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30. April 2004

Die Tür zum Weißen Haus ist wieder offen

Der deutsche Botschafter in den USA, Wolfgang Ischinger, kam auf Einladung des Heidelberg Center for American Studies (HCA) an den Neckar

Kaum jemand ist so erleichtert, dass die Verstimmungen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen vorüber sind, wie Wolfgang Ischinger. Der Job des deutschen Botschafters in den USA ist seit einigen Monaten wieder bedeutend einfacher geworden. "Etwa seit Weihnachten zählt Deutschland wieder zu den Partnern, auf deren Rat man in Washington bereit ist zu hören und mit denen man versucht, sich abzustimmen", berichtet Ischinger im Gespräch mit der RNZ. Wenn er heute einen Termin im Weißen Haus haben wolle, bekomme er diesen auch, so der Botschafter, der auf Einladung des Heidelberg Center for American Studies (HCA) an den Neckar kam.

Die häufig als "Eiszeit" titulierten Differenzen beider Staaten über den Irak-Krieg sind nach den Erfahrungen des Diplomaten auch in sensiblen Bereichen einer sehr intensiven Partnerschaft gewichen. Dies gelte etwa für den Kampf gegen den Terrorismus. "Der deutsche Innenminister war in den letzten anderthalb Jahren so oft in Washington, dass ich die Besuche gar nicht mehr alle aufzählen kann." Und auch umgekehrt habe es zahlreiche Reisen hochrangiger US-Vertreter nach Deutschland gegeben. Möglich geworden sei dies vor allem deshalb, weil man sich darauf verständigt habe, nicht die Schlachten von vorgestern fortzuführen. "Die Politiker überlassen es nun den Historikern, zu klären, wer 2002 in der Kriegsfrage Recht hatte", so Ischinger. Besserwisserei ist daher tabu. Selbst angesichts der momentanen Probleme im Irak müsse man auf deutscher Seite auf den erhobenen Zeigefinger verzichten. "Wichtig ist, wie wir mitwirken können, dass die Dinge besser werden."

Keine Probleme sieht Ischinger auch in den Wirtschaftsbeziehungen beider Staaten. Im Gegenteil: "Die Unkenrufe, dass sich die politischen Verstimmungen auch auf den Handel mit den USA auswirken würden, haben sich in keinster Weise bewahrheitet. Deutsche und Amerikaner haben in dieser Zeit sogar mehr im jeweils anderen Land investiert, als jemals zuvor." Die gegenseitige ökonomische Abhängigkeit schweißt zusammen. So kommt Ischinger zu dem Schluss: "Die Wirtschaft hat sich als ein Rückgrat der transatlantischen Beziehungen erwiesen."

Erheblicher Verbesserungsbedarf besteht nach den Erfahrungen des Diplomaten dagegen bei der Außenpolitik der Europäischen Union. "Wenn die Europäer in Washington geschlossen auftreten, hört man ihnen auch zu", weiß Ischinger. So werde die EU etwa in Agrar- und Handelsfragen als kompetenter Gesprächspartner angesehen, weil hier nicht jedes Land sein eigenes Süppchen koche. Wenn die EU-Staaten dagegen mit drei verschiedenen Stimmen sprächen, sei die Versuchung für die USA groß, die Europäer gegeneinander auszuspielen. "Wir spielen den Ball damit ja in den eigenen Strafraum." Da könne man es den USA kaum vorwerfen, wenn sie diese Vorlage ausnutzten. Große Hoffnungen setzt Ischinger in den Verfassungsentwurf der EU. "Mit der Ernennung eines europäischen Außenministers bietet sich für die EU eine große Chance, sich als außenpolitischer Akteur zu profilieren."

Nur zögernd antwortet der in Nürtingen geborene Botschafter zunächst auf die Frage nach kulturellen Unterschieden zwischen Europäern und Amerikanern. Dann fällt ihm jedoch eine wesentliche Differenz ein: "In Amerika hat die Religion einen ganz anderen gesellschaftlichen Stellenwert als in Europa." Während die meisten europäischen Gesellschaften zunehmend säkularer würden, sei die intensive Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft in den USA ein Bestandteil des täglichen Lebens. "Man lebt seinen Glauben dort einfach sichtbarer". Nur wenig zu dieser Erkenntnis passt der zweite Unterschied, der Ischinger einfällt: Die Einstellung zur Todesstrafe. Jedoch weist er einschränkend darauf hin, dass es auch in den USA eine starke Minderheit gebe, die gegen die Todesstrafe sei.

Amerikaner wissen wenig von Europa

Als Klischee bezeichnet der Diplomat dagegen das Bild der USA als Cowboy, der am liebsten allein handelt. "Die Mehrheit der Amerikaner ist sehr dafür, dass ihr Land im Einklang mit den Vereinten Nationen tätig ist." Nicht ganz entkräften kann Ischinger den Vorwurf der Ignoranz, der den Amerikanern häufig gemacht wird. "Der durchschnittliche Amerikaner weiß definitiv weniger über Europa, als umgekehrt", muss er zugeben. Schuld daran seien allerdings zum Teil die US-Medien, die kaum über das Geschehen außerhalb der USA berichteten. Wer nicht in einem der großen urbanen Zentren wohne, habe kaum die Möglichkeit, sich darüber zu informieren, was in der Welt vor sich gehe. "In den TV-Nachrichten kommt das allenfalls mal in einem 30-Sekunden-Segment vor." An den amerikanischen Universitäten gebe es aber ein großes Interesse an Europa, weiß der Botschafter. Wenn er dort einen Vortrag halte, sei der Hörsaal voll.

Ein "trauriges Kapitel" seien die Fremdsprachenkenntnisse der Amerikaner. Die Schüler müssten – wenn überhaupt – nur Spanisch lernen. Deutsch-Unterricht sei stark rückläufig. Zwar gebe es Bemühungen, Schüler und Studenten für das Deutsche zu interessieren. Doch macht sich Ischinger keine Illusionen: "Das ist eine Schlacht, die wir nicht gewinnen können."

Christian Altmeier

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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