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22. März 2004

Auch für die Diakonie wird Europa "spürbare Realität"

Symposium an der Universität Heidelberg beschäftigte sich mit der Osterweiterung und den Folgen

Das Gesundheits- und Sozialwesen in der Bundesrepublik steht in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen. Dass dazu außer der fortschreitenden Auseinanderentwicklung von Einnahmen und Ausgaben im Gesundheitswesen auch die Osterweiterung der Europäischen Union gehört, war Tenor des dreitägigen Symposiums "Europa diakonisch gestalten".

An dem vom Diakonischen Werk Württemberg und dem Diakoniewissenschaftlichen Institut der Heidelberger Universität ausgerichteten Treffen nahmen Experten aus ganz Deutschland und vielen europäischen Staaten teil.

Mit den Auswirkungen der politischen Reformen auf die diakonische Arbeit hätte das Diakonische Werk bereits genügend Aufgaben zu stemmen. Ein hohes Defizit der Pflegeversicherung und die Streichung öffentlicher Mittel für diakonische Aufgaben sind nur einige der gravierenden Veränderungen. Dennoch sei eine Auseinandersetzung mit dem Thema Europa keine Flucht vor diesen Aufgaben, betonte Heike Baehrens, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des württembergischen Diakonischen Werkes: "Wir beschäftigen uns mit dem Thema, weil Europa für uns eine spürbare Realität ist."

Die gemeinsame Währung etwa erleichtere internationale Preisvergleiche auf den Pflege-, Gesundheits- und Sozialmärkten. Und auch Arbeitssuchende im Sozialbereich seien nicht mehr auf ihren heimischen Arbeitsmarkt beschränkt, betonte Baehrens. Wegen der intensiven Arbeit vor Ort kennen diakonische Einrichtungen soziale Problemlagen so genau, dass sie sich auch im öffentlichen Diskurs stärker einbringen sollten. "Die Erfahrungen der freigemeinnützigen Organisationen müssen zukünftig wieder stärker in das von wirtschaftspolitischen Erwägungen dominierte Europa einbezogen werden", sagte Baehrens.

Der bekannte Kölner Gesundheitsökonom Karl Lauterbach machte auf die Notwendigkeit von Reformen im Gesundheitswesen aufmerksam. Das deutsche Gesundheitssystem sei um ein Drittel teurer als im europäischen Durchschnitt – und das bei einem seit einigen Jahren unterdurchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen. Obwohl sich an diesen Daten eine derzeitige Überversorgung im Gesundheitswesen zeige, seien Lobbygruppen und die Ärzteschaft nicht für eine Stabilisierung der Kosten zu gewinnen. "Versorgungsengpässe haben wir nicht jetzt, sondern werden wir in einigen Jahren haben, wenn die Zahl der hauptsächlich Pflegebedürftigen über 65 Jahren deutlich ansteigt", erklärte Lauterbach.

Derzeit gehe es darum, bei konstanten Kosten die Qualität der Versorgung deutlich zu verbessern – vor allem durch mehr Wettbewerb. Nicht nur in der Krebsbehandlung verzeichneten viele europäische Länder bessere Ergebnisse.

Aus Furcht vor einer Verstärkung der Zwei-Klassen-Medizin plädierte der Kölner Experte für die Einführung einer Bürgerversicherung. "Die Leistungen sollen vom Bedarf und nicht der Zahlungsbereitschaft abhängen", sagte der Ökonom. Deshalb sollten auch Beamte und bislang privat Versicherte an den Kosten beteiligt werden.

Für eine pragmatische Diskussion um die Sterbehilfe trat der Leiter der Hospiz Stuttgart, Christoph Student, ein. "Wenn sich die Frage der Sterbehilfe stellt, sind zwei Menschen in einer ausweglosen Situation, in der moralische Vorhaltungen nichts mehr bringen", sagte der Stuttgarter Professor.

Eine öffentliche Tabuisierung des Themas führe zu einer Lähmung der Menschen, die in der Ausweglosigkeit zu töten bereit wären, und denen, die ebenfalls ausweglos den Wunsch hätten zu sterben. Dass noch nicht einmal alle bereitstehenden Möglichkeiten zur Schmerzbehandlung Schwerkranker ausgeschöpft würden, wertete Student als groteske Situation. Die Diakonie könne helfen, das Wissen der Ärzte zu diesem Thema zu vergrößern.

Im Verlauf des Symposiums ist deutlich geworden, dass alle europäischen Länder vor ähnlichen Aufgaben stehen. Die schwedische Diakonin Ninni Smedberg berichtete vom steuerfinanzierten Gesundheitssystem ihres Landes. Trotz weitreichender Lobeshymnen auf dieses System fehle es auch in Schweden an einer klaren Vision, wie man einen erwarteten Ausgabenüberschuss im Gesundheitswesen ab 2020 bewältigen soll.

Eine positive Vision, wie das soziale Leben mit sehr viel mehr alten Menschen aussehen kann, vermisst Thomas Klie. Der Freiburger Professor ist hoffnungsfroh, dass Solidarität in Zukunft möglich ist, wenn sie nicht allein durch den Sozialstaat, sondern auch durch individuelle Hilfe und bürgerschaftliches Engagement entsteht.

Philipp Krohn

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Irene Thewalt
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