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3. Juni 2004

"Kunsttherapie und Kunstgeschichte – voneinander lernen"

Tagung in der Heidelberger Psychiatrischen Universitätsklinik eröffnet Dialog zwischen historischen und klinisch-therapeutischen Blickwinkeln auf Kunst – 4. und 5. Juni 2004, Hörsaal der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, Voßstr. 4, Haus I, und Sammlung Prinzhorn, Voßstr. 2

Die Tagung "Kunsttherapie und Kunstgeschichte – voneinander lernen" – ein Kooperationsprojekt der Sammlung Prinzhorn, Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg, und der Interdisziplinären Plattform der FH für Kunsttherapie Nürtingen – gestaltet erstmals einen Dialog zwischen historischen und klinisch-therapeutischen Blickwinkeln auf Kunst. Im Vordergrund steht dabei auszuloten, in welcher Weise Kunstgeschichte für das Selbstverständnis und das Vorgehen der Kunsttherapie fruchtbar sein kann. Doch geht es auch um mögliche Anstöße der Kunsttherapie für die Kunstgeschichte.

Der Ausrichtung der Tagung entsprechend kommen vor allem wichtige Vertreter der Kunsttherapie aus Deutschland und Österreich zusammen, die größtenteils an Hochschulen lehren und so für die Vermittlung der Disziplin verantwortlich sind.

Bei der Behandlung unterschiedlicher Aspekte des Themas steht die Idee des Austauschs, unter den Referenten und mit den Teilnehmern, im Vordergrund: So gibt es neben Einzelvorträgen Dialoge, eine Podiumsdiskussion (Panel) und Workshops, in denen Teilnehmergruppen vor Originalen der Sammlung Prinzhorn Gespräche über verschiedene Arten des Umgangs mit künstlerischen Werken führen. Die Veranstalter hoffen, mit dieser Tagung einen fortdauernden Dialog zu initiieren.

Kunsttherapie hat wie Kunstgeschichte ein starkes Interesse daran, künstlerisches Tun in seinem jeweiligen Kontext zu verstehen. Die Kunsttherapie ist mittlerweile in vielen sozialen Feldern etabliert und blickt auf eine eigene Geschichte zurück, die vielfach mit der Kunstgeschichte verwoben ist. Diese Beobachtung kann nicht ohne Rückwirkung auf die Haltung heute arbeitender Kunsttherapeuten bleiben. Die Frage, welcher Stellenwert der Kunsttherapie im sozialen Kontext zukommt, kann nur interdisziplinär weiterentwickelt und diskutiert werden. Die/der Einzelne sollte reflektieren, an welchem geschichtlichen Punkt ihre/seine Arbeit angesiedelt ist und welche Relevanz künstlerisches Tun für das Erleben der Welt heute hat. Die kunsttherapeutische Praxis tut gut daran, den Stand der wissenschaftlichen Diskussion zu beachten, bei einem deutenden Umgang mit Kunstwerken ebenso wie bei prozessorientierten Vorgehensweisen.

Das Fach Kunstgeschichte nähert sich in den letzten Jahren wieder vorsichtig psychologischen Fragestellungen, nachdem diese Forschungsrichtung durch den Nationalsozialismus weitgehend abgebrochen war. Dabei spielen anthropologische, psychologische und psychoanalytische Blickwinkel eine Rolle, allerdings bislang vorwiegend auf theoretischer oder metapsychologischer Ebene. Ein Austausch mit den Erkenntnissen aus psychologischer und therapeutischer Praxis findet hingegen noch kaum statt. Gerade ein solcher ist jedoch begleitend zur Fortentwicklung des Faches in Richtung auf eine übergreifende Bildwissenschaft unverzichtbar. Nimmt man den Anspruch ernst, eine Wissenschaft zu begründen, die auch mit den täglichen Bildwelten umzugehen lehrt, bedarf es des feedbacks aus Bereichen praktischen Umgangs mit Kunst.

