Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English
Besucher, Internationale Beziehungen, Heidelberg und RegionStartseiten der FakultätenAufbau der Universität, Personalverzeichnis, ServiceeinrichtungenFächerübersicht, Beratung, Informationen für ausländische StudierendeProjekte, Publikationen, Technologietransfer

Startseite > Presse >

 
24. Mai 2004

Tod und Trauer im Vergleich der Kulturen

Symposiumseröffnung des Heidelberger Sonderforschungsbereichs Ritualdynamik mit einem öffentlichen Vortrag über den Tod im vedischen Ritual

Der Sonderforschungsbereich "Ritualdynamik" der Universität Heidelberg lädt vom 24. bis 27. Mai zu seinem interdisziplinären Symposium "Trauerrituale im Kulturvergleich". Dabei wird das ritualisierte Gedenken an die Opfer des Holocaust ebenso zu Sprache kommen, wie die Trauerriten altorientalischer Hochkulturen oder Toten- und Ahnenrituale in Nepal, Indien und Sri Lanka.

Eine gemeinsame Behandlung der verschiedenen Kulturkreise erscheint hierbei nur auf den ersten Blick ungewöhnlich. Denn Trauerrituale sind universell auftretende Handlungsmuster, die – ungeachtet biologischer, psychologischer, sozialer oder kultureller Unterschiede – viele Gemeinsamkeiten aufweisen. In allen beobachteten Kulturen sind im Trauerfall Verhaltensweisen wie Weinen, Wehklagen, Haare- und Bartraufen, hängende Schultern oder Trostbekundungen zu finden. Auch das Wälzen am Boden, Greifbewegungen in der Luft sowie das Beschmieren mit Asche oder Lehm sind allenthalben auftretende Verhaltensmuster, deren gemeinsamer Bezug die Verarbeitung von Verlusten zu sein scheint, was in Form spezieller Rituale einen Ausdruck findet. Kulturelle Unterschiede bestehen in sachlicher, zeitlicher und sozialer Hinsicht, d.h. die rituellen Performanzen werden in unterschiedlich bemessenen Gedächtnisräumen in Szene gesetzt, bewegen sich in sehr verschiedenen Zeithorizonten und werden von divergenten Trauergemeinschaften getragen. Die Tagung soll nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenbringen, die Trauerrituale im Kontext unterschiedlicher kultureller Gedächtnisse untersuchen, um auf dieser Basis zu einem Kulturvergleich beitragen zu können.

Grundsätzlich wird die Veranstaltung in drei Sektionen gegliedert, die sich jeweils einen Tag den altägyptischen, den hinduistisch-buddhistischen und den jüdisch-christlichen Traditionen widmen. Ziel hierbei ist sowohl der intensive Diskurs in den Spezialdisziplinen während der Sektionssitzungen wie auch das Zusammentragen von Bausteinen zu einer allgemeinen Theorie von Trauerritualen in den Plenumssitzungen.

So wird sich Professor Axel Michaels vom Heidelberger Südasien-Institut (SAI), der als Sprecher des Sonderforschungsbereiches "Ritualdynamik" auch die Eröffnungsrede hält, mit hinduistischen Trauerritualen beschäftigen, während Johanna Buss, die ebenfalls am SAI beschäftigt ist, das interessante "latya" – Ritual vorstellen wird, mit dem die Menschen in Nepal Abschied von Verstorbenen nehmen. Hierbei wird sie sich vor allem auf einen entsprechenden Film stützen, der im August 2002 in Bhaktapur/Nepal entstand. Wörtlich übersetzt bedeutet "latya" schlicht "45", womit die seit dem Tod vergangenen 45 Tage gemeint sind, nach denen das Ritual in der "sapindikarana" seinen Höhepunkt findet. Bei diesem "Ritual der Kloßgemeinschaft" – so die sinngemäße Übersetzung – werden Mehlklöße, die den Verstorbenen symbolisieren, mit jenen vermischt, die die drei vorangegangenen Generationen darstellen. Dadurch soll der Verstorbene sicher ins Jenseits geleitet werden, und nicht als unbefriedeter Geist zurückkehren. Zugleich lassen die Klöße den Tod regelrecht "be-greifbar" werden, was für die Hinterbliebenen eine gewisse Hilfe sein kann.

