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7. Mai 2004

"Vorbild für Spitzensportler und Millionen von Breiten- und Freizeitsportlern"

Verdienstkreuz für Brigitte Franke-Berendonk und Prof. Dr. Werner Franke – Minister Frankenberg würdigt "entschlossenen Kampf gegen Doping" – Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Die Heidelberger Anti-Doping-Experten Brigitte Franke-Berendonk und Prof. Dr. Werner Franke haben von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg am 7. Mai das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht bekommen. "Dieser hohe Orden würdigt Ihren langjährigen entschlossenen Kampf gegen Doping im Leistungssport in beiden Teilen des geteilten Deutschland, gegen die menschenverachtenden und kriminellen Methoden des Dopings", erklärte Frankenberg bei einer Feierstunde in Heidelberg.

"Sie haben unerschrocken und mit großem Erfolg für mehr Fairness im Leistungssport und gegen das Doping von jungen Frauen mit Androgenen gekämpft. Ihnen ist es maßgeblich zu verdanken, dass auch in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Rechtsprechung zum Doping ein Bewusstseinswandel eingetreten ist. Insbesondere in der früheren DDR konnten dank Ihres Wirkens verantwortliche Ärzte, Trainer und Funktionäre wegen Körperverletzung durch Doping verurteilt werden", betonte der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Der Kampf von Werner Franke und Brigitte Franke-Berendonk für Fairplay im Leistungssport – gegen größte Widerstände – und ihr persönliches Engagement für Doping-Opfer gäben "ein ermutigendes Vorbild nicht nur für ehrliche Spitzensportler, sondern auch für Millionen von Breiten- und Freizeitsportlern". Zu hoffen sei, dass sich davon viele Verantwortliche im Leistungssport anspornen lassen, für die Grundlage eines fairen Wettbewerbs im Sport zu streiten.

Brigitte Franke-Berendonk wurde am 2. Mai 1942 in Dankmarshausen im Kreis Eisenach geboren. 1958 wurden Sie DDR-Vierkampf-Meisterin, im selben Jahr flüchtete sie mit Ihrer Familie in die Bundesrepublik. Sie wurden Mitglied des TV Schwetzingen und 1959 Fünfkampf-Jugend-Meisterin der Bundesrepublik. Nach dem Abitur studierte sie in Freiburg Anglistik und Sport. 1967 wurde sie Mitglied der Leichtathletik-Nationalmannschaft und nahm erfolgreich an den Olympischen Spielen 1968 und 1972 teil: "Ihre Platzierungen auf Rang 8 und 11 sind um so höher einzuschätzen, als zu jener Zeit nicht wenige Ihrer Konkurrentinnen bereits einen Vorsprung durch unfaire Dopingpraktiken erhalten hatten", so Frankenberg.

Aufgrund ihrer weiterhin guten "stillen" Kontakte zum Ostblock-Sport war Brigitte Berendonk gut informiert über die dortigen Praktiken etwa mit rezeptpflichtigen Hormonen, die zum Teil auch im Westen verabreicht wurden. "Bereits 1969 wiesen Sie in der ‚ZEIT' auf die Gefahren des Doping, insbesondere der Androgenbehandlung von Sportlerinnen, hin. Dieser Artikel erschütterte die Sportwelt. Er führte aber auch dazu, dass Sie von den meisten Sportmedizinern und Funktionären isoliert wurden – trotz Ihres Amtes als Sprecherin der Frauen-Nationalmannschaft" (Frankenberg). Bei ihrem Einsatz für wirksame Hormon- und Dopingkontrollen wurde sie unterstützt von Ihrem Vereinskameraden, Trainer und späteren Ehemann Werner Franke. Auch nach ihrer Nationalmannschaftskarriere blieb sie wichtige Ansprechpartnerin für Sportlerinnen und Angehörige, wenn es um Probleme der international um sich greifenden androgenen Hormonbehandlung von Mädchen und jungen Frauen ging.

Frankenberg: "Sie nannten öffentlich, beispielsweise im ZDF-Sportstudio 1977, auch die Namen verantwortlicher Funktionäre und Sportmediziner. Man beobachtete Ihr Handeln, wie sich später aus Stasi-Unterlagen ergab, in der DDR mit ‚Sorge'. Ihre Erkenntnisse wurden jedoch damals weitgehend unterdrückt – von der Politik, von Sportfunktionären und von doping-willigen Sportmedizinern."