Dass gerade die Sammlung Prinzhorn diese Tagung (mit)veranstaltet, hängt mit der besonderen Stellung der hier bewahrten und ausgestellten Werke zwischen den Disziplinen zusammen. Zur Deutung vieler der Bilder, Zeichnungen, Skulpturen und textilen Arbeiten, die zwischen 1880 und 1920 von Anstaltspatienten geschaffen wurden, reicht das herkömmliche Instrumentarium der Kunstgeschichte genauso wenig aus wie das der Medizin. Es handelt sich um eine komplexe kulturgeschichtliche Aufgabe, zu der viele Fächer zweifellos wertvolle Beiträge leisten können. Die starke Berücksichtigung des Schaffensprozesses im kunsttherapeutischen Vorgehen könnte wichtige neue Aufschlüsse auch für die Werke der Sammlung Prinzhorn erbringen.

Die Fachhochschule für Kunsttherapie FHKT ist die einzige ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Seit 1987 werden dort Diplom-Kunsttherapeuten nach internationalen Standards ausgebildet. Der individuellen Begleitung und Ausbildung im Kontext zeitgenössischer künstlerischer Verfahren wird hier ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Die Interdisziplinäre Plattform der Fachhochschule für Kunsttherapie Nürtingen initiiert als öffentliches Forum im Rahmen von Tagungen, Projekten und Vortragsreihen den fachlichen Austausch und die Weiterentwicklung des kunsttherapeutischen Selbstverständnisses. Seit Anbeginn ist auch das Fach Kunstgeschichte Bestandteil der Ausbildung und durch eine Professur fest verankert. Wurde es bislang eher zur Ergänzung der künstlerischen Ausbildung gelehrt, sollen nun – auch im Rahmen dieser Tagung – Wege gesucht werden, um einen direkten und nachhaltigen Dialog zwischen Kunstgeschichte und Kunsttherapie in Gang zu setzen. In den noch jungen Ansätzen kunsttherapeutischer Forschung geht es darum, dem Fach angemessene wissenschaftliche Vorgehensweisen zu entwickeln. Das Institut für Kunsttherapie – Forschung der FHKT fördert daher einen konstruktiven Dialog aller an der Entwicklung der Kunsttherapie beteiligten Professionen.

Die Sammlung Prinzhorn ist ein der Universitätsklinik Heidelberg angegliedertes Museum für eine historische Sammlung von künstlerischen Werken psychiatrischer Patienten, das im September 2001 eröffnet wurde. Ihren Grundstock bilden mehr als 5000 Malereien, Zeichnungen, Skulpturen und textile Arbeiten, die zwischen 1890 und 1920 in psychiatrischen Einrichtungen vor allem deutschsprachiger Länder entstanden sind und von dem Kunsthistoriker und Mediziner Hans Prinzhorn (1886-1933) zusammengetragen wurden. Wechselnde Ausstellungen machen Ausschnitte des Fundus unter ästhetischen und kulturhistorischen Aspekten zugänglich, zum Teil ergänzt durch Werke und Materialien anderer Provenienz. Dabei werden regelmäßig Bezüge zu zeitgenössischer Kunst hergestellt. Vorträge, Tagungen, Lesungen, Filmvorführungen, Konzerte und Performances ergänzen das Programm. Die Sammlung Prinzhorn ist zugleich Forschungseinrichtung für Aspekte des Themenfeldes Kunst und Psychiatrie. Nicht nur werden kontinuierlich die Werke der Sammlung und ihre Schöpfer aufgearbeitet und die Forschungsergebnisse etwa in den ausstellungsbegleitenden Katalogen vorgestellt; durch Arbeitsgruppen, die auswärtige Forscher einschließen, und Betreuung individueller Forschungsprojekte aus unterschiedlichen Disziplinen werden über die Sammlung hinausgehende Fragestellungen unterstützt.

Sammlung Prinzhorn -- Logo


Rückfragen bitte an
Monika Jagfeld M.A., Sammlung Prinzhorn
Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg
Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Voßstraße 2, 69115 Heidelberg
Tel. 06221 564725, Fax 06221-561723
www.prinzhorn.uni-hd.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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