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30. Juni 2004

Vaters Vorzeigepüppchen küsst Muttersöhnchen

Eugen Drewermann zu Gast in der Neuen Universität – "Der Froschkönig" aus tiefenpsychologischer Sicht – Statt Eintritt Spende an Unicef

Professor Eugen Drewermann

Professor Eugen Drewermann ist ein sehr begehrter Redner, wenn es um Religion und Märchenanalyse geht; am Montag sprach er in der Neuen Universität. Foto: Alex


Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wer bei Eugen Drewermann nicht mindestens eine halbe Stunde zu früh kommt, den bestrafte es am Montagabend auch, nämlich mit einem Stehplatz, ersatzweise einem Sitzplatz auf dem Boden des völlig überfüllten Hörsaals 13. Auf Einladung von Unicef Heidelberg und von Professor Joachim Funke vom Psychologischen Institut kam der bekannte und umstrittene Theologe (siehe Stichwort) in die Universität, um aus tiefenpsychologischer Sicht einen Vortrag über das Märchen "Der Froschkönig" zu halten. Referent und Veranstalter hatten auf einen Eintritt verzichtet und statt dessen große Spendenboxen zu Gunsten von Unicef aufgestellt.

Drewermann wählte einen humoristischen Einstieg, mit dem er sich die Aufmerksamkeit der Zuhörer sofort sicherte: "Manche Frau fragt sich, womit sie den schnarchenden Kerl neben sich im Bett verdient hat, den sie ja einmal als Prinz geheiratet hat?" Im "Froschkönig" ist es jedoch genau umgekehrt, da wird aus einem ekligen Frosch bekanntlich ein attraktiver Prinz mit eigenem Königreich. Zweite Hauptperson ist eine wunderschöne Prinzessin, die im Reich ihres Vaters seltsame Ballspiele betreibt, bis eine in den Brunnen verirrte Kugel die Lebenslinien von Frosch und Prinzessin auf dramatische Weise zusammenführt.

Jeder Junge, so Drewermann, kenne den Ausspruch "Sei kein Frosch", soll heißen: "Hab keine Angst und zeige männlichen Mut". Für den 64-jährigen Theologen und Analytiker ist dieser Frosch ein durch mütterliche Über-Verwöhnung erdrückter junger Mann, der völlig unfrei, weil extrem an seine Mutter gebunden ist ("eine böse Hexe hat ihn verzaubert"). Andererseits ist die Prinzessin "Vaters Vorzeigepüppchen", deren Seele besetzt ist vom Schatten ihres geliebten Vaters, dem sie gefallen will. Dem Frosch macht die verwöhnte junge Dame Versprechungen, von denen sie annimmt, dass sie diese niemals halten muss.

Der König wiederum will seine Tochter für sich behalten, deshalb wählt er als Mann für sie einen Schwächling, von dem er weiß, dass sie ihn nie lieben wird ("was Du versprochen hast, musst Du auch halten"). Dass die beiden zusammenfinden, ist einem Wutausbruch der Prinzessin zu verdanken, die den Frosch gnadenlos an die Wand knallt, als er sie erpresst und den Bogen so überspannt ("ich sag alles Deinem Vater").

Durch dieses eigene, echte Gefühl der Wut, findet die Prinzessin zu sich selbst, verlässt ihre Mädchenrolle und wird zur eigenverantwortlich handelnden Frau, erläuterte Drewermann. Nun hat auch der Frosch die Möglichkeit, seine Muttergebundenheit zu verlassen, die Prinzessin als liebenswert wahrzunehmen und mit ihr in ein gemeinsames Leben aufzubrechen. Zwar sind auf der Fahrt dorthin noch einige Hindernisse zu überwinden (drei zerspringende Reifen, die für die bisher eingeengte Gefühlswelt des Frosches stehen), doch schließlich reifen beide Protagonisten, weil sie sich selbst und den anderen gefunden haben.

Drewermann erwies sich als ausdrucksstarker Erzähler und kenntnisreicher Märcheninterpret, der auf die Gesänge der Odyssee, auf Baudelaire, Rilke, Magritte und Fellini zurückgriff, um seine Deutungen zu belegen. Schade, dass nach 90 amüsanten und lehrreichen Minuten keine Zeit mehr zur Diskussion mit dem Publikum blieb. Drewermann verabschiedete sich und wünschte seinen Zuhörern, dass ihre "Versuche der Liebe" gelingen mögen.

Übrigens: Es soll Frauen geben, die ihr ganzes Leben lang Frösche an die Wand werfen, in der Hoffnung, dass daraus ein Prinz wird. Meist leben die Damen dann allerdings statt mit einem Prinzen mit einem ziemlich lädierten Frosch weiter.
Ingeborg Salomon

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
Irene Thewalt
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