Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English
Besucher, Internationale Beziehungen, Heidelberg und RegionStartseiten der FakultätenAufbau der Universität, Personalverzeichnis, ServiceeinrichtungenFächerübersicht, Beratung, Informationen für ausländische StudierendeProjekte, Publikationen, Technologietransfer

Startseite > Presse >

 
21. Juni 2004

Sabina Pauen: Babys kriegen schon ganz viel mit

Die Professorin für Bio- und Entwicklungspsychologie hält eine Vorlesung an der Heidelberger Kinder-Uni über die Zeit vor der Geburt

Über die Entwicklung von Babys spricht Professorin Sabina Pauen

Über die Entwicklung von Babys spricht Professorin Sabina Pauen bei der Heidelberger Kinder-Uni. Foto: Stefan Kresin

Dass Babys schon vor dem Sprechen denken können und schon im Bauch ihrer Mama zu lernen beginnen, das begeistert die Professorin Sabina Pauen noch immer. "Wer hätte gedacht, dass ein Kind schon mit sieben Monaten über Ursache und Wirkung nachdenken?", fragt sie die kleinen Redakteurinnen der Kinder-Uni im Netz beim Interview.

Die Mutter von zwei kleinen Töchtern hat seit rund drei Jahren den Lehrstuhl für Bio- und Entwicklungspsychologie an der Ruprecht-Karls-Universität inne und erforscht, was in den Köpfen der Allerkleinsten so vor sich geht. Nicht erstaunlich, dass sie um eine Vorlesung bei der Heidelberger Kinder-Uni gebeten wurde. Darin beschäftigt sie sich mit dem, was im Zeitraum zwischen der Verschmelzung von Ei- und Samenzellen bis zur Geburt passiert.

Logo KinderUni

Schon als Kind war die Forscherin so wissbegierig "wie ein Schwamm" und Mathe zählte zu ihren Lieblingsfächern. "Damals wollte ich Bürgermeisterin werden", lacht die Professorin. Die kleine Sabina war der Ansicht, dass es in ihrem Heimatdorf in der Nähe von Frankfurt zu wenig Zebrastreifen gäbe. Heute könnte sie sich keinen schöneren Beruf vorstellen als den der Psychologin. Am Anfang ihres Studiums wollte sie Kindertherapeutin werden. Dass das eine tolle Aufgabe ist, hatte sie bei einem Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche gemerkt. Als sie nach dem Diplom aber eine Doktorarbeit zu Jugendentwicklung und Drogen begann, bedeutete das bald nur Fragebogen auszuwerten. "Langweilig" fand die quirlige Sabina Pauen das und orientierte sich um. In Frankfurt, wo sie auch studiert hatte, gab es ein Stipendium für experimentelle Entwicklungspsychologie. "Das ist es", wusste sie gleich, und schloss die Doktorarbeit in Rekordzeit ab.

Dabei untersuchte sie, wie Kinder im Grundschulalter von sich aus über Physik denken. Später ging sie dann als Assistentin ihres Doktorvaters nach Tübingen und von da aus für eine Weile nach Amerika. Dort arbeitete sie auch an einem Babylabor, wo man das Denken der Kleinsten untersuchte und wunderte sich, warum es so etwas in Deutschland noch gar nicht gab.

Mit nach Hause brachte sie dann Filme über das Babylabor, die sie mit einem Kameramann gedreht hatte. "Vielleicht sollten wir so etwas Spannendes wie experimentelle Säuglingsforschung auch in Deutschland machen", überlegte sich bald nicht nur die Wissenschaftlerin, sondern auch viele Studenten und legten los.

Gemeinsam mit dem damals vierjährigen Töchterchen Helena und ihrem Mann, der eine Philosophie-Professor in Magdeburg erhielt, zog sie 1999 nach Ostdeutschland und forschte dort, bis sie auf den Lehrstuhl nach Heidelberg gerufen wurde. Viel Zeit für ihre Hobby wie Sport, Singen oder Malen lässt ihr Beruf und Familienleben nicht, aber Sabina Pauen genießt ihre Zeit trotz der vielen Arbeit. "In meinem Leben gab es bisher viele glückliche Zufälle", sagt sie, "und ich habe immer versucht, etwas daraus zu machen".

Auf welche ihrer Entdeckungen ist Sabina Pauen besonders stolz? Da muss sie nicht lange nachdenken. Dass sie und ihr Team sich immer wieder auf Neuland wagen und zum Beispiel herausgefunden haben, dass Babys mit spätestens sieben Monaten wissen, dass Lebewesen sich von alleine bewegen können, unbelebte Dinge dagegen nicht. Auf die Idee kam Professorin Pauen im Spielzeugladen. Da sah sie einen Zauberball, das ist ein Ball mit einem Motor drin, der durch die Gegend saust, und an dem ein Stofftier befestigt ist. "Das Tier spielt mit dem Ball", sagte da ein Kind und bestätigte damit eine These der Wissenschaftlerin. Babys unterscheiden lebendige und unbelebte Dinge ganz einfach: die einen bewegen sich aus eigener Kraft, die anderen können sich nicht von sich aus bewegen. Wenn man ein Tier und einen Ball in gemeinsamer Bewegung sieht, muss also das Tier die Ursache sein. Und wie sehen das Babys? Um das herauszufinden, hat Sabina Pauen sich mit ihrer Mitarbeiterin zusammen ein Experiment ausgedacht und das geht nun so: Erst wird auf einer kleinen Bühne 15 Sekunden lang der Zauberball getrennt vom Tier gezeigt. "Meistens finden die Säuglinge das eher langweilig", weiß Sabina Pauen. Wenn aber das Tierchen gemeinsam mit dem Zauberball über die Bühne saust, wird die Sache höchst interessant. Zeigt man die beiden später wieder getrennt, dann schauen die Babys viel länger auf das Tierchen. Denn das könnte sich ja wieder bewegen, sagt ihre Logik.

In ihrer Vorlesung bei der Kinder-Uni wird Sabina Pauen zeigen, wie ein Kind vor der Geburt heranwächst, wie sich sein Körper verändert und auch seine Fähigkeiten. Wer weiß denn schon, dass wir alle im Mutterbauch am Steißbein ein kleines Schwänzchen hatten, das sich wieder zurückgebildet hat? Oder dass wir eine kurze Zeit lang Kiemen hatten wie ein Fisch? Oder dass wir zunächst die Geschlechtsanlangen von Jungen und Mädchen gleichzeitig haben?
Von Kirsten Baumbusch

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English