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23. März 2004

Wie Potenzpillen gegen Höhenkrankheit helfen

Sportmediziner der Universität Heidelberg haben ihr Labor auf 4500 Meter Höhe - "Tadalafil" bewährt sich als Akutmedizin beim Lungenödem

Im Altklinikum haben die beiden Forscher ein Hypoxie-Labor

Im Altklinikum haben die beiden Forscher ein Hypoxie-Labor. Durch Zumischen von Stickstoff können sie ähnliche Bedingungen herstellen wie auf der Margherita-Hütte. Links: Prof. Heimo Mairbäurl, rechts: Prof. Peter Bärtsch. Foto: Schnurr

Um den Gipfel erfolgreich zu erklimmen, sollte ein Bergsteiger vor allem zwei Dinge mitbringen: Eine gute Kondition und ausreichend Zeit. Zeit vor allem deshalb, weil der Körper sich an die veränderten Umweltbedingungen in der Höhe anpassen muss. Denn mit der dünner werdenden Luft steigen die Belastungen für den Organismus drastisch an. Der Sauerstoffgehalt sinkt um 10 Prozent pro 1000 Höhenmeter - und das steckt auch ein geübter Wanderer nicht einfach so weg. "Leider finden aber immer mehr Hobbybergsteiger Gefallen an Extremtouren. Und das kann richtig gefährlich werden", warnt Peter Bärtsch. "Nicht wenige buchen eine Besteigung des Kilimandscharo in drei Tagen oder muten sich beim Trekking im Himalaja einfach zu viel zu. Die Folgen können ein lebensbedrohlich sein." Zusammen mit Heimo Mairbäurl, ebenso wie Bärtsch Professor für Sport- und Leistungsmedizin an der Universität Heidelberg, untersucht er seit einigen Jahren das Phänomen der Höhenkrankheit. Dabei machten sie eine hochinteressante Entdeckung: Potenzpillen können als Akutmedizin bei dem gefürchteten Lungenödem hilfreich sein!

Wie Potenzpillen gegen Höhenkrankheit helfen

Das Lungenödem tritt in Folge der Höhenkrankheit auf, die sowohl durch die dünnere Luft, als auch durch übermäßige Anstrengung hervorgerufen wird. Bei den meisten Menschen äußert sie sich zunächst wie ein leichter Alkoholrausch. Es treten ein leichter Schwindel, Kopfweh und bald auch Müdigkeit auf. In schweren Fällen kommt es dann jedoch zu lebensbedrohlichen Auswirkungen: Depression, Halluzinationen, Schnappatmung und Bluthusten. Der Druck in der Lunge erhöht sich zunehmend, die Gefäßwände der Lungenbläschen werden langsam durchlässig. Blut und Gewebeflüssigkeit treten in die Lunge ein und der Patient erstickt. "In den Alpen haben wir diese Fälle selten, aber vor allem in Asien kommen auf diese Weise jedes Jahr zahlreiche Menschen beim Bergwandern in Höhen über 4000 m um", konstatiert Bärtsch. Gemeinsam mit ihren Doktoranden forschen Bärtsch und Mairbäurl auf der 4559 Meter hohen Margherita-Hütte im italienischen Monte-Rosa-Archiv. 40 freiwillige Probanden konnten die beiden Sportmediziner im letzten Jahr wieder gewinnen, um an ihrem Projekt mitzuarbeiten. Wenn diese zur Margherita-Hütte aufsteigen, werden einige höhenkrank. Sie werden dann direkt vor Ort behandelt. Vor allem Bergwanderer, die schon einmal ein Lungenödem hatten, sind "interessant" für die Heidelberger Forscher. Denn genau diese Risikogruppe neigt dazu, immer wieder eines zu bekommen. Am besten hilft die sofortige Gabe von Sauerstoff und Potenzpillen.

Wie Potenzpillen gegen Höhenkrankheit helfen

Die Sportwissenschaftler geben ihren Probanden das Mittel "Tadalafil". Es wirkt ähnlich wie Viagra, nur um einige Stunden länger. "Es ist in der Lage, den lebensbedrohlichen Druck in der Lunge rasch zu senken. Es hat sich als eine wichtige akutmedizinische Maßnahme bewährt", so Bärtsch. Zusammen mit Ärzten aus der Schweiz, Österreich, Italien und Belgien sind die Heidelberger jeden Sommer für einen Monat hoch droben in den Bergen. Doch nur von Mitte Juni bis Mitte September ist die Margherita-Hütte geöffnet, so extrem sind die Wetterbedingungen. Mit dem Hubschrauber fliegen sie ihre gesamte Ausrüstung auf ihre Hütte: Ein Röntgengerät, ein Gerät zur Blutgasanalyse, Computer - ein komplettes Labor. "Doch das ist kein Urlaub in den Bergen", lacht Mairbäurl, der selbst passionierter Bergsteiger ist. "Wir arbeiten von morgens um 6 bis abends um 9 Uhr. Wir müssen jeden Tag so effektiv nutzen wie möglich, denn die Zeit Forschungsergebnisse zu sammeln, ist nun einmal eng begrenzt."

Doch die Ergebnisse mit dem Potenzmittel "Tadalafil" waren so gut, dass er und Bärtsch weiter forschen. Noch suchen sie Geldgeber für ein neues wissenschaftliches Projekt, denn für die Pharmaindustrie ist der Markt nicht lukrativ genug. Und so steigt sie auch als Sponsor nicht ein. "Aber wir haben noch einen weiteren sehr viel versprechenden Wirkstoff im Auge. Den werden wir in den nächsten Jahren gründlich testen. Er wird wohl noch besser helfen als Tadalafil", so Bärtsch.

Dr. Johannes Schnurr

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Heimo Mairbäurl
Medizinische Universitätsklinik und Poliklinik
Innere Medizin VII Sportmedizin
Tel. 06221 568103
heimo.mairbaeurl@med.uni-heidelberg.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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