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27. April 2004

Ein Nobelpreisträger mit Hang zu Schmetterlingen

Redaktion der Kinder-Uni im Netz auf Recherchetour im Carl Bosch Museum – Einblicke in ein spannendes Leben und in die Industriegeschichte der Region

"Von dem will ich aber nicht überfahren werden", bemerkte Lukas, als er von den 2760 Kilogramm Gesamtgewicht der großen Maybach-Limousine aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erfährt. Dass dieser Maybach im Heidelberger Carl Bosch Museum zu bestaunen ist, verwundert nicht weiter, schließlich ist das Museum im ehemaligen Garagenhaus der Villa Bosch untergebracht.

Dieses von Gerda Tschira gegründete Museum am Schoss-Wolfsbrunnenweg war diesmal das Ziel einer Reportage der Redaktion der Kinder-Uni im Netz. Unter der fachkundigen Führung von Ruth Fromm gab es dabei jede Menge aus den Anfängen der großindustriellen Chemie-Produktion und dem Leben des späteren Nobelpreisträgers Carl Bosch zu erfahren.

Doch zunächst musste einmal geklärt werden, dass Carl Bosch nichts mit den gleichnamigen Zündkerzen zu tun hat. Allerdings lagen die Kinder-Redakteure Lukas, Malick und Nicolas mit dieser Vermutung auch wieder nicht ganz daneben, denn immerhin war Robert Bosch ein Onkel von Carl Bosch.

Der Vater von Carl Bosch war jedoch ein Kaufmann und betrieb in Köln ein Geschäft für Gas- und Wasserinstallationen sowie für Dampfanlagen. So hatte der 1874 geborene Carl Bosch Anknüpfungspunkte für seine späteren großindustriellen Anlagen fast schon in die Wiege gelegt bekommen.

Bedauern rief bei den Kinder-Redakteuren hervor, dass es die Wellenbadschaukel, ein Zwischending von überdimensionaler Wiege und Badewanne, heute nicht mehr gibt. Zu Carl Boschs Zeiten, so belegt eine Reklametafel, im Museum auch im Laden der Familie Bosch käuflich zu erwerben.

Schon im Alter von 24 Jahren schrieb Carl Bosch seine Doktorarbeit an der Universität Leipzig und trat 1899 in die BASF ein. Dort arbeitete er ab 1900 an der Entwicklung eines wirtschaftlichen Verfahrens zur Herstellung großer Mengen Ammoniak. Nachdem Fritz Haber dieses Verfahren im Labor entwickelt hatte, konnte Carl Bosch es auf große Industrieanlagen übertragen. Nach diesen beiden Erfindern wird es noch heute als Haber-Bosch Verfahren bezeichnet.

"Ammoniak ist für die Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoffen wichtig" erklärte Ruth Fromm den staunenden Kinder-Redakteuren. Und da die Bevölkerungszahl immer mehr zunahm, mussten auch mehr Nahrungsmittel erzeugt werden. Dies wiederum konnte nur durch eine intensive Düngung des Bodens gelingen. Deshalb wurden große Mengen Ammoniak benötigt. Die BASF baute ab 1916 eigens dafür ein Werk in Leuna. Dort wurde aber nicht nur Ammoniak hergestellt, sondern hier hatte Friedrich Bergius auch ein Verfahren zur Verflüssigung von Kohle entwickelt. Damit konnte Benzin aus der einheimischen Kohle hergestellt werden und es musste weniger Erdöl eingeführt werden.

Die Entwicklung der großindustriellen Herstellung von Ammoniak förderte auch den Aufstieg von Carl Bosch innerhalb der BASF vom Prokuristen zum Vorstandsvorsitzenden. An dem Zusammenschluss von BASF, Höchst, Bayer und weiteren kleineren Chemieunternehmen zur 1925 gegründeten I.G. Farbenindustrie war der Chemiker ebenfalls maßgeblich beteiligt und ab 1936 war er sogar Vorsitzender des Aufsichtsrates. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann allerdings auch für den eher liberal eingestellten Carl Bosch eine schwere Zeit. "Hitler machte ihn krank", beschrieb Ruth Fromm diese Phase seines Lebens, in der er unter Depressionen litt. Eine halbe Millionen Schmetterlinge hat Carl Bosch gesammelt", wusste Ruth Fromm aber auch von einer fröhlichen Seite des Nobelpreisträgers zu berichten. Aber nicht nur Schmetterlinge wurden gesammelt, auch Käfer, Muscheln und Mineralien. Damit aber nicht genug, die Astronomie war ein weiteres Steckenpferd des vielfältigen Carl Bosch. Leider, so fanden die Kinder-Redakteure, ist davon nur wenig im Carl Bosch Museum zu sehen, da sich diese Sammlungen heute im Seckenberg Museum in Frankfurt befinden.

Dafür gibt es aber kleine Filme, beispielsweise mit alten astronomischen Aufnahmen und einen wunderbaren Beitrag über eine nachgestellte Exkursion Carl Boschs in die Rheinauen. Dass der Heidelberger in diesem Film auch noch die in einem Sack mitgebrachten Zweige, Muscheln und Insekten auf den Boden vor seinem Schreibtisch ausleerte, faszinierte die Kinder-Redakteure sichtlich. Allerdings war wohl gerade Boschs Ehefrau nicht zu Hause und das Personal wird den Dreck schon beseitigt haben.

Natürlich wird auch der größte Erfolg Carl Boschs, der Nobelpreis, in diesem Museum ausgiebig gewürdigt. Hierzu ist ebenfalls ein kleiner Film mit Orginalaufnahmen zu sehen. Hinzu kommen eine Ausstellung über die Labormaterialien um die Jahrhundertwende sowie ein Blick in die "Werkstatt" Carl Boschs mit Drehbank, Werkzeugen und Hochdruckleitungen. Ein lohnender Museumsbesuch, mit sehr unterschiedlichen Themen, so dass für jeden etwas dabei war, so das Fazit der Kinder-Redakteure.

Stefan Zeeh

INFO: Das Carl-Bosch Museum liegt im Schloss-Wolfsbrunnenweg 46, Telefon 06221 603616. Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr, donnerstags geschlossen. Im Internet www.museum.villa-bosch.de. Die Kinder-Uni im Netz hat die Adresse www.kinder-hd-uni.de.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
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