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2. Juni 2004

Der Mythos als Weltbild im alten Ägypten

Tiefer Brunnen der Vergangenheit: Der Heidelberger Wissenschaftler Jan Assmann legt sein neues Buch " Ägyptische Geheimnisse" vor

Der Heidelberger Ägyptologe Prof. Jan Assmann

Der Heidelberger Ägyptologe Prof. Jan Assmann. Foto: Alex

Thomas Mann prägte einmal den Spruch: "Tief ist der Brunnen der Vergangenheit". Nun mag dieser Satz allenthalben seine Gültigkeit haben – jedoch nirgends so sehr wie im Falle der altägyptischen Religionen, deren Ursprünge bis in die Steinzeit zurückreichen. Immerhin bilden die Pyramidentexte aus dem 3. Jahrtausend das älteste religiöse Textkorpus der Geschichte. Dennoch – und das ist aus heutiger Sicht überraschend – waren diese Texte bis in die römische Kaiserzeit hinein im Gebrauch, so dass selbst das Abendland in seinen griechischen und lateinischen Anfängen Zeitgenosse solch frühester Relikte menschlicher Kultur war – und gleichsam in die Schwindel erregende "Brunnentiefe" blicken konnte. So vertrat beispielsweise Herodot die Meinung, dass die griechischen Götter aus Ägypten stammten. Und auch die biblische Überlieferung lässt Israel aus Ägypten hervorgehen. Indes war dies mehr eine Konversion als ein Ursprung, musste doch aus Ägypten ausgezogen werden, um in den Monotheismus einzuziehen.

Allerdings kann man, wie es der Heidelberger Wissenschaftler Jan Assmann tut, die ägyptische Religion im Gegensatz zur biblischen Offenbarungsreligion als eine "Geheimnisreligion" bezeichnen. Das Geheimnis gilt hier als der Inbegriff des Heiligen und das Heilige als Inbegriff des Geheimnisvollen, was natürlich den "Mythos" auftauchen lässt. Jedoch darf man diesen Begriff nicht im Sinne der griechischen Tradition verstehen, hat doch die griechische Herkunft auch die Bedeutung des Wortes geprägt. "Allerdings tritt uns bei den Griechen (...) der Mythos bereits in Formen entgegen, die ihre rituellen Funktionskontexte weit hinter sich gelassen haben und bereits in etwas anderes, in Kunst, übergegangen sind: ein Epos, ein Drama, ein Vasenbild, ein Lehrgedicht, ein Siegeslied usw. Unter einem Mythos verstehen wir aber etwas, das diesen Formen vorausliegt und mehr mit Kult als mit Kunst zu tun hat." In Ägypten bildet nun das mythische Denken "das einzige Medium einer umfassenden Weltmodellierung und Wirklichkeitserschließung". Somit versteht man unter Mythos, kommt die Rede auf Ägypten, "eine Denkform und einen Diskurs, ein Weltbild und seine sprachliche, bildliche und rituelle Artikulation in Form fundierender Konstellationen, Szenen und Erzählungen".

Nahaufnahmen der ägyptischen Welt

Jedoch finden sich in Ägypten, neben einer Fülle kleinerer und lokaler Mythen, lediglich drei übergreifende mythische Komplexe: die Kosmogonie – die Weltentstehungslehre -, der Osiris-Mythos und der Mythos vom Sonnenlauf. Indes sind diese Mythen den alten Ägyptern nicht in Form zusammenhängender Erzählungen präsent, sondern als einzelne Bilder oder Szenen "von welterschließender Strahlkraft". Zudem kommen die Mythen meist nur in einem rituellen, handlungsbezogenen Kontext zur Sprache, "um damit etwas zu erreichen, Wirkungen zu erzielen, Krisen zu überwinden, Unheil abzuwenden, die Dinge zu ordnen und in Gang zu halten, aber nicht um sie als 'Stoff' einer künstlerischen oder philosophischen Behandlung zugrunde zu legen". Ein überraschend reales, handfestes Verständnis also.

Dem Heidelberger Ägyptologen Jan Assmann gelingt es nun in seinem neuen Buch "Ägyptische Geheimnisse", Nahaufnahmen der ägyptischen Welt und ihres für uns so fernen Mythenverständnisses zu geben. In einer Reihe fundierter Aufsätze widmet er sich gekonnt den verschiedenen Aspekten der Mythen und lüftet einen Teil der ägyptischen Geheimnisse. So tief der Brunnen der Vergangenheit auch sein mag...

Heiko P. Wacker

Jan Assmann: "Ägyptische Geheimnisse". Wilhelm Fink Verlag, München. 253 S., 28 Euro.

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