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14. Mai 2004

Jugendliche: Kampftrinken bis zum Abwinken?

Franz Resch von der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt verhalten Entwarnung – Kampftrinken eher Ausdruck eines bestimmten Lebensstils

Kampftrinken bis zum Abwinken?

Zwar kann Alkohol für Jugendliche zum Problem werden, doch ist der Konsum nur eines von vielen "adoleszenten" Risikoverhalten. Es liegt zumeist an den Eltern, solche Gefahren frühzeitig zu bekämpfen. Wo dies nicht gelingt, hilft oft nur noch die fachliche Behandlung. Foto: Alfred Gerold

In letzter Zeit rauschen zwei Wörter verstärkt durch den Blätterwald: Alcopops und Kampfsaufen. Die Jugend wird erst mit süßen Getränken an den Genuss von Alkohol gewöhnt, um sich dann in früher ungekannter Weise geradezu in öffentlicher Konkurrenz um den Verstand zu trinken. Soweit die Vorurteile.

Franz Resch, seit elf Jahren Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, kann sich der Hysterie nicht anschließen. Der exzessive Alkoholkonsum bei immer jüngeren Jugendlichen ist zweifelsohne Besorgnis erregend. Dieses Verhalten aber ist nur eine von verschiedenen Ausprägungen eines bestimmten "Stils im Umgang mit sich und der Welt", so Resch. Andere Verhaltensweisen seien der Konsum anderer Drogen, das so genannte Schnüffeln, die Neigung zu Bulimie oder Magersucht, lebensgefährliche Pseudo-Sportarten wie das U-Bahn-Surfen oder die Selbstverletzung der Gliedmaßen, das Resch "Ritzen" nennt. "Die Risikobereitschaft ist aber generell angestiegen", räumt der Experte ein.

Oft versagen Eltern...

Als Gründe für derartiges Verhalten nennt der Psychiater vor allem das Fehlen oder Versagen von Eltern als "Reibungspunkt, um Selbstwert und Identität zu finden." Dabei fällt auf, dass Mädchen die daraus entstehenden Aggression eher gegen sich selbst richten, während Jungen zu einer offensiven, oft sogar gewalttätigen Auseinandersetzung "mit einer immer komplexer werdenden Welt" neigen. Es sind vor allem diese Jungen, die schon im Alter von zwölf Jahren das Trinken beginnen und es in der Pubertät exzessiv betreiben.

Allerdings bedeutet dies für die meisten Jugendlichen eher eine Durchgangsphase als den endgültigen Absturz. Insgesamt hat der Alkoholkonsum unter Jugendlichen ebenso wenig zugenommen wie in der Gesamtbevölkerung. Lediglich das Alter, in welchem dem Alkohol eine solche Rolle zukommt, hat sich nach unten verschoben. Hinter dieser scheinbaren Entwarnung kristallisiert sich jedoch eine weitere Gefahr heraus: Je jünger die Trinker sind, desto größere Schäden richtet der Alkohol an.

Was aber kann die Gesellschaft gegen eine Entwicklung unternehmen, die – Einzelfall hin, Medienhype her – ein Problem darstellt und die Jugendlichen nachhaltig beeinträchtigen kann? Resch setzt hier vor allem auf die Vorsorge und Bekämpfung durch das Elternhaus: "Die Wahrnehmung der Jugendlichen durch die Erziehungspersonen ist ein ganz wesentlicher Faktor." Es geht jedoch nicht bloß darum, generell das Gefühl zu geben, dass das Kind irgendwie verstanden wird – vielmehr müssen die Eltern auch Grenzen aufzeigen. Im Gegensatz zur Auffassung vom Vater als Kumpan, die in den achtziger Jahren modern war, empfinden es Kinder als lieblos, wenn das Elternhaus jedes Verhalten hinnimmt: Kinder wünschen sich Autoritätspersonen. Probleme direkt anzusprechen wirkt bei Jugendlichen oft auch noch in einem Alter, in welchem sie sich nach gängiger Auffassung "gar nichts" sagen lassen, gleichgültig, ob es sich dabei um das Kampftrinken oder ein anderes Verhalten handelt. Fällt die Familie aus welchem Grund auch immer aus und wird durch die falsche Gruppe Gleichaltriger ersetzt, kann oft nur noch die stationäre Behandlung helfen.

... als Autoritätspersonen

Diese Probleme sind nun aber weder neu, noch haben sie in einem Maße zugenommen, das eine allgemeine Alarmbereitschaft rechtfertigen könnte. Woher kommt dann die verstärkte Konzentration auf den Alkoholkonsum bei Jugendlichen? Resch macht dafür ein bestimmtes Bewusstsein in Öffentlichkeit und Medien verantwortlich: Mal stehen Themen wie das Kampftrinken im Mittelpunkt des Interesses, mal ist anderes im Vordergrund.

"Vor ein paar Jahren habe ich ein Symposium über das Ritzen veranstaltet. Sogar das Fernsehen ist gekommen", erzählt Resch. "Heute redet kein Mensch mehr darüber." Unabhängig von der öffentlichen Aufmerksamkeit aber verfallen Jugendliche dem Alkohol oder können ihm widerstehen. "Das Problem", so Resch, "ist die ganze Zeit da." Es wird nur nicht immer wahrgenommen.

Stefan Bellemann

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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