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21. Mai 2004

Die Krankheit Schizophrenie wird zu spät erkannt

Das sagt Prof. Heinz Häfner – Der ehemalige ZI-Direktor führte eine weltweit einmalige Studie durch und will Früherkennung forcieren

Die Schizophrenie ist eine psychische Krankheit, an der weltweit, quer durch alle Bevölkerungsschichten und Kulturen rund ein Prozent aller Menschen erkranken. Die Betroffenen leiden unter Wahnvorstellungen, Sinnestäuschungen und Denkstörungen und sie verlieren den Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld. Der langjährige ehemalige Chef des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, Heinz Häfner (Foto), legte jetzt mit seiner "ABC-Schizophreniestudie" Aufsehen erregende Ergebnisse vor, die weltweit Anerkennung fanden.

Fast 16 Jahre lang hatte Häfner und sein Team über 200 an Schizophrenie Erkrankte begleitet und mit Depressiven und Gesunden gleichen Alters und Geschlechts verglichen. "Das hat es weltweit noch nie gegeben", berichtet er stolz.

"Der Ertrag ist rundum beeindruckend" heißt es in der Bewertung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die das Projekt mit seinen zahlreichen Einzelstudien mit fast 10 Millionen Euro gefördert hat. Die Ergebnisse seien "eine der wenigen herausragenden Fortschritte (...) in der sonst eher mittelmäßigen Schizophrenieforschung", so die DFG weiter.

So ging die Forschung bisher davon aus, dass die Schizophrenie eher eine Erkrankung der Jugend und jungen Erwachsenenalters sei. Daher auch ihr ursprünglicher Name, den sie 1889 erhielt: "dementia praecox". Das ist falsch. Das Alter spielt nur eine Rolle bei der Schwere der Erkrankung. Je älter der Mensch und damit je gefestigter seine Hirnstruktur und seine soziale Stellung ist, desto weniger schwer wirkt sie sich aus. Was genau eine Schizophrenie auslöst, ist noch unklar. Man weiß, dass es sich dabei um eine Störung der Informationsverarbeitung im Hirn handelt. Behandelt wird mit Medikamenten meist in Kombination mit Psychotherapie. Heilbar ist sie nicht. Ursachen für den Ausbruch in jungen Jahren können eine genetische Veranlagung sowie Hirnschäden während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach sein. Im Alter wird die Erkrankung durch die altersbedingt nachlassende Hirnleistung, Einsamkeit und Schwerhörigkeit und der damit verbundenen kommunikativen Verarmung ausgelöst. So leiden alte Erkrankte eher unter paranoiden Wahnvorstellungen, glauben beispielsweise, sie würden verfolgt, als junge Patienten, bei denen schwere gedankliche und emotionale Verwirrtheit im Vordergrund steht. Zudem fand das Häfner'sche Team heraus, dass auch der Konsum der Droge Cannabis die Krankheit auslösen kann.

Bestätigen konnte Häfner auch die bisherige Vermutung, dass das Hormon Östrogen eine schützende Wirkung hat. Deshalb erkranken Frauen rund vier Jahre später als Männer. Dafür trifft es sie nach der Menopause aber umso schlimmer.

Am meisten Sorgen macht Häfner, dass die Krankheit immer noch viel zu spät diagnostiziert wird. Bislang wurde der Krankheitsausbruch immer mit der Erstdiagnose gleichgesetzt. Auch dies ist falsch. Die erste Behandlung erfolgt durchschnittlich zwei Monate nach dem Höhepunkt der ersten Psychose. Dann nämlich, wenn "der Patient oder seine Umwelt sie nicht mehr ertragen und einfache Aufgaben des täglichen Lebens nicht mehr geleistet werden können". Dem geht aber eine Phase von über einem Jahr voraus, in der sich die Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen und allgemein auffälliges Verhalten bereits deutlich zeigen. Insgesamt, so Häfner, dauert es von ersten Krankheitssignalen bis zur Behandlung über fünf Jahre. "Und da ist die Katastrophe schon da", bedauert Häfner.

Ulrike Jansen

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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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