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28. Juni 2004

Wie viel "Zauberlehrling" steckt eigentlich in der Biotechnologie?

Interdisziplinäres Symposium "Physik und Biophysik zur Goethezeit" an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften – Die erstaunliche Wiederkehr ethischer Fragestellungen des 18. Jahrhunderts in der modernen Naturwissenschaft

Goethe prägte alle literarischen Epochen zu Lebzeiten entscheidend mit. Noch monolithischer aber ragte sein Nachruhm empor. Sein Werk bildete im Wortsinne das Zentrum des bürgerlichen Wissenskanons. "Werther" war das erste Individuum der deutschen Literaturgeschichte, mit seinem "Faust" schuf Goethe den Archetypus des modernen Forschers. Kaum weniger Zeit als der Dichtkunst widmete Goethe naturwissenschaftlichen Studien. Seine Theorie der "Urpflanze" ist bis heute bekannt, in den "Wahlverwandtschaften" transformierte er chemische Vorstellungen kühn ins Zwischenmenschliche. Oft wurde ihm hierbei der Vorwurf des Dilettantismus gemacht. Vor allem die "Farbenlehre" erzürnte viele zeitgenössische Forscher. Der Goethe-Verehrer und Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker schreibt kopfschüttelnd: "In seiner Kritik der herrschenden Farbenlehre hat Goethe den klaren Sinn der Worte und Versuche Newtons 40 Jahre lang mißverstanden. Wie konnte ein großer, umfassender Geist so irren?"

Doch – irrte Goethe tatsächlich? Oder hat er in seinen hellsichtigen Untersuchungen nicht vielmehr Fragestellungen formuliert, die bis heute gültig sind? Wie viel hat die gegenwärtige Diskussion um Biotechnologie mit dem "Zauberlehrling" zu tun? Welcher Stellenwert kommt dem Menschen heute wie damals im Angesicht des Machbaren zu?

Am Samstag, 3. Juli, veranstaltet die Heidelberger Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit der Goethe-Gesellschaft Heidelberg und der Universität Heidelberg ein interdisziplinäres Symposium mit dem Titel "Physik und Biophysik der Goethezeit: Konzepte der Natur um 1800." "Die Lebenszeit Goethes stellt einen Umbruch in der Geschichte der Wissenschaft, in der Betrachtung des Lebens in seinen Beziehungen zu physikalisch-chemischen Grundgesetzen dar. Viele der heute gestellten Fragen wurden damals angeregt und ihre ethischen Konsequenzen erstmals diskutiert", so Professor Christoph Cremer. Auch wenn der wissenschaftliche Stand unserer Zeit sich gegenüber der Goethezeit gravierend verändert hat, viele der damals entworfenen Naturkonzepte und ihrer bioethischen Auswirkungen erscheinen immer noch von geradezu frappierender Aktualität.

Während Dr. Manfred Osten über das Thema "War Goethe mit der Physik gesegnet?" referiert, kontert der Physiker Hans Günter Dosch mit dem Vortrag: "War die Physik mit Goethe geschlagen?" Die Tagung möchte die vor zweihundert Jahren begonnene Auseinandersetzung über das Verhältnis von Mensch und Wissenschaft wieder ins Bewusstsein rufen und so den Blick für heutige Diskussionen in der Physik, Chemie, Zell-/Molekularbiologie und Biotechnologie schärfen. Dies wird in zwei Vorträgen über die Entstehung des Vitalismus und der Zellenlehre von Brigitte Lohff und Thomas Cremer dargestellt. Eine Brücke zwischen geschichtlichen und neuzeitlichen Forschungspositionen schlägt Horst Seller mit dem Vortrag "Physiologie am Ende des 20. Jahrhunderts – vom System zum Molekül". Die Aktualität der historischen Fragestellungen für die gegenwärtige Diskussion wird in einem round-table-Gespräch zwischen dem Biophysiker Christoph Cremer, dem Stammzellenforscher Anthony Ho, dem Tumorbiologen Gerhard van Kaick und dem Biologen Hans Mohr beleuchtet.

Der literarisch-naturwissenschaftliche Zusammenklang des Symposiums wird abschließend musikalisch gestaltet. Professor Dieter Borchmeyer und Dr. Anja Höfer lesen aus Goethes naturkundlichen Gedichten "Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen!". Begleitet werden sie von Manfred Osten und Bernhard Maier, die zwei Sätze aus Bachs Sonate G2 vortragen. Das interdisziplinäre Symposium wird gemeinsam von der Goethe-Gesellschaft Heidelberg, der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie Wissenschaftlern der Universität Heidelberg (Kirchhoff-Institut für Physik/Netzwerk "BioMolekulare Maschinen" und Germanistisches Seminar) durchgeführt.

Ort: Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Karlstraße 4, 69117 Heidelberg
Datum: 3. Juli 2004
Uhrzeit: ab 9.30 Uhr
Teilnahmegebühr: 20 Euro (Ermäßigte und Studenten 10 Euro)

Rückfragen bitte an
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55
E-Mail: johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.haw.baden-wuerttemberg.de

sowie
Dr. Mancino-Cremer, Letizia
Telefon: 06221 / 38 18 47
Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft Heidelberg

sowie
Anmeldung / Information:
Margund Bach
Kirchhoff-Institut für Physik
Im Neuenheimer Feld 227
69120 Heidelberg
Telefon 06221/ 54 92 71
mbach@bmm.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg

Programm:

9.30 Uhr:
Begrüßung in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Goethes Vermächtnis (Letizia Mancino-Cremer)
9.40 Uhr:
Zu Goethes Rezeption in der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts (Peter Huber)
10.30 Uhr:
War Goethe mit der Physik gesegnet? (Manfred Osten)
11.45 Uhr:
War die Physik mit Goethe geschlagen? (H.G. Dosch)
14.30 Uhr:
"Die Natur füllt mit ihrer unendlichen Produktivität alle Räume" – Die Rolle des Vitalismus in den Lebenswissenschaften (Brigitte Lohff)
15.15 Uhr:
Von der 'generatio spontanea' zu Virchows 'omnis cellula e cellula' (Thomas Cremer)
16.45 Uhr:
Physiologie am Ende des 20. Jahrhunderts – vom System zum Molekül (Horst Seller)
18.00 Uhr:
table ronde: "Incessant life, development, and movement" (Nature 1,B) Konzepte der Lebenswissenschaften im 21. Jahrhundert (C. Cremer, A.D. Ho, G. v. Kaick, H. Mohr)
ab 21.00 Uhr:
Musikalisch-literarischer Ausklang J. S. Bach: Zwei Sätze aus der Sonate G2 – Manfred Osten (Viola) – Bernhard Maier (Klavier)

Anja Höfer und Dieter Borchmeyer lesen aus Goethes naturkundlichen Gedichten "Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen!" – Naturforschung lyrisch


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