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21. April 2004

Zentrale Gestalt der Neuzeit

Melanchthons Erziehungslehre: Neuer Band der Brief-Ausgabe erschienen

Philipp Melanchthon (1497-1560) gilt als eine Schlüsselgestalt der Neuzeit – und ist einer der berühmtesten Studenten Heidelbergs überdies. Berühmt wurde der in Bretten geborene Theologe sowohl durch seine theoretischen Schriften wie durch sein praktisches Wirken als Pädagoge und Kirchenreformer. 1518 trat er an der Universität Wittenberg eine Stelle als Professor für Griechisch an.

Bereits in seiner Antrittsrede bekannte Melanchthon sich, beeinflusst vor allem durch den Gelehrten Erasmus von Rotterdam, zum Gedanken des Humanismus. Gleichwohl zu einem religiös fundierten Humanismus, welcher den Geist der Bibel wortgetreu aus den Quellen erschließt. Diese besondere Haltung brachte ihn bald in Kontakt mit Martin Luther, aus ihrer Zusammenarbeit erwuchs den beiden eine lebenslange Freundschaft. Melanchthon galt seiner Zeit als ein Vermittler, als Mann des Ausgleichs. Er schlug Brücken zwischen der reformatorischen Theologie und der antiken Philosophie, zwischen mittelalterlicher Scholastik und den Prinzipien der natürlichen Gotteserkenntnis. Auf den Reichstagen von Speyer (1529) und Augsburg (1530) hörten die Fürsten seinen Rat in kirchlichen Fragen, fortan galt seine Stimme auch etwas in politischen Kreisen.

Seit 1977 gibt die Melanchthon-Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften den Briefwechsel des Theologen heraus. Ein Forschungsvorhaben, welches gleichwohl ungewöhnliche Dimensionen besitzt. Noch bis zum Jahr 2030 soll die Edition weiterlaufen, nicht weniger als 45 Bände umfasst das Standardwerk dann. "Was wir damals in Angriff genommen haben, das ist kulturgeschichtliche Grundlagenforschung", erklärt Heinz Scheible. Scheible leitete die Melanchthon-Forschungsstelle bis 1997 und wurde vor zwei Jahren als Mutterschaftsvertretung wieder aus dem Ruhestand reaktiviert. Seit einigen Tagen wird nun ein neuer Teil der historisch-kritischen Briefausgabe ausgeliefert, das Verzeichnis "Personen A – E" (Band 11). Rund zwei Jahre intensive Forschungstätigkeit stecken allein in diesem Band. Fast 10000 Briefe und Gutachten Melanchthons sind erhalten. Über 7000 Personen werden in den Dokumenten erwähnt, rund ein Viertel davon weist der neue Band mit Lebensdaten, Herkunft, Beruf oder, wenn es sich um nicht-historische Personen handelt, in ihrer allegorischen Bedeutung nach.

"In Melanchthons Werk laufen die zwei großen Wurzeln der europäischen Kultur fast idealtypisch zusammen", so Scheible. "Dies ist zum einen die griechisch-römische Tradition, zum anderen ist es die jüdisch-christliche. Das Material, welches wir für die Briefausgabe über Jahrzehnte zusammentrugen und aufarbeiten, ist daher für viele wissenschaftliche Disziplinen von Nutzen: Für Theologen, Philosophen und Historiker aber auch für Sozialwissenschaftler, Psychologen oder Juristen."

Melanchthon korrespondierte mit der gesamten gebildeten Welt Europas: Vom deutschen bis zum spanischen Hof, überall saßen ihm gut bekannte Gelehrte, beriet er Adlige. Sein Briefwechsel kann von daher als ein Spiegel der Epoche angesehen werden. Melanchthon gilt überdies als der große Bildungsreformer seiner Zeit, "Praeceptor Germaniae", als der "Lehrmeister Deutschlands", wurde er bezeichnet. Vor allem der Schul- und der Hochschulreform galt sein Interesse.

Auch in diesem Bereich erwies er sich als ein Wegbereiter der Humanismus. "Mit Melanchthons Erziehungslehre begann das Ende der Prügelpädagogik", resümiert Scheible anerkennend. "Viele seiner Anschauungen wirken geradezu modern. So warnt Melanchthon vor einer Überforderung der Schüler aus falschem Ehrgeiz. Stattdessen empfiehlt er das ruhige und intensive Lesen. Nur wer einen Text gründlich verstehe, der könne auch sinnvolle Schlüsse aus ihm ziehen. Und das kommt uns heute doch wieder recht bekannt vor, oder?"

Johannes Schnurr

Rückfragen bitte an
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