Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English
Besucher, Internationale Beziehungen, Heidelberg und RegionStartseiten der FakultätenAufbau der Universität, Personalverzeichnis, ServiceeinrichtungenFächerübersicht, Beratung, Informationen für ausländische StudierendeProjekte, Publikationen, Technologietransfer

Startseite > Presse >

 
18. Mai 2004

Politik braucht die Sachkunde der Wissenschaft

Nationale Akademie und Elite-Universitäten: RNZ-Interview mit Ministerpräsident Erwin Teufel anlässlich der Jahresfeier der Heidelberger Akademie

Ministerpräsident Erwin Teufel

Ministerpräsident Erwin Teufel sprach bei der Jahresfeier der Akademie die "besondere Aura" der Universität Heidelberg an, die gespeist werde durch den europäischen Geist, durch Modernität und Fortschritt sowie durch die Einheit aller Wissenschaften. Fotos : Kresin

Herr Ministerpräsident, Sie haben die Heidelberger Akademie der Wissenschaften zu einer Zeit besucht, in der die deutsche Akademienlandschaft im Umbruch ist. Im Hintergrund steht die Errichtung einer Nationalen Akademie in Deutschland. Wie sehen Sie die Perspektive der Heidelberger Akademie?

Die Heidelberger Akademie ist eine feste und unverrückbare Koordinate auf der Karte der deutschen Akademienlandschaft. Wir brauchen solche leistungsstarke Länderakademien, um die Vielfalt der Wissenschaft ausschöpfen zu können. Der Wissenschaftsrat hat sich nun für die Schaffung einer Nationalen Akademie ausgesprochen. Ich bin da sehr skeptisch, denn die Kulturhoheit liegt bei den Ländern. Auf keinen Fall braucht die deutsche Wissenschaft eine zentralistisch organisierte Nationalakademie, die womöglich auch noch als Sprachrohr des Bundes dient. Wichtig ist daher eine klare Aufgabendefinition vor jeder Entscheidung.

Insoweit halte ich einen Vorschlag von Wissenschaftsminister Frankenberg für außerordentlich diskussionswürdig, wonach aus den bestehenden Akademien eine deutschlandweite Institution "Deutsche Akademien der Wissenschaften" gebildet werden könnte. Dort wären alle Akademien, auch Heidelberg, vertreten. Ihre Aufgabe sollte sich aber allein auf die akademische Vertretung nach außen – also in erster Linie in internationalen Gremien – beschränken. Sie sollte allenfalls bei wichtigen und übergeordneten Zukunftsfragen ihre Stimme erheben.

Im Januar dieses Jahres hat sich die Heidelberger Akademie erstmals im Stuttgarter Landtag präsentiert – sie ist die Landesakademie Baden-Württembergs. Wird es zwischen dieser Institution und der Landespolitik zu einem kontinuierlichen Austausch kommen?

Ich halte es für gut und richtig, dass sich die Heidelberger Akademie an den wichtigen gesellschaftlichen Debatten beteiligt und ihren wissenschaftlichen Sachverstand einbringt. In der Politikberatung sind Verbesserungen möglich.

Die Heidelberger Akademie war flankierend zu Ihrer Tätigkeit im EU-Konvent aktiv. Wie sehen Sie das Thema Politikberatung auf Landesebene? Kann die Akademie hier in Zukunft eine größere Rolle spielen?

Ich habe mich während meiner Arbeit im Europäischen Verfassungskonvent von fünf herausragenden Wissenschaftlern unseres Landes, die auch Spezialisten im Europarecht sind, beraten lassen.

Der Dialog zwischen Politik und Wissenschaft ist zweifellos wichtig. Angesichts der Dynamik naturwissenschaftlicher und technologischer Entwicklungen und ihren weitreichenden Konsequenzen brauchen wir diesen Austausch. Der Beitrag der Wissenschaft zu offenen und vorurteilsfreien Diskussionen über Zukunftsfragen – beispielsweise über biomedizinische Fragen, über die Grüne Gentechnik oder über die Nanotechnologie – ist die Präsentation von Fakten und das Aufzeigen von Gestaltungsalternativen. Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften hat hier mit ihren Veranstaltungen zur Zukunft der Europäischen Union ein Beispiel gegeben.

Allerdings darf die Politik die Verantwortung für ihre Entscheidungen nicht abschieben. Die Wissenschaft kann nur Empfehlungen geben. Die politische Schlussfolgerung und Umsetzung bleibt immer die Aufgabe der durch Wahlen legitimierten Entscheidungsträger.

Heidelberg ist auch in der Debatte um die Spitzenuniversitäten stark vertreten. Entgegen dem Modell der Wissenschaftsminister aller Bundesländer, die einen Wettbewerb der Forschungsbereiche favorisierten, sollen nun doch auch Spitzenuniversitäten geschaffen werden. Wie sehen Sie den Stand der Dinge?

