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27. Mai 2004

Geheimnisvolle Felsgrotten – Forscher sind dem Rätsel der "Externsteine" auf der Spur

Heidelberger Wissenschaftler wenden hochmodernes Verfahren zur Altersbestimmung an – Ist das Ende eines jahrzehntelangen Streites in Sicht?

Bereits seit Goethes Zeiten erhitzt die Frage nach dem Alter der Felsgrotten in den Externsteinen nahe Detmold die Gemüter immer wieder aufs neue. Denn bis heute ist das archäologische Rätsel ungelöst, ob sie aus vorchristlicher Zeit stammen oder erst im Mittelalter angelegt wurden. Nachweislich haben sich während der späteren Altsteinzeit und der Mittelsteinzeit, also um 10.000 bis 4.000 v.Chr. unsere Vorfahren bereits an den Felsen aufgehalten. Danach lassen sich eindeutige Rückschlüsse auf menschliche Tätigkeiten erst wieder ab dem 11. Jahrhundert n.Chr. finden. Die Entstehungsgeschichte und Funktion der künstlich geschaffenen Grotten, der Höhenkammer und des Felsengrabes blieben bis heute ungeklärt. "Theorien dazu gibt es viele. Unser Vorhaben ist es, durch neue Forschungsansätze zu eindeutigen und unstrittigen zeitlichen Fixpunkten zu gelangen", so Dr. Clemens Woda von der Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Die Möglichkeit einer zuverlässigen Datierung ist nun in greifbare Nähe gerückt. Brandspuren an den Felswänden der Grotten weisen auf Feuereinwirkung in früherer Zeit hin – und erhitztes Gestein lässt sich sehr gut mit der so genannten Lumineszenzmethode datieren. Mit dieser Methode bestimmt man den Zeitpunkt der letzten Erhitzung der im Sandstein enthaltenen Quarz- und Feldspatkörner, mithin das Mindestalter der Anlage der Grotten. Das Verfahren beruht darauf, dass natürliche Gesteine geringe Mengen an radioaktiven Elementen besitzen, welche die Mineralkörner einer fortdauernden Strahlung aussetzen und ein Lumineszenz-Signal aufbauen. Damit ist die gemessene Intensität des Signals ein Maß für das Alter der Probe. Voruntersuchungen aus dem Jahr 1990 erwiesen die prinzipielle Eignung der Methode. Doch erst die technologische Weiterentwicklung durch das Heidelberger Forscherteam unter der Leitung von Professor Günther Wagner hat die Voraussetzung geschaffen, eine genaue Altersbestimmung durchzuführen. Im Laufe des Sommers werden Bohrkerne aus den erhitzen Felspartien entnommen und anschließend von den Wissenschaftlern in ihrem Labor untersucht. Durch die erwarteten Ergebnisse könnte ein über Jahrzehnte geführter Streit endgültig beendet werden.

Das wissenschaftliche Projekt wird am Donnerstag, 27. Mai, um 15 Uhr der Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz im Schloß Brake, Lemgo, vorgestellt. Neben Wissenschaftlern der Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften nehmen auch der Vorstand der Schutzgemeinschaft Externsteine e.V. sowie Vertreter des Landesverbandes Lippe und des Lippischen Landesmuseums Detmold teil. Die Finanzierung des Forschungsprojektes wurde durch die Schutzgemeinschaft Externsteine e.V. ermöglicht.

Rückfragen bitte an
Dr. Johannes Schnurr
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. (06221) 54 34 00, Fax 54 33 55
johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de

sowie
Dr. Clemens Woda
Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
am Max-Planck-Institut für Kernphysik
Tel. (06221) 51 66 35, Fax 51 66 33
clemens.woda@mpi-hd.mpg.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de/presse

und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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