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24. Juni 2004

Humboldt-Prof. Volker Gerhardt im Heidelberger Forum Biowissenschaft und Gesellschaft

Kant und seine Philosophie der menschlichen Welt – Das "Forum" sucht den interdisziplinären Dialog zwischen Geistes- und Naturwissenschaften – Unterstützt von der Manfred Lautenschläger Stiftung

Humboldt-Prof. Volker Gerhardt

Foto : Wacker

Ein interessanter Vortrag von Volker Gerhardt, seines Zeichens Professor für Praktische Philosophie am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin, lockte am gestrigen Abend zahlreiche Zuhörer in Vortrag und Diskussion des "Heidelberger Forums Biowissenschaft und Gesellschaft". Gegenstand seines Referats waren dabei philosophische Reflexionen zum "Begriff des Lebens".

Den Ausgangspunkt nahm Volker Gerhardt bei Immanuel Kant, dessen 200. Todestag in diesem Jahr Anlass für vielfältige Beleuchtungen seines Werks bietet. Professor Gerhardt, der seit geraumer Zeit die Philosophische Ethik im Nationalen Ethikrat repräsentiert, zeigte hierbei eine in der Öffentlichkeit nur wenig bekannte Seite des großen Philosophen, der gemeinhin als preußischer Staatsdenker wahrgenommen wird. Gleichwohl jedoch war die kritische Philosophie Kants stets auch eine Philosophie der menschlichen Welt. Das Besondere dieser Welt liegt indes vor allem darin, dass sie den Menschen einzig unter der Bedingung der individuellen Leistung möglich macht. Dies setzt nun aber eine gewisse Berechenbarkeit der Welt voraus – im absoluten Chaos geht der Mensch verloren. Volker Gerhardt brachte in diesem Zusammenhang den amüsanten Vergleich eines Regenschirms, von dem wir grundsätzlich erwarten, dass er uns vor Niederschlag schützt – und nicht, dass er plötzlich zu einem Helikopterrotor mutiert, der uns ins All reißt. Vor diesem Hintergrund nun ist der Mensch erst in der Lage, in der eigenen Leistung einen Beitrag zur Entwicklung der menschlichen Kultur und damit zur Bedingung seines Daseins zu erkennen.

Weiterhin betonte der Referent den systematischen Zusammenhang von Vernunft und Leben. Immerhin machte Kant mit dem Begriff des Lebens das Phänomen der Vernunft erst verständlich, erklärte der seit 1998 im Vorsitz der Bioethik-Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG vertretene Wissenschaftler, dessen Interessen vor allem bei den Grundlegungsproblemen der Praktischen Philosophie mit besonderer Beachtung der Beziehungen zur Biologie und Anthropologie, auf Bioethik, Beziehungen zwischen Natur, Gesellschaft und menschlichem Bewusstsein, sowie der konstitutiven Rolle der Individualität liegen. Hierin begründeten sich auch seine überaus interessanten Ausführungen zum Begriff der Freiheit. Denn "Kants größte Leistung liegt in der unwiderleglichen Demonstration der menschlichen Freiheit. Er kann zeigen, dass jeder, der Freiheit leugnet, selbst Freiheit in Anspruch nimmt."

Dabei beruht die Freiheit auf dem festen Netz verbindlich wirkender Gesetze – auf die sich alle menschlichen Wesen beziehen können, und denen sie alle restlos unterworfen sein müssen. Erst dann macht es Sinn, von Freiheit zu reden. "Der Mensch ist frei, sofern er tun kann, was er selbst will, und er nicht von seinesgleichen zu etwas gezwungen wird." Hieraus wiederum erwächst der Vernunft eine Chance zur Entfaltung – denn nur so kann die Vernunft als Ursprung menschlicher Verhaltensweisen gelten. Zugleich aber komplettiert sich der Mensch erst durch die Vernunft. Will er Mensch bleiben, muss er sich zwangsläufig seiner Vernunft bedienen. Selbstverständlich zieht dies aber auch eine moralische Verpflichtung nach sich, wie sie Volker Gerhardt beispielsweise im Kontext des Artenschwundes anmahnt. Angesichts des drohenden Aussterbens zahlreicher Tier- und Pflanzenarten betont er jedoch nicht nur den ästhetischen oder biologischen Schaden, sondern auch die Tatsache, dass sich der moderne Mensch den Arten gegenüber so zu verhalten habe, dass er auch ihnen gegenüber seine Würde bewahrt.

Letztlich bot Volker Gerhardt einen ebenso interessanten wie anspruchsvollen Einblick in die Philosophie Immanuel Kants – und mit seinem Beitrag auch eine gelungene Bereicherung des "Heidelberger Forums Biowissenschaft und Gesellschaft", in dessen Rahmen die Veranstaltung eingebettet war. Das Forum selbst, das im Sommer 2001 erstmals zu einem Vortrag lud, geht auf eine Initiative von Wissenschaftlern der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Zentrum für Molekulare Biologie ZMBH und Medizinische Fakultät Heidelberg), des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) sowie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zurück, und richtet sich insbesondere an die interessierte Bevölkerung, die hier auch die Gelegenheit zur Diskussion mit Experten und Fachleuten hat.

Der zweite Mitveranstalter des Vortrags, das "Interdisziplinäre Forum", ist eine Initiative Heidelberger Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes, die seit dem vergangenen Wintersemester eine Ringvorlesung zum Thema "Der designte Mensch" veranstalten.

Nähere Informationen finden Sie auch unter www.embl-heidelberg.de/ExternalInfo/SciSoc/hdforum.html und/oder interdisziplinaeres-forum.uni-hd.de/
Heiko P. Wacker

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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