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25. Mai 2004

Mit Ornamenten und Bordüren reich geziert

Am Donnerstag wird in der Heidelberger UB eine Ausstellung mit Bücherschätzen aus Kloster Salem eröffnet

Armin Schlechter mit einem französischen Stundenbuch um 1415

Armin Schlechter mit einem französischen Stundenbuch um 1415, das Abt Anselm Schwab 1765 in Paris erwarb und bei dem in der Heidelberger UB die Seite mit "Evangelist und Teufel" aufgeschlagen ist. Der schreibende Johannes, gerahmt von einer aufwendigen Bordüre, ist mit seinem Symbol, dem Adler, dargestellt. Hinter seinem Rücken will der Teufel seine Arbeit stören. Foto: Welker

Die wertvollsten Stücke ruhen im Manesse-Raum. Dessen Verdunkelung ist nicht nur aus konservatorischen Erwägungen heraus notwendig, sondern unterstreicht auch die Aura der Feierlichkeit, die die Exponate umhüllt. "Vom Bodensee an den Neckar" führt die Präsentation von Bücherschätzen aus der Bibliothek des Zisterzienserklosters Salem, die in der Heidelberger Universitätsbibliothek bis zum Jahresende zu besichtigen sind. Dr. Armin Schlechter, der Leiter der Handschriftenabteilung, wählte siebzig repräsentative Objekte aus, Handschriften, frühe Drucke, Urkunden, Chroniken und Bucheinbände, die einen vorzüglichen Einblick gestatten in die Bestände der Sammlung.

Zur Geschichte: Schon im 12. Jahrhundert besaß das 1134 gegründete Kloster Salem ein eigenes Skriptorium, und seine Äbte sorgten bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts durch Stiftung liturgischer Bücher für eine Vermehrung der Kollektion. Zuwächse waren noch im 18. Jahrhundert zu verzeichnen. 1802/03 fiel die Abtei als Entschädigung für linksrheinische Verluste an das Haus Baden. Nachdem die geistliche Kommunität 1804 aufgehoben worden war, wurde die Anlage mehr und mehr zu einem repräsentativen Fürstensitz umgestaltet.

Von Katastrophen gebeutelt

Heidelbergs Universitätsbibliothek, von den Katastrophen des Dreißigjährigen Krieges und des Pfälzischen Erbfolgekrieges schwer gebeutelt und 1798 nur noch 20 000 Bände besitzend, profitierte ab 1824 vom Ankauf der vereinigten Büchersammlungen der Klöster Salem und Petershausen, die zu diesem Zeitpunkt etwa 450 mittelalterliche und neuzeitliche Handschriften sowie rund 3000 Drucke umfassten. Die Zugänge aus Salem bilden heute das Rückgrat der Altbestände. Anhand der ausgestellten Zimelien lassen sich Geschichte und Fundus der Bodensee-Bibliothek von der Zeit der Klostergründung im 12. Jahrhundert bis zur Aufhebung Anfang des 19. Jahrhunderts verfolgen. Ein zweiblättriges Fragment markiert die älteste Handschrift, die aus Salem nach Heidelberg kam. Prachtvoller sind dann die Bände mit reichem Initialschmuck, sich kunstvoll verschlingenden Ranken und mehrfarbiger Hintergrundskolorierung. Aus dem Salemer Skripotorium stammen auch die "Etymologiae" des fruchtbaren Schriftstellers Isidor von Sevilla mit der t-förmigen Weltkarte von den Kontinenten Afrika, Europa und Asien, während im einem Graduale aus dem 13. Jahrhundert eine typische Salemer Polypenrankeninitiale beachtenswert ist. Auch "Scivias" (Wisse die Wege), das erste Werk Hildegards von Bingen, verweist mit den typischen Oktopusblättern in den Initialen auf die Salemer Herkunft. Die chronologisch geordnete Präsentation, die sich ausschließlich aus UB-Besitz speist, prunkt mit vielen bibliophilen Attraktionen, mit Brevieren und Evangelistaren, bei denen überwiegend die Schauseiten aufgeschlagen sind. So fallen bei einer Handschrift des "Gottesstaates" von Augustin in einer Initiale kunstvolle Christus-Darstellungen ins Auge, und in einem mit reichem Bordürenwerk geschmückten Chorgraduale enthält eine Initiale das Stifterbild des Abtes Oschwalt. Insgesamt präsentiert die Bücher-Schau sieben liturgische Chor-Handschriften. Schwergewichtig (28 Kilogramm) ist das um 1600 fertiggestellte Salemer Prachtgraduale. Auch hier ist ein Abt, Auftraggeber Petrus Miller, zu sehen, kniend unter dem Kruzifix mit Maria als Patronin des Klosters und überragt vom Ordensgründer Bernhard von Clairvaux. Für 20000 Gulden hatte die UB 1826 ein Chorgraduale erstanden, das von Abt Ludwig Oschwalt in Auftrag gegeben wurde und bei dem die Himmelfahrt Mariens aufgeschlagen ist.

Eine Augenweide aus Frankreich

Eine Augenweide ist ein mit zahlreichen Ornamenten geziertes französisches Stundenbuch, und in einem Abtbrevier erkennt man die Zisterzienserraute und das Wappen des Klostervorstehers. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen mit liturgischen Drucken, einer Schedelschen Weltchronik oder einer Chronik des Konstanzer Konzils. Im eigentlichen Ausstellungsraum finden sich frühe Drucke – Salem hatte eine eigene Druckerei -, zum Teil mit kolorierten Holzschnitten und floralen Elementen angereichert, auch darunter kostbare Schätze wie etwa eine Ausgabe des Theuerdank Ein Index librorum prohibitorum, ein Verzeichnis der verbotenen Bücher, erweckt neben Exemplaren aus dem Besitz der Pompadour oder Bänden der Enzyklopädie von Diderot oder d'Alembert ebenso Beachtung wie ein herausragendes Pflanzenbuch, die "Plantae selectae" des Christoph Jakov Trew.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 27. Mai, um 18 Uhr in der Alten Aula eröffnet. Sie läuft in der UB bis zum 30. Dezember. Katalog: 15 Euro.

Heide Seele

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
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