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27. April 2004

Präzisionsarbeit mit einem 20 Meter großen Skalpell

Weltraumstrahlung macht Tumoren den Garaus – Heidelberg wird noch stärker zu einem internationalen Zentrum der Krebstherapie

Präzisionsarbeit mit einem 20 Meter großen Skalpell

Was bislang noch wie ein Spielzeugmodell aussieht, wird bald vielen Krebspatienten das Leben retten. Foto : Schnurr

Was Jürgen Debus und seine Kollegen da im Neuenheimer Feld planen, könnte schon bald rund 1000 Krebspatienten pro Jahr das Leben retten. In unmittelbarer Nähe des DKFZ und der Radiologischen Universitätsklinik entsteht eine High-Tech-Anlage, in der nach einem neuartigen Verfahren und mit bislang unbekannter Präzision Tumore zerstört werden sollen. Professor Debus, Ärztlicher Direktor der Abteilung Strahlentherapie der Universität Heidelberg, ist von der neuen Methode überzeugt. "Sie wird hoch effektiv sein und zugleich für den Patienten viel schonender als die bisherigen Verfahren. Bisher haben wir rund 250 Patientendaten analysiert und sind selbst erstaunt darüber, wie gut die Ergebnisse ausfielen." Im Jahr 2006 soll das neue Gebäude samt Bestrahlungsgerät fertig sein. Rund 76 Millionen Euro betragen die Baukosten, etwa 100 neue Arbeitsplätze werden dann vor Ort neu entstehen. "Die neue Therapieanlage wird Heidelberg noch stärker als bisher zu einem Zentrum der internationalen Krebsforschung wie der Krebsbehandlung machen", so Debus.

Seit mittlerweile circa 100 Jahren wird die Strahlentherapie gegen Tumore eingesetzt. Doch oft zeigten sich nach einer Behandlung nicht nur die erwünschten medizinischen Wirkungen – sondern auch starke Nebenwirkungen. Die Strahlen, die den Krebs zerstören sollten, schädigten bei manchen Patienten ebenso das gesunde Gewebe. Doch zusehends verbesserten sich die Geräte. Immer besser gelang es, die Strahlung ganz gezielt nur noch auf den Tumor einwirken zu lassen. Ein großer Fortschritt war dabei die ab 1988 entwickelte Bestrahlung aus drei Richtungen. Diese so genannte "Dreidimensionale Bestrahlung" wurde 1997 in Heidelberg erstmals an Patienten durchgeführt. Computer errechnen auf den Bruchteil eines Millimeters genau, wo und wie im Körper bestrahlt werden muss. "Das war eine gewaltige technische Verbesserung. Insbesondere in Verbindung mit einer genau dosierten Bestrahlung gelang es uns so, auch die besonders heiklen Tumore im Kopf-Hals-Bereich effektiv zu behandeln", erinnert sich Debus. Durch die exakte Lokalisierung und punktuelle Zerstörung des erkrankten Gewebes, konnte die Lebensqualität der Patienten ernorm verbessert werden. Wurde früher bei einer Bestrahlung des Kopf-Hals-Bereichs oft die Speicheldrüse in Mitleidenschaft gezogen, so kann dies nun fast immer vermieden werden. Auch die Gefahr einer Schädigung des Rückenmarks bei der Behandlung von Schädelbasistumoren besteht faktisch nicht mehr. Im Jahr 2001 wurde das Verfahren für den Zukunftspreis des Bundespräsidenten vorgeschlagen.

Überdies kommt in der geplanten Anlage eine neue Art von Strahlung zum Einsatz. Wurden bisher vor allem Gammastrahlen gegen Tumore eingesetzt, werden es in Zukunft Teilchenstrahlen sein. Diese Protonen- und Ionenstrahlen kommen natürlicherweise nur im Weltraum vor, nicht auf der Erde. So ist es den Krebszellen nicht möglich, Strahlenschäden zu reparieren. Denn gegen diese Art von Strahlung hat der menschliche Körper – und auch Krebszellen sind schließlich Körperzellen – niemals Schutzmechanismen entwickelt. Die Heilungsrate der neuen Methode ist denn auch außergewöhnlich hoch: Bei den gefürchteten Knorpel- und Knochentumoren stieg sie von früher 25 Prozent auf nun sage und schreibe 80 Prozent an. "Diese ersten Daten stimmen uns wirklich sehr optimistisch, was die Anwendung der Methode als eine künftige Standardtherapie anbetrifft", resümiert Debus.

Auch wenn das Strahlenskalpell der Heidelberger Forscher rund 20 Meter groß ist – so wird es doch eine unglaublich präzise und erfolgreiche Behandlung ermöglichen. Am Bau beteiligt sind mehrere Forschungseinrichtungen, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die Gesellschaft für Schwerionenforschung Darmstadt (GSI) und das Forschungszentrum Rossendorf (FZR).

Dr. Johannes Schnurr

Rückfragen bitte an
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Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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