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2. Juli 2004

Forschungspolitik in Europa machen

Die "League of European Research Universities" – Gespräch mit Prorektor Chaniotis

Herr Prof. Chaniotis, Sie waren kürzlich auf einer Konferenz der League of European Research Universities (LERU) im niederländischen Leiden. Welchen Gesamteindruck hatten Sie von dieser Veranstaltung?

Diese Konferenz verband etwa 250 Studenten aus den zwölf besten europäischen Forschungsuniversitäten, die gemeinsam über die Zukunft Europas diskutierten. Im Anschluss fand das Rektorentreffen dieser Hochschulen statt. Mein Eindruck war außerordentlich positiv; die studentische Veranstaltung war auf einem sehr hohen Niveau, so dass wir sie im belgischen Löwen wiederholen werden. Und eines der folgenden Treffen wird wohl in Heidelberg stattfinden.

Können Sie die Mitglieder der League of European Research Universities einmal nennen? Und wie entstand die Vereinigung?

Diese Gruppierung ist aus dem Umstand erwachsen, dass die Grundlagenforschung in Europa unterfinanziert ist. Es gibt viel Geld für angewandte Forschung, aber die vorgeschaltete Grundlagenforschung wird durch die EU oder die Industrie nicht angemessen gefördert. Deshalb haben die beiden Universitäten in Löwen und Leiden die Initiative ergriffen, um erst einmal die zwölf besten Universitäten zu identifizieren und mit ihnen eine Vereinigung zu gründen. Durch eine Evaluation wurden 2001 zwölf Hochschulen ermittelt: Oxford, Cambridge und Edinburgh in Großbritannien, München und Heidelberg in Deutschland, Leiden in den Niederlanden, Löwen in Belgien, Stockholm in Schweden, Helsinki in Finnland, Mailand in Italien, Genf in der Schweiz sowie Straßburg in Frankreich.

Nach welchen Kriterien wurden diese Hochschulen ermittelt?

Vor allem wurden die Natur- und Lebenswissenschaften untersucht, denn dort gibt es relativ objektive Maßstäbe für die Produktion von Wissen: zum Beispiel Zitationsindices, die anzeigen, wie häufig eine Arbeit positiv erwähnt wird. Die Art der Kriterien erklärt auch, warum einige Mitglieder der League stark naturwissenschaftlich oder medizinisch ausgerichtet sind.

Welches sind die Ziele der LERU?

Wir wollen auf europäischer Ebene in Politik und Öffentlichkeit das Bewusstsein für die große Bedeutung der Grundlagenforschung wach halten. Deutlich soll auch werden, dass die Grundlagenforschung hauptsächlich eine Stätte hat, nämlich die Universitäten. Allgemein sollen mindestens drei Prozent des Bruttosozialproduktes in Grundlagenforschung investiert werden. Die zwölf Forschungsuniversitäten vertreten die Interessen aller forschungsintensiven Universitäten in Europa. Auch soll der Stellenwert der Forschung im Wettstreit mit den USA betont werden.

Was die Hochschulen in Deutschland betrifft, so wurde die oben genannte Evaluation durch eine Studie der Universität Shanghai bestätigt: Auch hier führten München und Heidelberg. Im internationalen Vergleich nahm die Ruperto Carola allerdings Rang 58 ein. Dann muss es in der Welt doch zahlreiche überlegene Universitäten geben.

Allein die ersten dreißig Plätze sind von amerikanischen Universitäten belegt, denn in den USA herrschen ganz andere, flexiblere Bedingungen für die Grundlagenforschung. Aus Europa sind die Universitäten Cambridge und Oxford vor allem aufgrund ihrer effektiveren Personalstruktur mit einem starken Mittelbau sogar unter den Top Ten der Welt positioniert. Die deutschen Verhältnisse werden unter anderem dadurch sehr kompliziert, dass ein großer Teil der Verantwortlichkeit nicht bei den Universitäten liegt, sondern bei den Ministerien – beispielsweise für neue Studiengänge.

Bedeutet das kommende Landeshochschulgesetz eine Verbesserung?

Im Hinblick auf Berufungen wird es wohl Verbesserungen geben: eine größere Verantwortlichkeit der Universitäten und eine Beschleunigung des Verfahrens. Ob die Autonomie der Universitäten bei der Einführung neuer Studiengänge erweitert wird, ist noch offen.

Wie sieht jetzt die konkrete Politik der LERU aus?

Die League hat inzwischen ein Büro in Löwen eingerichtet. Dort, zwanzig Minuten von Brüssel entfernt, arbeitet auch ein Generalsekretär. Ansprechpartner – etwa beim wissenschaftlichen Rahmenprogramm – ist das Forschungskommissariat der EU.

In Lüttich haben wir bereits eine Veranstaltung zur Zukunft der Forschung in Europa durchgeführt. Wir wollen die europäische Forschungspolitik beeinflussen: Es kann als sicher gelten, dass die EU eine europäische Forschungsgemeinschaft einrichten wird: einen European Research Council, der bezüglich der Geistes-, Natur- und Lebenswissenschaften in einer Konkurrenzsituation mit Asien und den USA agiert. Für die meisten Disziplinen wollen wir die LERU als einen virtuellen Campus sehen, auf dem wir nicht nur die Gemeinsamkeiten nutzen, sondern uns auch ergänzen können – etwa durch gemeinsame Studiengänge oder den Austausch von Professoren.

Ist denn mittlerweile ein Domizil der Universität Heidelberg in den USA gefunden? Rektor Hommelhoff ist vor einiger Zeit dorthin gereist.

Nein, diese Dependance gibt es noch nicht. Wenn aber unsere Planung für einen speziellen Ort gelingt, wird dies ein großer Erfolg für Heidelberg sein. Ich kann jedoch schon sagen, dass wir in New York präsent sein wollen.
Heribert Vogt, Rhein-Neckar-Zeitung

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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