Etwas näher an unserem eigenen Kulturkreis wird sich hingegen am zweiten Tag E. Th. Haas (Darmstadt) bewegen, der in seinem Referat "Good bye Lenin: Das Orpheusmotiv und das Ende der DDR" auf den Film "Good bye Lenin" eingeht, um deutlich zu machen, dass der Mensch nicht nur verstorbene Angehörige, sondern auch verstorbene Ideen oder Ideale betrauert. In diesem in er Wendezeit 1989-90 spielenden Film wird in tragisch-komischer Weise um das Überleben des real existierenden Sozialismus in einer kleinen Wohnung gerungen. Alex, der Orpheus der Filmgeschichte, versucht von seiner Mutter, welche die Zeit des Umbruchs im Koma verschlafen hat, alle aufregenden Neuerungen fernzuhalten. Dieses Orpheusmotiv steht nun im Mittelpunkt des Referats. Immerhin legt die weltweite Bedeutung dieses Motivs es nahe, dass es sich hier um einen ursprünglichen Kulturmechanismus handelt, der in der Lage ist, Gewalterfahrungen in sakralisierender Weise zu transformieren.

Am dritten Tag schließlich wird Andrea Kucharek vom Ägyptologischen Institut der Universität Heidelberg sich mit Trauerphasen und Trauerriten in Ägypten befassen. Immerhin stammt ein großer Teil des heutigen Wissens über das alte Ägypten – vereinfacht gesagt – aus Gräbern. Sei es in Gestalt von unmittelbar auf den Totenkult bezogenen Quellen wie Grabdekoration und -ausstattung sowie Ritualtexten, sei es in Form von im Grunde profanen Objekten wie Möbeln und Kleidern, die den Verstorbenen als Grabbeigabe ins Jenseits begleiteten, um ihm dort in derselben Weise zur Verfügung zu stehen wie zu seinen Lebzeiten. Diese Quellengattungen geben Auskunft über das irdische wie über das jenseitige Leben des Verstorbenen und über die Riten, die man bei und nach seinem Begräbnis für ihn vollzog. Vergleichsweise wenige Informationen (und keine Publikationen) existieren hingegen zu den Trauerriten, in deren Zentrum die Hinterbliebenen stehen, also zu den Zeiten, Verhaltensweisen und Bräuchen, die bei einem Todesfall, insbesondere in dem Zeitraum zwischen Tod und Bestattung, eingehalten wurden. Andrea Kucharek geht nun in ihrem Vortrag den Gründen für die Seltenheit der diesbezüglichen Quellen nach, stellt anhand des verfügbaren Materials die Trauerphasen und Trauerriten der Ägypter dar und ordnet sie in den Kontext von Bestattungssitte und Gesellschaftsordnung ein.

Diese und noch viele weitere Themen werden während des Symposiums, das am 24.5.2004 um 18.15 Uhr u.a. mit einem Vortrag über den Tod im vedischen Ritual eröffnet wird, zur Sprache kommen. Zu den Veranstaltern gehören die Professoren Jan Assmann (Heidelberg, Ägyptologie) Micha Brumlik, (Frankfurt/Main, Erziehungswissenschaft) und Axel Michaels (Heidelberg, Klassische Indologie). Die von auswärts anreisenden Referentinnen und Referenten kommen unter anderem aus Forschungsinstituten in Berkeley, Leiden, Tel Aviv, London, Lyon und Bristol.

Das Symposion findet im Internationalen Wissenschaftsforum der Universität Heidelberg, Hauptstr. 242, 69117 Heidelberg statt, Tel. 06221-543690.

Heiko P. Wacker

Rückfragen bitte an
Johann Buss
Tel. 06221 544914
j.buss@ix.urz.uni-heidelberg.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English