Erst nach der Wiedervereinigung gelangte Brigitte Franke-Berendonk, unterstützt durch Ihren Ehemann, an beweiskräftige Dokumente aus der ehemaligen DDR. Sie veröffentlichte die Beweise 1991 in Ihrem Buch "Doping-Dokumente: Von der Forschung zum Betrug". Die internationale Reaktion war gewaltig. Weltweit befassten sich Hunderte von Zeitungsartikeln und Fernsehsendungen mit dem systematischen Betrug und den Gesundheitsschäden der Opfer. Frau Franke-Berendonk sei so durch ihren Kampf gegen das Doping zur Symbolfigur geworden, sagte Frankenberg. "Ihr langjähriges unerschrockenes Auftreten hat die internationale Aufmerksamkeit auf die Gesundheitsschäden und die betrügerischen Delikte des Doping gelenkt. Der Leistungssport in Deutschland und alle, die sich dem Fairplay und der Chancengerechtigkeit im Sport verpflichtet fühlen, verdanken Ihnen sehr viel. Der Kampf gegen das Doping stünde in Deutschland ohne Sie schlechter da."

Professor Dr. Werner Franke ist laut Frankenberg einer der erfolgreichsten deutschen Zell- und Molekularbiologen und einer der meistzitierten deutschen Naturwissenschaftler. Dies zeigten zahlreiche wissenschaftliche Ämter, Preise und Ehrungen. 1940 in Paderborn/Westfalen geboren, hat Werner Franke in Heidelberg Biologie, Chemie und Physik studiert. Nach Promotion und Habilitation wurde er 1973 als Hochschullehrer an die Universität Heidelberg berufen. Zugleich übernahm er die Leitung einer Abteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Als Mittelstreckenläufer fand Werner Franke in seiner späteren Ehefrau eine Vereinskameradin, die sein Engagement gegen das Doping unterstützte. "Sie haben sich lange Zeit – als fast einziger in der medizinischen Forschung tätige Naturwissenschaftler – öffentlich und in der Fachliteratur gegen leistungssteigernde Medikamente im Sport eingesetzt. Vor allem wandten Sie sich gegen die versteckte Verabreichung androgener Hormone an Mädchen und junge Frauen" (Frankenberg). Zusammen mit seiner Frau trat Franke wiederholt jenen Sportmedizinern, Funktionären und Politikern entgegen, die den heimlichen Einsatz solcher Mittel betrieben und dabei die schädlichen Nebenwirkungen bestritten oder verheimlichten. "Dadurch war er zahlreichen öffentlichen Angriffen ausgesetzt, gegen die ihm jedoch sein hohes wissenschaftliches Renommee Schutz gab."

Bei der Evaluierung von Forschungseinrichtungen der ehemaligen DDR durch den Wissenschaftsrat im Jahr 1990 erkannte Franke, dass dort geheime Unterlagen über höchst unethische Versuche und Praktiken im DDR-Spitzensport zum Teil noch erhalten waren. Er konnte gegen interessierte Kreise erreichen, dass ihm die Dokumente zur Auswertung überlassen wurden. So gab er seiner Frau auch entscheidende Unterstützung für das Buch "Doping-Dokumente".

Nachdem Franke die Justiz schon 1991 auf den ungesetzlichen Gehalt der massenhaften Behandlungen junger Menschen im DDR-Sport hingewiesen hatte, wurde schließlich ab 1998 Anklage gegen eine Reihe von Ärzten, Trainern und Funktionären wegen Körperverletzung durch Doping erhoben. In vielen Urteilen, die Freiheitsstrafen von bis zu 22 Monaten vorsahen, schlossen sich die Gerichte Frankes Ansicht an, dass solche Doping-Behandlungen Köperverletzungen darstellen. Der Bundesgerichtshof bestätigte dies.

Frankenberg: "Sie haben durch Ihr öffentliches Wirken zu einem Bewusstseinswandel und zu einer klaren Verurteilung von Doping-Praktiken als Straftaten beigetragen. Sie und Ihre Frau haben gezeigt, was einzelne Bürger im Kampf gegen gesellschaftliche Missstände selbst gegen starke Widerstände erreichen können. Sie haben sich von Ihrer unerschütterlichen Überzeugung leiten lassen, dass für Sportlerinnen und Sportler nur der wirklich ‚saubere Rekord' zählen darf. Sie haben gezeigt, dass Ehrlichkeit und Achtung des Gegners keine überholten, sondern unverändert aktuelle Werte im Sport sind. Sie haben sich beide um die deutsche Sportbewegung und um die Humanisierung des Sports verdient gemacht. Das Bundesverdienstkreuz würdigt Ihr außergewöhnliches Engagement."

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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