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21. Juni 2004

Kräftiger Biss in die Waden

Der Schauspieler Mario Adorf las in Heidelberg aus seinen Memoiren "Himmel und Erde"

In der Neuen Universität: Mario Adorf

In der Neuen Universität: Mario Adorf. Foto: Kresin


Eigentlich hatte sich Mario Adorf immer geweigert, eine Autobiografie zu schreiben. An vielen solcher Lebensbeschreibungen störe ihn, so schreibt er in seinem Prolog von "Himmel und Erde", "dass da ein Mensch sein Leben im Rückblick in eine organische Form gepresst hat, die es in seinem wahren Ablauf nie gehabt haben konnte". Und da sich Erinnerungen nicht geordnet im Gedächtnis einstellen, sondern mal vom Himmel fallen, mal aus der Erde steigen, also gemischt wie ein Eintopf aus Äpfeln und Kartoffeln, den man in der Eifel und im rheinischen Raum als "Himmel un Äd" kennt, nannte er seine Memoiren "Himmel und Erde. Unordentliche Erinnerungen", bestehend aus Erzählungen in kleiner Form, in der sich der Schriftsteller und Schauspieler zu Hause fühlt.

Aus diesem neuen Band las Mario Adorf in der Aula der Neuen Universität Heidelberg. Veranstaltet wurde die Lesung vom Germanistischen Seminar der Universität in Verbindung mit der Literarischen Gesellschaft Palais Boisserée, unterstützt vom Europäischen Hof. Der Dekan der Neuphilologischen Fakultät, Prof. Helmuth Kiesel, begrüßte Mario Adorf als "Homme de lettre", der "stets zur Erweiterung der Gegenwartsliteratur beigetragen habe". Es folgte die Laudatio durch Prof. Dieter Borchmeyer, in der er den 1930 in Zürich geborenen, in Mayen in der Eifel aufgewachsenen Sohn einer Deutschen und eines italienischen Arztes und nun seit Jahrzehnten in Rom lebenden Adorf als "nordisch-südländische Mischung" bezeichnete, der, "wäre er ein Hund, würde er das Publikum nicht nur durch Intelligenz in Erstaunen versetzen, sondern auch einmal kräftig in die Waden beißen". "Ist Mario Adorf also eine Promenadenmischung?", stellte er sich die Frage. Reduzieren auf bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten lässt sich Mario Adorf gewiss nicht. Schreiben ist seine Leidenschaft, da ihn hier eine gewisse Selbstständigkeit begleite, die er als Schauspieler nicht besitze, wie er im Vorwort des Erzählbandes "Der römische Schneeball" verrät. Hier könne er laut Borchmeyer "ganz selbst gesetzte ästhetische Ziele verfolgen".

Sein Erinnerungsbuch "Himmel und Erde" ist eine Sammlung von Geschichten, die dem Leser Einblick in seine Kindheit und Jugend in der Eifeler Provinz während der NS-Zeit sowie seine Anfänge und sein Leben als Schauspieler gibt. Es lädt sowohl zum Nachdenken, als auch zum Schmunzeln, ja gar zum Lachen ein. So las Mario Adorf am Abend Episoden, zunächst aus seinen Kindheitstagen, später aus seinen Erlebnissen als junger Schauspieler - u.a. eine Passage über seinen ersten bedeutenden Film "Nachts, wenn der Teufel kam", der ihm mit der Darstellung des Massenmörders Bruno Lüdke zu großem Erfolg verhalf. Mit der Episode "Schade!" verabschiedete sich Adorf vom bestens unterhaltenen Publikum, das sich auch über seine gesanglichen und mundartlichen Einlagen ("Jetz' hat er ihn zujemaaht!") amüsierte.

"Himmel und Erde" ist nicht Adorfs erstes Erinnerungsbuch. Nach seinem schriftstellerischen Debüt "Der Mäusetöter" folgten weitere Bücher, die allesamt auf Geschichten und Erzählungen aufbauen, weshalb man in seinem aktuellen Buch eine Reihe von Episoden auch gar nicht findet. Borchmeyer begründet dies weiterhin damit, dass sich der Schriftsteller nicht gern wiederhole. Insofern müsse man sich eine vollständige Autobiografie aus all seinen Erzählungen zusammenreimen - sofern man Vollständigkeit anstrebt. Doch selbst Mario Adorf erhebt diesen Anspruch nicht, da er an einer Autobiografie als lückenloser Beschreibung zweifle. Von Heidelberg reiste Adorf nach Berlin weiter, wo der 73-jährige am Freitagabend während der Verleihung der Deutschen Filmpreise ausgezeichnet wurde.

Mario Adorf: "Himmel und Erde. Unordentliche Erinnerungen". Kiepenheuer&Witsch, Köln 2004, 262 Seiten, 18,90 Euro.
Von Catherine Kimmle

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Dr. Michael Schwarz
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