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23. Juli 2004

Alternative zu einer Nationalen Akademie der Wissenschaften

Akademienunion stellt in Berlin eigenes Konzept vor – Internationale Vertretung der deutschen Wissenschaft soll effizienter organisiert werden

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften hat heute in Berlin ihr Konzept zum Thema einer Nationalen Akademie der Wissenschaften vorgestellt. Sie teilt die Einschätzung des Wissenschaftsrates hinsichtlich der genannten Desiderate. Zu deren Behebung sieht sie allerdings nicht die Notwendigkeit, eine neue übergeordnete Institution zu gründen. Sie plädiert stattdessen für die Bündelung bestehender Institutionen in neuen Organisationsformen. Ihr Konzept sieht gleichwohl die Wahrnehmung der vom Wissenschaftsrat benannten Aufgaben vor, allerdings in Form einer weitaus kostengünstigeren Lösung und durch funktionsspezifische Strukturen.

Hintergrund für das von der Union entwickelte Konzept sind Empfehlungen, die der Wissenschaftsrat am 2. Februar diesen Jahres veröffentlichte. In diesen befürwortete er die Neugründung einer Nationalen Akademie der Wissenschaften für Deutschland und forderte die bestehenden Wissenschaftsakademien sowie die großen Wissenschaftsorganisationen auf, die notwendigen Abstimmungsprozesse einzuleiten. Die in der Union zusammengeschlossenen deutschen Akademien der Wissenschaften haben auf diese Empfehlungen reagiert und sehr zügig ein Konzept entwickelt, das an den vom Wissenschaftsrat formulierten Desideraten einer effizienteren Außenvertretung der deutschen Wissenschaft sowie der Gesellschaftsberatung anknüpft. Es ist von den Mitgliedsakademien der Union einstimmig beschlossen und den Präsidenten der großen deutschen Wissenschaftsorganisationen sowie der Leopoldina und von acatech vorgestellt worden.

Das von der Union vorgestellte Modell besteht aus drei eng miteinander verzahnten Teilen. Die bisher in der Union zusammengeschlossenen deutschen Wissenschaftsakademien bilden mit der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und dem Konvent für Technikwissenschaftlichen acatech einen neuen Zusammenschluss "Deutsche Akademien der Wissenschaften" (DAW), der die Vertretung der deutschen Akademien gegenüber den Schwesterakademien des Auslandes intensiviert, den Bekanntheitsgrad der deutschen Akademien erhöhen und das gemeinsame Forschungsprogramm der Akademien, das so genannte Akademienprogramm, weiterentwickeln soll.

Für eine wirksame und weit in Politik und Gesellschaft hinein wirkende Beratung zu wichtigen Themen der Gegenwart und Zukunft soll ein aus der Mitte der deutschen Wissenschaft kommender Konvent der deutschen Wissenschaft gegründet werden. Er soll bis zu 120 Mitglieder umfassen, die auf vier bis sechs Jahre gewählt werden und auch die junge Elite und Wissenschaftlerinnen verstärkt einbinden soll. Der Konvent wird Arbeitsgruppen zu den zu bearbeitenden Themen einsetzen. Die bisherige Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen soll unter Einschluss des neuen Akademienverbundes DAW zu einem deutschen Forschungsrat weiterentwickelt werden, der das gemeinsame Dach der deutschen Wissenschaft bilden und deren internationale Beziehungen koordinieren soll. Die Union der deutschen Akademien wird in den nächsten Monaten damit fortfahren, das detaillierte Konzept mit Politikern auf Bundes- und Landesebene zu erörtern und dessen Umsetzungschancen gemeinsam mit den großen Wissenschaftsorganisationen auszuloten.

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist die Dachorganisation von sieben Wissenschaftsakademien, die sich zur Umsetzung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben. Unter dem Dach der Union sind mehr als 1400 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedenster Fachrichtungen vereint, die zu den national und international herausragenden Vertretern ihrer Disziplinen gehören. Die Union koordiniert das "Akademienprogramm", das eines der größten und ältesten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland darstellt. So ist die Union zuständig für die Koordinierung und Durchführung gemeinsamer Forschungsvorhaben ihrer Mitgliedsakademien. Sie empfiehlt die Bildung von Schwerpunkten für verwandte Projekte, fördert die Kommunikation zwischen den Akademien und betreibt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie kommuniziert mit Wissenschaftsorganisationen des In- und Auslandes und entsendet Vertreter in nationale und internationale Wissenschaftsorganisationen. Eine organisierte Zusammenarbeit der deutschsprachigen Akademien der Wissenschaften gibt es bereits seit über 100 Jahren. Sie geht zurück auf das so genannte "Kartell", das 1893 in Leipzig für die Betreuung von über 30 gemeinsamen Akademie-Forschungsvorhaben gegründet wurde.

Rückfragen bitte an
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Tel.: 06221 54 34 00
johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de

sowie
Myriam Hönig
Pressereferentin der Union der deutschen
Akademien der Wissenschaften
Tel. 030 20 63 29 65, Fax 20 63 29 67
hoenig@akademienunion-berlin.de

sowie
Dr. Dieter Herrmann
Tel. 06131 21 85 28 12, Fax 21 85 28 11
uaw@mail.uni-mainz.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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