internationale Beziehungen, Heidelberg und RegionStartseiten der FakultätenAufbau der Universität, Personalverzeichnis, ServiceeinrichtungenFächerübersicht, Beratung, Informationen für ausländische StudierendeProjekte, Publikationen, Technologietransfer

Startseite > Presse >

 
22. Juli 2004

Ein Genuss wie das Theaterchen selbst

Stolzer Prachtband: "Hofoper in Schwetzingen – Musik, Bühnenkunst, Architektur" im Universitätsverlag Winter

Das Rokokotheater im Zustand um 1920

Das Rokokotheater im Zustand um 1920. Die alten Sitzbänke ließen vor der Bühne genug Platz für die herrschaftlichen Sessel. Das alte Bühnenhaus wurde 1974 aus Sicherheitsgründen abgerissen und neu gebaut. Die Bilder stammen aus dem besprochenen Band.


Kurfürst Carl Theodor

So privat war er nur in Schwetzingen: Kurfürst Carl Theodor mit Flöte, Hündchen und lockeren Strumpfbändern. (Gemälde von Johann Georg Ziesenis, 1757)

Ein Kleinod mit wechselvoller Geschichte: Das Schwetzinger Rokokotheater, erbaut und festlich eingeweiht 1753, ist das älteste erhaltene Rangtheater der Welt und das älteste Theater Baden-Württembergs, das außerdem noch in Betrieb ist. Das 250-jährige Bestehen dieses kleinen und schmucken Hauses in der ehemals kurfürstlichen Sommerresidenz war im letzten Jahr Anlass für eine umfassende wissenschaftlich-historische Aufarbeitung, die die Forschungsstelle "Mannheimer Hofkapelle" der Heidelberger Akademie der Wissenschaften in Angriff nahm. Das Ergebnis liegt nun als besonders schöner, das Auge ebenso wie den Geist erfreuender Prachtband vor und ist im Heidelberger Universitätsverlag Winter erschienen.

Herausgeber sind die Musikwissenschaftlerinnen Prof. Silke Leopold und Dr. Bärbel Pelker, die als Autoren vor allem die mit dieser Bühne verbundene Operngeschichte rekapitulieren. Sie widmen sich dem hier gepflegten musikalischen Repertoire, das sie profund dokumentieren, und der großen Zahl der hier meist persönlich anwesenden Komponisten, Virtuosen, Librettisten, Künstler und Philosophen, deren sorgsam zusammengetragene Bildnisse auf durchweg hochwertigem Papier hervorragend wiedergegeben sind. Darüber hinaus geben die Herausgeber Einblicke in das künstlerische Umfeld am kurfürstlichen Hof Carl Theodors, dessen Musik- und Kunstleidenschaft legendär sind, und porträtieren die in ihrer Zeit bedeutenden Sängerinnen und Sänger, Musiker, Bühnenbildner und Architekten, die hier zu Vergnügen und Erbauung des Landesherrn tätig waren. Viele von ihnen sind durch die Briefe Mozarts bekannt geblieben, der hier selbst als kleiner Junge auf der Bühne stand und bei seinen späteren Mannheimer Aufenthalten über die Hofmusik berichtete. Die Hofmusiker waren auch in Schwetzingen beschäftigt. Viele wohnten – wie der größte Teil des höfischen Personals – in dem sich um die berühmte Gartenanlage herum bildenden Städtchen.

Die Dokumentation der hier zur Aufführung gebrachten Werke von Hasse, Jomelli, Piccini, Johann Christian Bach, Galluppi, Schweitzer, Gluck und anderen, von denen teilweise nur die Texte erhalten sind, beschränkt sich auf knappe Inhaltsangaben und einige oft spärlich überlieferte Fakten der Schwetzinger Inszenierungen: Die originalen Text- oder Regiebücher bzw. auch die Partituren und Skizzen zur Bühnenausstattung sind vorzüglich abgebildet und bestens kommentiert. So ist dieses Buch vor allem auch ein Buch zum Schauen, dessen wissenschaftlich erarbeiteter Hintergrund das Lesen kaum erschwert und es schafft, das Flair der alten Zeit durchaus greifbar zu machen.

Dass in Schwetzingen immer wieder Operngeschichte geschrieben wurde – und nicht nur im 18. Jahrhundert, sondern auch später, durch zahlreiche Uraufführungen im Rahmen der Schwetzinger Festspiele – ist hinlänglich bekannt. Und die Musikwelt nahm früh davon Kenntnis, wie man an diversen Rezensionen schon um 1775, aber auch aus Charles Burneys musikalischen Tagebüchern ersehen kann. Darüber hinaus sind heute die erhaltenen Hinweise zur spätbarocken Theaterpraxis (mit Prospekten, Donner- und Windmaschinen und allerlei anderem Spektakelgerät) sowie auf die Baugeschichte des erst spät zum "Rokokotheater" reüssierten Gebäudes von großem Interesse. Die betreffenden Beiträge nehmen daher gebührenden Raum ein.

Dieser Publikation kommt fraglos der Rang eines künftigen Standardwerkes zur allgemeinen Geschichte des Theaters im 18. Jahrhundert zu. Die vielfach vorgenommenen frühen Umbauten, die Generalrenovierung von 1937 (samt Hakenkreuz im Deckengemälde), die Deckenneubemalung von 1957 (diesmal mit dem kleinen Mozart als Himmelsbewohner), die, wie sich erst 2003 herausstellte, unrettbar vom Brotkäfer zerfressen war und daher abgenommen werden musste, sowie der Totalabriss und Neubau des Bühnenhauses Mitte der 70er Jahre sind sorgfältig dokumentiert. Dass immer wieder Originalmaterial verloren ging (u.a. die gesamte barocke Bühnentechnik), wird heute allgemein bedauert, lässt sich aber aus der Argumentation der Zeit heraus, dieses wertvolle Theater vor allem durch die Wiederherstellung seiner Bespielbarkeit als Ganzes retten zu können, durchaus nachvollziehen. Spannend ist es, die einzelnen Bauabschnitte aufgrund alter Pläne, Zeichnungen, Fotografien und Zeugenaussagen zu verfolgen.

Eine umfassende "Chronologie zu Musik und Theater in Schwetzingen 1743-2003" – die Geschichte der Kunst in Schwetzingen beginnt spätestens ein Jahrzehnt vor dem eigentlichen Bau des Theaters – schließt diese aufwändige Neuerscheinung sinnvoll ab, bei der man viel Buch für relativ wenig Geld erhält: Es ist ein Genuss, wie das Theaterchen selbst.

Hofoper in Schwetzingen – Musik, Bühnenkunst, Architektur. Hrsg. v. Silke Leopold und Bärbel Pelker im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2004, 448 S., ca. 510 meist farbige Abbildungen, 39 Euro.
Matthias Roth

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English