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21. Juni 2004

Semester-Ticket auf dem Prüfstand

Verkehrsverbund Rhein Neckar kündigt Semester-Ticket-Vereinbarung zum 30. September 2005 und strebt erhebliche Verteuerung an – Universität Heidelberg, Pädagogische Hochschule und Studentenwerk starten groß angelegte Aktion: Studierende werden nach ihrer Meinung zum künftigen Schicksal des Tickets befragt

Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) hat die bestehende Semester-Ticket-Vereinbarung zum 30. September 2005 gekündigt und strebt eine erhebliche Verteuerung an. In einem ersten Schritt wird der Verkaufspreis des Semester-Tickets ab dem Wintersemester 2004/2005 auf 79 Euro pro Semester angehoben. Ab dem Wintersemester 2005/06 soll das Ticket dann 103 Euro, ab dem WS 06/07 125 Euro und ab dem WS 07/08 schließlich 147 Euro kosten, was nahezu einer Verdoppelung des aktuellen Verkaufspreises in Höhe von 74 Euro gleichkäme. Als Gründe für die Preissteigerung macht der VRN zu erwartende Zuschuss-Kürzungen im Ausbildungsverkehr durch das Land Baden-Württemberg geltend. Universität Heidelberg, Pädagogische Hochschule und Studentenwerk starteten daraufhin eine groß angelegte Aktion: Studierende werden nach ihrer Meinung zum künftigen Schicksal des Tickets befragt.

Die Berechnung der neuen Preise beruht auf der Annahme, dass der dem VRN zur Grundfinanzierung des Tickets vom Studentenwerk bereitgestellte Betrag von derzeit 18,50 Euro pro Student gleich bleibt. Dieser Betrag ist Teil des zu Beginn jeden Semesters fälligen Studentenwerksbeitrags in Höhe von 49 Euro, den alle Studierende entrichten müssen: 13,50 Euro dienen allein der Finanzierung des Semester-Tickets, 5 Euro dienen der Finanzierung einer speziellen Abendregelung, die seit 2002 besteht und allen Studierenden erlaubt, ab 19 Uhr kostenlos Busse und Bahnen in einem bestimmten Wabenbereich zu nutzen – unabhängig davon, ob sie ein Semester-Ticket besitzen oder nicht. Neben diesem so genannten Grundbeitrag in Höhe von 18,50 Euro dient dem VRN der Verkaufspreis des Semester-Tickets zur Finanzierung dieses sozial verträglichen, verkehrs- und umweltpolitisch sinnvollen Modells.

Umfrage soll Meinungsbild der Studierenden einfangen

Da die zu erwartenden Preissteigerungen einen erheblichen Einschnitt bedeuten, stellt sich die Frage, ob es dann noch vertretbar und von den Studierenden gewünscht ist, dass das auf der solidarischen Mitfinanzierung des Semester-Tickets durch alle Studierenden beruhende Modell unter diesen Bedingungen weitergeführt wird oder nicht. Über die Umfrage sollen Studierende nach ihrer Meinung zum künftigen Schicksal des Tickets befragt werden. Ein entsprechender Fragebogen wird in einer Sonderausgabe des Unispiegels abgedruckt und kann auch online unter www.studentenwerk.uni-heidelberg.de/umfrage.html ausgefüllt werden.

Als Alternative für das Semester-Ticket käme das MAXX-Ticket des VRN in Frage, das 1998 für Schüler und Auszubildende eingeführt wurde. Es kostet derzeit 303 Euro, wird jedoch ebenfalls wegen Zuschuss-Kürzungen von Seiten des Landes in den kommenden Jahren erheblich teurer werden. Gerechnet wird mit einer Steigerung von jährlich rund 10 Prozent, womit dieser Fahrschein im Jahr 2007/2008 etwa 400 Euro kosten würde; es handelt sich allerdings um eine Jahreskarte, die nicht für die Dauer eines Semesters erhältlich ist. Möglich wäre auch eine Erhöhung des Grundbeitrags von 18,50 Euro auf 20 Euro. Damit könnte der Anstieg des Verkaufspreises ein wenig eingedämmt werden – er läge dann ab dem WS 07/08 bei schließlich 138 Euro. Eine weiter gehende Erhöhung des Grundbeitrags kommt nicht in Frage, da die Verteuerung nicht zu Lasten der Studierenden gehen darf, die das Semester-Ticket nicht kaufen.

Das Semester-Ticket in Heidelberg war das erste Projekt dieser Art in Baden-Württemberg. Es wurde zum WS 1993/94 auf Wunsch der Studierenden eingeführt und von der Universität Heidelberg, der Pädagogischen Hochschule und dem Studentenwerk unterstützt. Bei der Einführung kostete das Ticket 100 DM bei einem Studentenwerksbeitrag von 69 DM, von dem 19 DM zur erwähnten Grundfinanzierung des Semester-Tickets herangezogen wurden. Dieses Zwei-Säulen-Finanzierungsprinzip ist eines von zwei Semester-Ticket-Modellen, die in Deutschland verbreitet sind. Bei dem anderen Modell dient der Studentenausweis automatisch als Fahrkarte (ob man fährt oder nicht), dafür liegt der Studentenwerksbeitrag, den alle Studierenden zu Semesterbeginn entrichten müssen, entsprechend hoch.
Oliver Fink

Rückfragen von Journalisten bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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