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21. Juli 2004

Was wäre gewesen, wenn...?

Hans Mommsen spricht über politische Neuordnungspläne der Hitler-Attentäter – Vortrag in der Alten Aula der Universität Heidelberg stieß auf großes Interesse

Zum 60. Mal jährte sich der Tag der gescheiterten Verschwörung gegen Hitler: der Versuch, den Diktator zu ermorden und dadurch den Krieg und die nationalsozialistische Diktatur zu beenden, schlug fehl. Trotzdem gehört die Erinnerung an den Widerstand zu unserem kulturellen Gedächtnis. Auf großes Interesse traf deshalb der Vortrag von Prof. Hans Mommsen, zu dem die Universität Heidelberg und die Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert Gedenkstätte in der Alten Aula eingeladen hatte.

Der ausgewiesene Kenner der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, der 1967 in Heidelberg habilitierte und jetzt emeritierter Professor der Ruhr-Universität Bochum ist, kehrte für das Thema "Die Bewegung des 20. Juli 1944 und die politische und soziale Neuordnung Deutschlands" nach Heidelberg zurück. "Nicht weil Heidelberg besonders prädestiniert wäre – Heidelberg war kein Ort des Widerstandes", stellte Oberbürgermeisterin Beate Weber fest. Dennoch begann Hans Mommsen, nach einführenden Worten auch von Rektor Prof. Hommelhoff, den Vortrag "in Erinnerung an meine Heidelberger Zeit".

Einige Fragen standen besonders im Vordergrund: Was bedeutet die Erinnerung an den Widerstand heute? Was wäre geschehen, wenn die Verschwörung nicht fehl geschlagen wäre? Besonders für die junge Demokratie nach dem Krieg, aber auch heute noch, bedeutet der Widerstand Entlastung und Rechtfertigung. An diesen Gedanken knüpfte Mommsen den zweiten: "Welche politischen Alternativen waren damals theoretisch denkbar", und was wäre geschehen, wenn es dazu gekommen wäre, diese umzusetzen. Mommsen verdeutlichte, dass für die Gruppe der Widerständigen schon weit mehr festgestanden hat, als die bloßen Eckdaten der Verschwörung. Die verschiedenen Konzepte zur politischen und sozialen Neuordnung wurden von Mommsen im weiteren vorgestellt und analysiert.

Das Attentat sollte keinen Regierungswechsel, sondern einen politischen Umsturz bewirken. In den Erneuerungsplänen öffneten sich die Verschwörer, die bis auf wenige Ausnahmen über keine politische Erfahrung verfügten, dem Beenden der Klassenkämpfe und der Lösung der sozialen Frage. Dies sollte z. B. durch ein allgemeines Recht auf Arbeit ermöglicht werden. Die Verschwörer, die zusätzlich zu der Judenvernichtung von der Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener angewidert waren, sahen das zukünftige Deutschland als Brücke zwischen Ost und West. Wunsch war es zudem immer, in Zukunft ein mündiges politisch und sozial verantwortungsvolles Bürgertum zu ermöglichen.

Abschließend hielt Hans Mommsen fest: Wäre der Widerstand geglückt, so hätten sich die Pläne der Verschwörer nicht in die Tat umsetzen lassen. Die Konzepte hätten schlecht in die politische Landschaft gepasst und es wäre wohl kaum möglich gewesen, eine stabile Regierung langfristig zu gestalten. Fest steht aber, dass ein verhängnisvoller Krieg beendet worden wäre, der vielen Menschen das Leben gekostet hat.
Kerstin Beenen

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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