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2. März 2004

Wenn das Baby da ist, wird alles anders

Neues Kursprogramm des Universitätsklinikums Heidelberg / Eltern lernen, wie eine sichere Bindung zum Kind aufgebaut wird / Hebammen schulen vor und nach der Geburt

Wie können Eltern eine stabile Beziehung und eine sichere Bindung zu ihrem neugeborenen Kind aufbauen? Für junge Mütter und Väter ist diese eine Herausforderung, bei denen professionelle Kurse Unterstützung bieten und bleibende psychische und Beziehungs-Störungen verhindern können. Etwa ein Drittel aller Paare und Familien geraten nach der Geburt eines Kindes in eine Krise, Trennungen sind häufiger, und die Beziehung zum Kind sowie dessen Entwicklung können nachhaltig gestört werden.

Die Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie am Universitätsklinikum Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Manfred Cierpka) hat deshalb ein Kursprogramm für werdende Eltern entwickelt, das sie auf die erste Zeit mit dem Kind vorbereitet und nach der Geburt begleitet. In einem "Training" werden Hebammen geschult, die Eltern in fünf Kurseinheiten in ihre neue Lebensaufgabe einweisen. Das Kursprogramm mit dem Namen "Wie wird das wohl alles zu dritt werden" wurde gestern erstmals bei einer Pressekonferenz in Heidelberg vorgestellt. Es wird wissenschaftlich von den Heidelberger Ärzten und Psychologen begleitet und von der Karl-Kübel-Stiftung, Bensheim, unterstützt. Vorgesehen ist eine bundesweite Ausweitung.

Probleme mit dem Baby gefährden kindliche Entwicklung und Partnerschaft

"Wir bieten ein Programm an, das Störungen bei Kindern und Eltern, die in der ersten gemeinsamen Lebensphase entstehen, verhindern soll", erklärte Professor Cierpka. Etwa 15 Prozent aller Neugeborenen seien sogenannte "Schrei-Babies". Auch Schlaf- oder Ess-Störungen drohten den Aufbau einer stabilen Beziehung zum Kind zu beeinträchtigen; Ehe oder Partnerschaft sind unter diesem Stress besonders gefährdet. "Je früher wir Konflikte vermeiden helfen, desto größer ist die Chance, dass Kinder und Eltern ihr Zusammenleben erlernen und Krisen meistern", sagte Professor Cierpka.

Als Kursleiterinnen besonders geeignet sind Hebammen, die sich ohnehin um die werdenden Eltern und das Neugeborene vor, während und nach der Geburt kümmern. In Heidelberg wurden bislang ca. 30 Hebammen aus dem nördlichen Baden-Württemberg und Hessen ausgebildet. Nach ersten Erfahrungen sei das neue Angebot von den Müttern gut, von den Vätern jedoch eher zögerlich angenommen worden. Die Kursteilnehmer seien begeistert gewesen, dass sie Erlerntes unmittelbar bei dem eigenen Kind umsetzen konnten, berichteten Hebammen aus Baden-Baden und Heppenheim bei der Pressekonferenz. Die Kosten des Kurses, die für beide Elternteile je nach Hebamme bei 80 bis 150 Euro pro Kurs liegen, müssen von den Eltern in der Pilotphase selbst getragen werden. Nach Lösungen zur finanziellen Unterstützung sozial benachteiligter Familien wird derzeit gesucht.

Signalsprache des Kindes wird anhand von Videoaufnahmen erlernt

"Anhand von Videoaufnahmen wird demonstriert, was das Baby seinem Gegenüber durch subtile Veränderungen seines Gesichtsausdrucks oder durch Bewegungen mitteilen will," berichtete Dr. Angelika Gregor, die als Psychologin die Heidelberger Hebammenschulung durchführt. Viele Eltern würden zwar instinktiv richtig reagieren, doch durch große Anspannung und die übersteigerte Erwartungshaltung der Eltern sei mitunter die Wahrnehmungsfähigkeit für die eigentlichen Bedürfnisse des Kindes gestört. Wird ein Bedürfnis nicht befriedigt, reagiert das Kind wiederum negativ, die weitere Ablehnung der Bezugsperson durch das Kind kann zur negativen Bezugsspirale führen.

Im Mittelpunkt des Kursprogramms stehen deshalb die Beziehungswünsche des Babies und seine Signalsprache. Warum weint unser Baby? Wie können Partner bei der Fürsorge für das Kind zusammenarbeiten? Wie kann ich Sorge für mich selbst tragen?, sind wichtige Kursbausteine.

"Seit 2002 haben wird in einer Konzeptphase das Programm entwickelt. Jetzt konnten wir erste Trainingskurse für Hebammen durchführen", sagt Professor Cierpka. "Durch die Rückmeldungen der Hebammen aus der Region kann unser Programm in einzelnen Punkten noch einmal verändert werden. Unser Ziel ist ab Sommer 2004 ein bundesweites Angebot an alle Eltern." Die Karl-Kübel-Stiftung für Kind und Familie möchte, wie ihr Vertreter Dr. Georg Ludwig in Heidelberg sagte, die Initiative zur Einführung des erfolgsversprechenden Programms langfristig unterstützen.

Welche Dimensionen ein regional gestartetes Programm annehmen kann, weiß Professor Cierpka aus seinen Erfahrungen mit dem Anti-Aggressions-Programm für Kinder "Faustlos" (www.faustlos.de). Mittlerweile wird dieses Programm, bei dem Erzieherinnen und Lehrer geschult werden, in mehr als 600 Kindergärten und 1.000 Grundschulen in ganz Deutschland umgesetzt.

Anfragen zum Kursprogramm für Hebammen und werdende Eltern an Dr. Angelika Gregor, Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie, Tel.: 06221 / 56 47 16 E-Mail: Angelika_Gregor@med.uni-heidelberg.de

Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Voßstraße 2, Gebäude 4040
69115 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
Handy: 0170 / 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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