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30. Juni 2004

"Flexibilität lautet das Zauberwort"

Laut Professor Jürgen Siebke eignet sich die Verlängerung der Arbeitszeit nicht zum Patentrezept

"Eine Verlängerung der Arbeitszeit ist keine generelle Lösung für die Wettbewerbsposition Deutschlands". Der Heidelberger Professor für Volkswirtschaftslehre Jürgen Siebke hält nichts von vermeintlichen Patentrezepten oder allgemeingültigen Lösungen. "Wenn schon", so der frühere Rektor der Ruprecht-Karls Universität, "dann ist Flexibilität das Zauberwort".

Bei der Handy-Fertigung von Siemens, wo jetzt einvernehmlich eine längere Arbeitszeit vereinbart wurde, macht das nach Ansicht des 67-jährigen Hochschullehrers durchaus Sinn. Wenn die Beschäftigten länger arbeiten, senke das dort die Arbeitskosten pro Stunde und damit auch pro Stück. Und das mache das Unternehmen konkurrenzfähiger, erklärt der Ordinarius am Alfred-Weber-Institut für Sozial- und Staatswissenschaften.

Das kann seiner Ansicht nach aber keineswegs für alle Branchen verallgemeinert werden. Die Chipindustrie im Raum Dresden leide beispielsweise an starken Nachfrageschwankungen. Für sie ist deshalb nicht maßgebend, ob die Leute länger arbeiten, sondern dass sie mal mehr und mal weniger arbeiten. In manchen Bereichen wird sogar die Arbeitszeit mit Lohnabzug verkürzt, damit möglichst viele beschäftigt bleiben können.

Außerdem, so kritisiert der Volkswirt, wird bei solchen Beispielen fast immer nur die Großindustrie aufgeführt. Dass 75 Prozent der Beschäftigten im Mittelstand arbeiten, und der ganz andere Probleme hat, werde glatt unterschlagen. Der Handwerksmeister oder der Unternehmer mit einem kleineren Betrieb bräuchte laut Siebke vor allem mehr Flexibilität bei der Zahl der Beschäftigten und geringere Lohnnebenkosten. Heute werde bei höherem Arbeitsanfall fast immer nur auf Überstunden gesetzt. Eingestellt werde niemand, aus Angst, sie dann, wenn in einem halben Jahr die Auftragslage schlechter werde, nicht entlassen zu können.

Wieder ganz anders ist die Lage im Dienstleistungssektor. Da bringt Arbeitszeitverkürzung im Hinblick auf die Sicherheit der Jobs genauso wenig wie Arbeitszeitverlängerung, meint der Fachmann. Dass viele Politiker darüber nachdenken, in den Verwaltungen wieder mehr arbeiten zu lassen, hängt Siebkes Ansicht nach allerdings einzig und allein mit der prekären Haushaltslage zusammen.

Damit Menschen, die mehr arbeiten müssen, nicht aus lauter Frust einfach die anfallende Arbeit strecken, müsse es zu einvernehmlichen Lösungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern, mahnt Siebke. "Alle müssen an einem Strang ziehen", sagt er. Er sieht bei den Gewerkschaften an der Basis allerdings mehr Bereitschaft zu solchen Lösungen als bei den Funktionären an der Spitze. Was Kosten für einen Standort verursacht, so der Hochschullehrer, seien neben Lohn und Lohnnebenkosten auch der Urlaub. Und da seien die Deutschen noch immer Weltspitze. Damit die Lage insgesamt besser wird, dazu gehört laut Siebke aber noch ein bisschen mehr. "Wir brauchen eine glaubwürdige Regierung", damit die Leute wieder Vertrauen in die Zukunft haben".
Kirsten Baumbusch

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
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