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17. März 2004

Wie Sportler die Kraft der Träume entdecken

Der dreifache Salto sollte besser erst mal im Bett geübt werden – Heidelberger Sportwissenschaftler Daniel Erlacher erforscht neue Trainingsformen

Daniel Erlacher

Anhand der Gehirnströme erkennt Daniel Erlacher, ob seine Probanden gerade Klarträume erleben. Foto : Schnurr

Leider leben wir nicht mehr in jenem goldenen Zeitalter, als das Wünschen noch half. Aber wer weiß, vielleicht hilft dafür – das Träumen? Möglicherweise geht ja von unseren nächtlichen Erlebnissen eine Kraft aus, die wir nutzen können? Eine Kraft, der wir uns gar nicht bewusst sind? Was sich zunächst ein wenig nach Esoterik anhört, hat tatsächlich aber einen harten wissenschaftlichen Kern. Und den erforscht zur Zeit der Heidelberger Sportwissenschaftler Daniel Erlacher in seiner Doktorarbeit. Erlacher untersucht das Phänomen des so genannten "luziden Träumens", auf Deutsch "des Klartraums". Im Nebenfach studierte Erlacher Psychologie und stieß dabei auf ein Buch, das sich mit solchen Träumen beschäftigt. Vielen Menschen, tatsächlich ist es rund ein Viertel der Bevölkerung, wird während des Traums deutlich bewusst, dass sie träumen. Sie erleben ihre Träume fast wie im Wachzustand. Sie können den Verlauf des Traums steuern, können Dinge ausprobieren, die ihnen im Alltag nicht möglich sind.

"Da hat es bei mir ‚klick' gemacht", erinnert sich Erlacher. "Ich wusste intuitiv, dass sich hier eine völlig neue Möglichkeit auftun könnte, das Training von Sportlern zu unterstützen!" Doch von dieser ersten Idee bis zur praktischen Umsetzung ist es ein weiter Weg. Nun hieß es für ihn erst einmal Grundlagenforschung betreiben. Ermunternde Nachrichten kamen aber aus Frankfurt am Main: Der Schlafforscher und Sportpsychologe Professor Paul Tholey berichtete, dass er sich selbst einige Sportarten während des Schlafes beigebracht hatte. Noch in hohem Alter erlernte er während des Träumens das Snowboardfahren. Ohne Knochenbrüche und Prellungen schien er sich tatsächlich die wichtigsten Bewegungsmuster quasi über Nacht antrainiert zu haben. Außerdem stellte es sich heraus, dass die Fähigkeit des Klartraums erlernbar ist. "Wenn man einige Zeit übt, so sind die meisten in der Lage dazu. Geübte Klarträumer habe fast jede Nacht einen Klartraum", so Erlacher. Er verbrachte ein Jahr in den Vereinigten Staaten und arbeitete vier Monate im Schlaflabor von Stephen LaBerge an der Stanford University mit.

Zurück in Deutschland tat sich Erlacher mit dem Psychologen Michael Schredl zusammen. Schredl leitet ein Schlaflabor in Mannheim und beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Erforschung von Träumen. Ausgestattet mit einem Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes, konnte Erlacher Anfang 2003 eine eigene Versuchsreihe auf die Beine stellen. Zunächst wollte er wissen: Sind meine Probanden während ihrer Traumphase tatsächlich bewusst da oder bilden sie sich dies nur ein? Sechs Probanden schloss Erlacher an ein Messgerät für Hirnströme an und erhielt überraschende Ergebnisse! Die Probanden sollten, sobald sie einen Klartraum hätten, die Augen zweimal nach links und zweimal nach rechts rollen. Und tatsächlich: Das Gerät zeigte an, dass sie dazu in der Lage waren. Dann ging es an die ersten sportlichen Aufgaben: Nun sollten sie Kniebeugen machen. Bei den meisten klappte dies problemlos: Sogar Puls und Atemfrequenz stiegen deutlich an, obwohl die Versuchpersonen schlafend im Bett lagen. "Tatsächlich legen unsere Ergebnisse nahe, dass wir für Sportler ein Trainingskonzept erarbeiten können. Die Erholung scheint dies nicht zu stören, vielmehr können schwierige Bewegungsabläufe während der Nacht noch einmal verfestigt werden", erklärt Erlacher. Tatsächlich scheint es gerade bei gefährlichen Sportarten oder für verletzte Sportler ratsam, in Zukunft im Traum zu trainieren. Der dreifache Salto sollte also zunächst erst einmal im Bett geübt werden. "Von der Ausarbeitung einer festen Trainingsmethode sind wir noch ein gutes Stück entfernt", so Erlacher. "Aber alles deutet darauf hin, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Daniel Erlachers Dissertation wird von Professor Klaus Roth am Institut für Sport und Sportwissenschaft als Doktorvater betreut. "Diese Arbeit besiedelt ein ungewöhnliches Grenzgebiet zwischen Sportwissenschaft und Psychologie", so Roth. "Sie passt damit hervorragend zu unserem Forschungsschwerpunkt motorische Kontrolle und Lernprozesse." Welche Erkenntnisse am Ende dieses wissenschaftlichen Projekts stehen könnten, kann auch Roth noch nicht einschätzen, doch ist er optimistisch: "Das mentale Training ist heute im Profisport längst üblich. Zumindest einmal scheinen wir ein Instrument entdeckt zu haben, das die bisherigen Methoden ergänzt und deren Effektivität steigern kann. Vielleicht stoßen wir aber auch gerade die Tür zu völlig neuen Trainingsformen auf!"

Weitere Informationen zum Thema Klartraum und dem Forschungsprojekt von Daniel Erlacher finden sich im Internet unter www.klartraum.de

Dr. Johannes Schnurr

Rückfragen bitte an
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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