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22. April 2004

Die Kooperation zwischen der Universität Heidelberg und der Gono University in Dhaka

Hilfe zur Selbsthilfe – Heidelberg unterstützt Medizinphysik-Ausbildung in Bangladesch

Heidelberg unterstützt Medizinphysik-Ausbildung in Bangladesch

v.l.n.r: Dr. Abul Qasem Chowdhury (Rektor der Gono University), Dr. Zafrullah Chowdhury (Gründer der Gono University und Träger des Alternativen Nobelpreises), Herr Kazi Rahman (Gründungsmitglied der Gono University) und Dr. Zillur Rahan Siddiqui (Ex-Rektor der Gono University)

Manche Länder machen in den Nachrichtensendungen besonders häufig mit Katastrophenmeldungen von sich reden. Hierzu gehört auch Bangladesch, das nicht nur immer wieder von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht wird, sondern auch unter den vielen anderen Problemen eines Entwicklungslandes zu leiden hat. Als Beispiel sei nur der Gesundheitssektor angeführt – und hier die jährlich neu hinzu kommenden 200.000 Krebskranken. Indes stehen den rund 140 Millionen Einwohnern lediglich 22 Geräte in elf Instituten zur Strahlenbehandlung zur Verfügung – eine erschreckend geringe Zahl. Dabei sind die Geräte teilweise veraltet und das Personal oft schlecht ausgebildet. Zudem mangelt es massiv an Früherkennungsuntersuchungen, weshalb die meisten Tumore erst spät entdeckt werden – wenn sie bereits so groß gewuchert sind, dass man sie von außen und mit bloßem Auge erkennen kann. Natürlich könnte man auch in Bangladesch die Tumore mit entsprechenden strahlentherapeutischen Mitteln behandeln. Doch bräuchte man für ein flächendeckendes Angebot mindestens 130 Therapiezentren und rund 200 gut ausgebildete Medizinphysiker.

Ein Studentenaustausch, der im vergangenen Jahr anlief, könnte hier nun eine Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Möglich wurde dies durch eine vom DAAD unterstützte Kooperation zwischen der Universität Heidelberg und der Gono University in Dhaka. Beteiligt waren die Strahlenklinik der Universität Heidelberg, die Frauenklinik sowie die Abteilung Medizinische Physik und die Klinische Kooperationseinheit Strahlentherapeutische Onkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

Die Gono University bietet als einzige Universität des Landes eine Ausbildung zum Medizinphysiker an. Dort wurde der Studiengang vor zwei Jahren auf Bestreben der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik (DGMP) und der bengalischen Schwestergesellschaft Bangladesh Medical Physics Association (BMPA) etabliert. Nach zwei Semestern Grundstudium in Dhaka besteht für die Studenten die Möglichkeit, an dem Austausch teilzunehmen, um einen Teil der Ausbildung in Heidelberg zu absolvieren. Abgeschlossen wird das Studium indes im vierten Semester wiederum in Bangladesch. Grundlage für den als Aufbaustudium angelegten Masterstudiengang ‚Medical Physics ans Biomedical Engineering' ist natürlich ein bereits abgeschlossenes Studium in den Bereichen Physik, Medizin oder Ingenieurwissenschaften.

"Leider können die Studenten bislang nicht ihr komplettes drittes Semester in Heidelberg absolvieren", bedauert Dr. Golam Abu Zakaria, der die Kooperation initiierte und auch als Gastprofessor betreut. "Denn solange in Heidelberg noch kein entsprechender Masterstudiengang angeboten wird – und das ist leider noch nicht der Fall – können wir den Studenten als Ausgleich nur zweimonatige Intensivkurse und Praktika in Heidelberg anbieten. Außerdem werden die in Bangladesch angefertigten Abschlussarbeiten zum Teil in Deutschland korrigiert." Zudem reiste bereits vor einem Jahr ein fünfköpfiges Team von Medizinphysikern des Heidelberger DKFZ – darunter Professor Günther Hartmann aus der Abteilung für Medizinische Physik – nach Bangladesch, um in einer zweiwöchigen Blockveranstaltung eine theoretische Einführung in die medizinische Strahlenphysik zu geben.

"Solche Anlaufschwierigkeiten sind bei einem derartigen Projekt schlicht unvermeidlich. Das wird sich jedoch alles noch besser einspielen, sobald in Heidelberg ein entsprechender Masterstudiengang angeboten wird", ist sich Dr. Zakaria sicher. Im Herbst, so hofft der ‚Mediator' der Kooperation, wird es soweit sein. "Doch schon jetzt ist der Austausch ein großer Gewinn für meine Heimat – das darf man keineswegs vergessen!" Dr. Zakaria weiß, wovon er spricht. Denn der in Bangladesch geborene Wissenschaftler hat nicht nur lange Jahre in Heidelberg gelebt, sondern auch in der Neckarstadt studiert und promoviert. Deshalb kennt er die Strukturen in beiden Ländern, und ist für die Rolle als Bindeglied zwischen Asien und Europa regelrecht prädestiniert – auch wenn er heute nicht mehr in Heidelberg tätig ist, sondern die Abteilung für Medizinische Strahlenphysik im Kreiskrankenhaus Gummersbach leitet. "Heidelberg bietet die denkbar besten Voraussetzungen für solch eine Zusammenarbeit. Und das nicht nur wegen der wissenschaftlichen Einrichtungen. Die Stadt kennt man eben weltweit, und bereits jetzt wird sie mit Oxford oder Cambridge verglichen."

Um jedoch Heidelberg – und damit auch Deutschland – besser verstehen zu können, ist ein zweisemestriger Deutschkurs am Goethe – Institut in Dhaka unabdingbare Voraussetzung für alle Teilnehmer – auch wenn Kurse und Seminare des Studiengangs durchweg in Englisch gehalten werden. "Ich sehe die Zusammenarbeit auch langfristig. Und das ist es einfach wichtig, die deutsche Sprache zu beherrschen. Darauf habe ich von Anfang an besonders Wert gelegt – auch wenn die Studenten dafür richtig hart arbeiten müssen. Dieser Beitrag zur Völkerverständigung ist mir einfach wichtig." Zumal man – nicht nur in Heidelberg – bereits jetzt über einen künftigen Ausbau der Zusammenarbeit nachdenkt. "Wir wollen uns nichts vormachen – mit den ersten acht Teilnehmern müssen auch wir zunächst Erfahrungen sammeln. Ich denke jedoch, dass wir auf den bisherigen Erfolgen aufbauen können – die Resonanz ist gut. Und wenn die Kooperation erst einmal glatt abläuft, könnte man sie ja auf andere Universitäten ausdehnen, um so an die begabtesten bengalischen Studenten zu kommen." Von deren Wissen könnte in nicht allzu ferner Zukunft auch die Gesundheitsversorgung in Bangladesch profitieren. Denn alle beteiligten Parteien hoffen darauf, dass sich die Absolventen später in ihrer Heimat selbst in der Ausbildung von Medizinphysikern engagieren. "Das wäre dann ein wichtiger Schritt zur Eigeninitiative", betont Dr. Zakaria abschließend. "Denn unsere Arbeit soll vor allem Hilfe zur Selbsthilfe sein."

Heiko P. Wacker

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
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