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15. Juni 2004

Von Pollenkörnern und Parasiten sowie Tieren in und auf uns

Tag der Artenvielfalt bot faszinierende Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt – Artenvielfalt hier höher als im Regenwald

Tag der Artenvielfalt bot faszinierende Einblicke

Direkt in der Natur lässt sich am besten die Artenvielfalt erfahren. Auf einem Gelände in Handschuhsheim konnte man die Natur beobachten und viel Interessantes erfahren. Zurzeit dominieren Stein-, Horn- und Hopfenklee. Foto: Dagmar Welker


Besonders aromatisch sind sie nicht, aber immerhin genießbar: die Früchte des Maulbeerbaums. Entlang des Neckarkanals wachsen solche Bäume. Ihre Blätter sind das ideale Futter für Seidenraupen. Noch zu kurfürstlicher Zeit hätten die Tiere in größerem Stil gezüchtet werden sollen. Dazu kam es dann aber doch nicht.

Es ist der Vorabend zum "Tag der Artenvielfalt". Eine größere Menschengruppe ist zu Fuß am Kanal unterwegs und muss immer wieder der Spezies Jogger oder Radfahrer ausweichen. Doch es gibt keinerlei Rangeleien um den gemeinsam genutzten Lebensraum. Volker Violet vom Naturschutzbund erklärt der Gruppe, was alles so am Wegesrand wächst. Da fallen Namen wie knolliger Kälberkropf, Sichelmöhre und Zaunrübe. Bald werden die Kirschpflaumen reif sein. Zwei junge Mädchen wollen die Früchte dann auf alle Fälle probieren. Schließlich wissen sie jetzt, was es für welche sind.

Vogelstimmen erkennen: Am Neckarkanal ist das wegen vieler Nebengeräusche gar nicht so einfach. In Höhe des Zoos ertönen allerlei tierische Laute, vom Tennisplatz hört man angestrengtes Stöhnen und dann tuckert auf dem Neckarkanal auch noch ein Lastkahn vorbei. Das laute Zwitschern der Mönchsgrasmücke hebt sich dennoch ab. Nur die Nachtigall, dessen Brutgebiet von hier bis zur Schwabenheimer Schleuse reicht, hat noch niemand trapsen hören. Wie zu erfahren ist, wird ihr Balzgesang ohnehin spätestens im Juli verstummt sein. Zeitgleich mit der Führung am Neckar geht es am Treffpunkt Zoologisches Institut um die in Heidelberg frei lebenden Halsbandsittiche.

Auch am nächsten Tag läuft vieles parallel. So etwa die Familienexkursionen in das Mühltal, entlang des Philosophenweges oder durch die Flussauen des Unteren Neckars. Mit einer Waldsafari ist das städtische Amt für Umweltschutz präsent. Überhaupt hat das Zoologische Institut als Organisator des Artenvielfalt-Tages viele Mitstreiter gewonnen.

"Tiere in und auf uns" – mit diesem Thema gibt das Institut für Tropenhygiene Einblicke in seine tägliche Arbeit. An dem Stand geht es um Flöhe, Läuse, Würmer. Sieht erst mal nur eklig aus. Aber vielleicht sollte man die eingefahrene Sichtweise gegenüber Parasiten überdenken? Schließlich gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, dass Würmer vor Allergien schützen. Zumindest treten sie in Ländern, in denen Darmparasiten nun Mal zum Leben gehören, weit weniger auf als hierzulande.

"Konkurrenz auf der Grundlage genetischer Vielfalt" lautet indessen der Titel eines spannenden Vortrags mit Prof. Dr. Peter Leins und Prof. Dr. Claudia Erbar. Leider hat am Samstag um 10.15 Uhr kaum jemand den Weg in den Hörsaal gefunden. Dort geht es um die Vermehrung in der Pflanzenwelt und die Konkurrenz der Pollenkörner. So etwas ist Stoff für eine Diplomarbeit. Ein Student entwickelte deshalb ein spezielles Verfahren, um Insekten beim An- und Abflug zu beobachten. Zudem fand er heraus, dass die Blüte der Wegwarte etwa 2500 Pollenkörner produziert, das sind 35000 hochgerechnet auf den ganzen Blütenstand. Letztendlich landen nur zwei bis vier Prozent der Produktion auf einem Fruchtknoten. Und nur wenige Pollenkörner schaffen von dort den Weg zu den Samenanlagen. Wobei sich die Konkurrenz unter den Pollen wiederum positiv auf die Keimfähigkeit der Samen auswirken soll.

Die Techniken der Samenverbreitung faszinieren Leins. Sei es der Schleudermechanismus im Pfaffenhütchen oder die komplizierte Konstruktion, die dafür sorgt, dass der Fruchtstand der Braunelle (Prunella vulgaris) seine Diasporen nur bei Regenwetter freilässt. Andere Pflanzen nutzen den Wind, selten das Wasser aber oft auch Tiere als Samen-Transporteur und sorgen so mitunter über Hunderte Kilometer hinweg für die Arterhaltung.

Seit drei Jahren gibt es im Handschuhsheimer Feld ein Beobachtungsgelände, aufgeschüttet aus dem Erdaushub für die inzwischen fertig gestellte Medizinische Klinik. Das Besondere: Die Erde aus zwei bis neun Metern Tiefe galt als "samensteril". Und doch wuchsen nach wenigen Monaten darauf die ersten Weideröschen. Laut Leins haben sich auf dem Gelände inzwischen 200 Pflanzenarten von außen angesiedelt. Zurzeit dominieren Stein-, Horn- und Hopfenklee. Die Artenvielfalt vor Ort soll höher sein als im tropischen Regenwald.
Karin Katzenberger-Ruf

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
Irene Thewalt
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