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2. Juni 2004

Kinder brauchen Kinderradiologen

Europäische Gesellschaft tagt in Heidelberg / Medizinische Versorgung durch Kinderradiologen in Deutschland gefährdet / Einladung zur Pressekonferenz

Vom 7. bis 11. Juni findet in Heidelberg die Tagung der Europäischen Gesellschaft für Kinderradiologie statt, zu der 500 Teilnehmer aus Europa, Amerika und Asien erwartet werden.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, leiden an anderen Erkrankungen und sind besonders sensibel für Röntgenstrahlung. Deshalb wurde die Spezialisierung zum Facharzt für Kinderradiologie etabliert, die eine fachgerechte Diagnostik mit bildgebenden Verfahren und einen strikten Strahlenschutz gewährleistet. Derzeit gibt es in Deutschland ca. 40 Kinderradiologen. In den vergangenen Jahren haben sich die Schwerpunkte insbesondere auf die Anwendung des Ultraschalls (Sonographie) und der Kernspintomographie, also Verfahren ohne Strahlenrisiken, verlagert. Im Brennpunkt eines Workshops der Heidelberger Tagung stehen zudem Kontrastmitteluntersuchungen bei Kindern.

"Die Tagung verbindet hervorragende ärztliche Weiterbildung und hohe wissenschaftliche Qualität", erklärt der diesjährige Präsident der Europäischen Gesellschaft für Kinderradiologie, Prof. Dr. Jochen Tröger, Universitäts-Kinderklinik Heidelberg. Neben neuen medizinischen Entwicklungen möchte er zwei drängende berufspolitische Probleme in den Mittelpunkt der Tagung und der begleitenden Pressekonferenz "Kinder sind etwas Besonderes – Kinderradiologie ist es auch" rücken, die am 8. Juni um 15 Uhr in der Alten Universität Heidelberg, Grabengasse 1, stattfindet.

Kaum Aufstiegschancen und wenig Stellen für Kinderradiologen

Das für die medizinische Versorgung schwerkranker Kinder bedeutsame Fach Kinderradiologie ist in Deutschland, aber auch in anderen Ländern bedroht. Ärztinnen und Ärzte, die sich für das Fach Kinderradiologie entscheiden, befinden sich in einer schwierigen Situation: Nach acht Jahren Weiterbildung gibt es kaum Aufstiegschancen und nur wenige Stellen für Kinderradiologen. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: "Wenig Stellen – wenig Bewerber – noch weniger Stellen". Wenn die aktuelle Entwicklung anhält, würde die jetzt schon unzureichende radiologische Versorgung der Kinder katastrophal, warnt Professor Tröger.

Deshalb sind die Bundesländer aufgefordert, Kompetenzzentren für Kinderradiologie einzurichten, die für Forschung und Lehre und die ärztliche Weiterbildung verantwortlich sind. Diese Zentren sollten per Internet die kinderradiologische Beratung und Qualitätskontrolle für radiologische Abteilungen ohne spezielle kinderradiologische Kompetenz übernehmen. Das Konzept wird u.a. bei der Pressekonferenz am 8. Juni im Senatssaal der Universität vorgestellt.

Zur Stärkung der wissenschaftlichen Leistungen der Kinderradiologie fehlen zur Zeit die öffentlichen Mittel. Deshalb ist es ein großer Gewinn, dass die Joachim-Siebeneicher-Stiftung der Heidelberger Kinderradiologie eine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter, vor allem für die Forschung im Bereich der Kernspintomographie, finanziert. Das Stipendium wird von Professor Tröger bei der Eröffnungsveranstaltung vorgestellt.

Hohe Kongresskosten als Barriere für Ärzte aus neuen EU-Ländern

Das zweite berufspolitische Problem betrifft nicht nur die Kinderradiologie, sondern auch anderen medizinischen Disziplinen: Für Wissenschaftler aus EU- Beitrittsländern hat sich nach dem Fall der politischen Grenze eine ebenso schwer überwindbare ökonomische Grenze gebildet. Diese Ärzte und Wissenschaftler aus Ländern des ehemaligen Ostblocks können die notwendigen hohen Gebühren für wissenschaftliche Kongresse und den teueren Aufenthalt am Kongressort nicht aufbringen. Die Situation wird durch die nachlassende Kongressförderung der Industrie verstärkt. Um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, wurde der Beitrag zum Heidelberger Kongress für Teilnehmer aus ehemaligen Ostblock-Ländern erheblich gesenkt. Zusätzlich wird dieser Teilnehmerkreis durch eine großzügige Unterstützung der Dietmar-Hopp-Stiftung gefördert.

Der dreitägigen wissenschaftlichen Tagung in der Heidelberger Stadthalle sind zwei Tage Fortbildungskurs, einschließlich der " sunrise sessions" um 7 Uhr, vorangestellt. Über 200 Vorträge und Poster werden Top-Ergebnisse klinisch-radiologischer Forschung und neue Entwicklungen in der Medizintechnologie darstellen. Darüber hinaus dient der Kongress der persönlichen Begegnung, dem informellen Gespräch und dem Knüpfen neuer Beziehungen. Alle Veranstaltungen, auch die des Rahmenprogramms, werden in Heidelberg in Fußwegdistanz stattfinden. So soll, Petrus ist zur Unterstützung aufgefordert, die enge Symbiose von Stadt und Universität für die Teilnehmer erlebbar werden.

Journalistinnen und Journalisten sind herzlich zu der Pressekonferenz der Europäischen Gesellschaft für Kinderradiologie am 8. Juni um 15 Uhr in der Alten Universität, Grabengasse 1, eingeladen, die von der Firma Schering ausgerichtet wird.

Programm und Anmeldung zur Pressekonferenz.

Weitere Information zur Tagung im Internet: http://www.espr2004.com/contact.php4

Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
Handy: 0170 / 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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