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23. April 2004

Rektor der Universität Heidelberg fordert Abkehr von der Massenuniversität

Prof. Dr. Peter Hommelhoff: "Das verfehlte Kapazitätsrecht der 60er und 70er Jahre hat die deutschen Hochschulen zu profillosen Massenuniversitäten gemacht" – An Wissenschaftsminister Professor Frankenberg adressiert: "Steigen Sie aus dem System des Curricular-Normwerts aus!" – Besseres Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden ist das Ziel – Forderung auch: Studiengebühren zur Verbesserung der Lehre

Bei einer Podiumsdiskussion in Heidelberg forderte der Rektor der Universität, Prof. Dr. Peter Hommelhoff, vehement die "Abkehr von der Massenuniversität". Das verfehlte Kapazitätsrecht der 60er und 70er Jahre habe die deutschen Hochschulen zu profillosen Massenuniversitäten gemacht. An Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg adressiert sagte Hommelhoff: "Steigen Sie aus dem System des Curricular-Normwerts aus!" Mit diesem System wird das schlechte Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden in Deutschland zementiert. Zugleich forderte Hommelhoff allgemeine Studiengebühren zur Verbesserung der Lehre und mehr Geld vom Staat. Studiengebühren dürften nicht zur Entlastung des Staatshaushaltes dienen. "Wir sollten den Staat nicht aus der Verantwortung entlassen."

Lehre muss sich (wieder) lohnen

Den Ausgangspunkt für die Podiumsdiskussion "Lehre muss sich (wieder) lohnen" in der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg bildete ein Text des Tübinger Historikers und Leibniz-Preisträgers Prof. Dr. Dieter Langewiesche in der Wochenzeitung "Die Zeit". Langewiesche war es auch, der in Heidelberg seine Forderung, dass sich Lehre wieder (ohne in Klammer gesetzt zu sein) lohnen muss, auf dem Podium vertrat. Neben ihm saßen dort Minister Frankenberg, Rektor Hommelhoff, der Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg, Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag, Medizin-Studiendekan Prof. Dr. Franz Resch und Medizinstudent Carl Robert Blesius. Die Moderation lag in Händen von Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf aus der Orthopädischen Universitätsklinik. Bei dieser Konstellation war klar, dass dem neuen Lehrkonzept HEICUMED der Heidelberger Medizin in Wortbeiträgen und Diskussion großer Raum zukam.

Langewiesche: Hochschulen müssen Möglichkeit haben, Lehre zu verkaufen

Für Professor Langewiesche steht außer Frage, dass "wir zurzeit die stärkste Veränderung der deutschen Universitäten seit 200 Jahren erleben". Eine Totalveränderung des universitären Systems sei geplant, die die korporative Struktur aufhebe und hierarchische Entscheidungsstrukturen einführe. "Der Wissenschaftsmanager wird Leitbild." Wenn neue Wissenschaftsbereiche hinzukommen, geschehe dies – im Gegensatz zu früher – nur bei Wegfall von Bestehendem. Herausragende Forschungsleistung werde finanziell honoriert, vorrangig durch Drittmittel, Lehre dagegen nicht. Es komme zu einem schwerwiegenden Wettbewerbsnachteil gegenüber den Vorbildern USA und Großbritannien. "Wir müssen in Deutschland den staatlichen Hochschulen die Möglichkeit geben, ihre Lehre zu verkaufen."

Hommelhoff: "Im Zentrum steht das Geld!"

Rektor Hommelhoff stellte bei seinen Beiträgen heraus: "Im Zentrum steht das Geld!" Die University of California in Berkeley erhalte für 32 000 Studierende vom Staat 400 Millionen Dollar, dazu noch 170 Millionen Dollar Studiengebühren. Wenn man nur den Staatsbeitrag umrechne, seien das pro Student 12 500 Dollar. "Die Universität Heidelberg bekommt 160 Millionen außerhalb der Medizin. Umgerechnet auf die 25 000 Studierenden, sind das 6 400 Euro – genau die Hälfte." Hier muss die Politik nach Meinung des Rektors ansetzen.

Frankenberg: Studiengebühren kein Ersatz für Steuerausfälle

In einer Replik auf Studiendekan Resch hob Minister Frankenberg hervor, wie er sich eine künftige gesetzliche Regelung vorstellt: "Studiengebühren sollen den Hochschulen zugute kommen und nicht ein Ersatz für Steuerausfälle sein. Das muss vertraglich geregelt werden." Prof. Sauerborn, Abteilung Tropenhygiene und Öffentliches Gesundheitswesen, thematisierte Schwierigkeiten bei der Postgraduiertenausbildung und -lehre in seinem Fach. Dazu Minister Frankenberg: "Nach deutschem Recht dürfen Studiengebühren nur Kosten deckend erhoben werden, es darf also kein Gewinn erwirtschaftet werden wie bei den angelsächsischen Hochschulen." Durch die Einführung von Studiengebühren werden nach Meinung des Ministers auch private Spenden steigen.

Studierende nicht mehr generell gegen Studiengebühren

Studentische Beiträge während der Podiumsdiskussion machten deutlich, dass auch die Studierenden heute nicht mehr generell einer Einführung von Studiengebühren ablehnend gegenüber stehen wie früher, sofern sie zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden. Lediglich Transparenz bei den Mittelflüssen wurde verlangt.

Nach Ansicht von Alt-Rektor Professor Sellin ist die Lehre auch jetzt gut und sollte nicht schlechtgeredet werden. Leistung in Forschung und Lehre könne jedoch nicht adäquat gemessen werden. Drittmitteleinwerbung sei nicht unbedingt Kriterium für gute Forschung.

Hommelhoff: Unsere Lehrerfolge sind epochal

Rektor Hommelhoff griff die Vorlage auf: "Ich bin mit Ihnen der Meinung, unsere Lehrerfolge sind epochal." Wenn Insider feststellen, dass deutsche Absolventen in Amerika gerne genommen werden und sich dort hervorragend schlagen, "dann sind sie hier doch hervorragend ausgebildet worden". Er habe in den USA viel Lob über den deutschen Forscher-Nachwuchs gehört.

Prof. Sauerborn regte an, die Postdoktorandenphase durch Stipendien zu fördern. Hommelhoff dazu: "Die Ansätze, die aus dem Wissenschaftsministerium gekommen sind im Rahmen der neuen Promotionskollegs, sind nichts anderes, als ein freundliches Zeichen der Ermunterung, denn jede Universität wird nur ein Promotionskolleg finanziert bekommen." Die Universität Heidelberg wolle aber nicht nur ein solches Kolleg einrichten. "Wir bewerben uns im Rahmen der Spitzenuniversitäten, und wenn wir pro Jahr 50 Millionen Euro bekommen würden, dann wird bei den Promotionskollegs, die wir in diesem Zusammenhang einrichten wollen, das Element des Stipendiums dabei sein. Wir wollen Dinge auf den Weg bringen mit dem für uns neuen -noch nicht erreichten – Geld, die bisher nicht gemacht worden sind."

Petra Eggensperger aus dem Zentrum für Studienberatung und Weiterbildung (ZSW) der Universität Heidelberg berichtete von ihren Erfahrungen, dass die Qualifikation der Lehrenden in den Fachbereichen nicht anerkannt sei. Hommelhoff: "Zu Beginn des Wintersemesters wird es einen Beschluss des Senats geben, dass zu den unverzichtbaren Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Karriere an der Universität Heidelberg eine Teilnahme an einem Kurs im ZSW gehört – und wenn das Land aussteigt, übernimmt die Kosten die Institution."

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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