In Berlin redet man von "Elite-Universitäten". Wir haben sie. In Rankings der besten deutschen Universitäten und Fachhochschulen sind unter den ersten zehn Plätzen in allen Disziplinen fünf aus Baden-Württemberg. Mehrere Universitäten unseres Landes belegen in den Naturwissenschaften, in den Wirtschaftswissenschaften, in der Informatik und in den technischen Disziplinen die ersten Plätze.

Es zeichnet sich ab, dass die Heidelberger Universität zu den entsprechend geförderten Hochschulen gehören könnte. Sie selbst haben die Ruperto Carola 1995 bei der Jahresfeier als "Solitär in unserer Wissenschaftslandschaft" bezeichnet. Wie stehen Sie einem möglichen Ausbau dieser Hochschule als Elite-Universität gegenüber?

Heidelberg ist die älteste und größte Universität in Baden-Württemberg. Sie ist eine Universität mit Weltruf und zählt ohne Zweifel zu den führenden Universitäten in Deutschland. Seit jeher sind an dieser Universität auf einzigartige Weise Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften miteinander im Dialog. Dieser Dialog der Disziplinen ist ein Trumpf im künftigen Wettbewerb der Hochschulen. Aber auch die anderen acht Universitäten im Land haben ihre ausgesprochenen Stärken, wie aus jedem Ranking hervorgeht.

Wie soll das Miteinander der Landesuniversitäten zukünftig aussehen?

Die Hochschulpolitik des Landes richtet sich darauf, den Universitäten den notwendigen Freiraum zu geben, damit sie sich im weltweiten Wettbewerb um die besten Studierenden und die besten Wissenschaftler behaupten können. Dazu zählt beispielsweise das Recht, ihre Studierenden selbst auszuwählen.

Auf der anderen Seite steigen die Kosten für die Forschung seit Jahren geradezu exponentiell. Zusammen genommen mit der äußerst schwierigen Haushaltssituation kann die Folgerung auch für die Universitäten nur heißen: Schwerpunkte definieren und "Stärken stärken". Ich halte es deshalb für unerlässlich, dass unsere neun Landesuniversitäten in Zukunft mehr kooperieren und arbeitsteiliger vorgehen. Nicht jedes teuere Gerät muss für jeden Standort angeschafft werden.

Im vergangenen Jahr haben Sie das Heidelberg Center Lateinamerika in Santiago de Chile besucht. Die internationalen Wissenschaftsbeziehungen Baden-Württembergs sind vielfältig. Aber der Name Heidelberg ist vielleicht am bekanntesten. Hilft dieser Name bei Ihren weltweiten Auslandsaktivitäten?

Mit der Gründung des "Heidelberg Center Lateinamerika" – der ersten Niederlassung einer deutschen Universität im Ausland – hat die Universität Heidelberg eine Vorreiterrolle übernommen. Sie konnte dabei auf die Unterstützung zahlreicher Alumnis aus dem südamerikanischen Raum bauen, die dort Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Politik einnehmen. Das Heidelberg Center trägt auch dazu bei, den Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Baden-Württemberg im Ausland bekannt zu machen. Dieses Beispiel hat inzwischen auch schon Schule gemacht: Die Universitäten Stuttgart und Ulm sind beispielsweise eine Partnerschaft mit der German University in Kairo eingegangen.

Sie sind auch auf europäischer Ebene sehr engagiert. Die Universität Heidelberg zählt zur "League of European Research Universities". Gibt es hier ein Zusammenspiel zwischen Universität und Landespolitik?

Die Universität Heidelberg hat sich früh in den Staaten Mittel- und Osteuropas engagiert. Zu erinnern ist an die enge Zusammenarbeit der beiden evangelisch-theologischen Fakultäten von Heidelberg und Prag. Die Universität Heidelberg, insbesondere Rektor Hommelhoff, hat auch sehr dabei mitgeholfen, die Andrássy-Universität in Budapest nach Anfangsschwierigkeiten auf einen guten Weg zu bringen. Baden-Württemberg ist dort sehr engagiert, auch aus der Überzeugung, damit die zukünftigen Eliten für Europa zu gewinnen.

In der Vergangenheit haben Sie persönlich bedeutende Vertreter des Heidelberger Geisteslebens geehrt: etwa Hilde Domin oder Hans-Georg Gadamer; der Alzheimer-Forscher Konrad Beyreuther ist Staatsrat in Ihrer Landesregierung. Was bedeutet der Wissenschaftsstandort Heidelberg als Ganzes für Sie?

Politik braucht die Sachkunde der Wissenschaft. Ich suche daher immer wieder den Rat von Fachleuten. Dabei spielt natürlich auch die Universität Heidelberg eine große Rolle. Um nur einige aktuelle Beispiele zu nennen: Staatsrat Prof. Dr. Beyreuther ist Mitglied der Landesregierung, und Prof. Dr. Paul Kirchhof ist der Autor eines zukunftsweisenden Steuerreformmodells. Prof. Dr. Peter-Christian Müller-Graff hat mich im Rahmen des Verfassungskonvents beraten. Alle sind an der Universität Heidelberg verwurzelt und stehen für den gelungenen Transfer zwischen Politik und Wissenschaft.

Heribert Vogt

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English