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22. März 2004

Heidelberger Ballschule macht jetzt bundesweit Schule

MLP, Wild-Gruppe und H+G-Bank unterstützen die Arbeit des Sportinstituts der Universität Heidelberg

Bayern-Manager Uli Hoeneß sah das drohende Unheil bereits Mitte der 90er Jahre heraufziehen: "Wir bekommen die jungen Leute, die die Gesellschaft erzeugt – und das sind solche, die nicht wie wir als Buben jeden Tag auf der Schulwiese gespielt haben, bis der Hausmeister uns wegschickte."

Nach der Wirtschaft droht Deutschland, nun auch im Sport ins Mittelmaß abzustürzen. Schlechte Jugendarbeit und mangelnde Förderung von Talenten ist nach einhelliger Meinung von Experten ein Hauptgrund für die Misere.

Die Ballschule Heidelberg will dieser Entwicklung durch gezielte Förderung von jungen Talenten entgegen wirken und hat sich in der Region bereits einen guten Namen gemacht. Nun wollen die Initiatoren der Ballschule ihr Projekt in ganz Deutschland bekannt machen.

Jährlich lernen 2.000 Kinder spielen

1998 wurde das Projekt gemeinsam vonProf. Dr. Klaus Roth und Dr. Daniel Memmert gegründet. Es wendet sich an Kinder im Grundschulalter und soll den Kindersport in Deutschland in den Bereichen Talententwicklung, Breiten- und Schulsport und Sporttherapie gezielt fördern. In allen drei Bereichen haben die beiden Gründer erheblichen Nachholbedarf erkannt.

"Bei uns lernen die Kinder erst spielen, bevor sie in Vereinen spezialisiert werden," erläutert Roth ein Grundprinzip der Ballschule. "Kinder sind keine Spezialisten, sondern Allrounder. Einseitige Ausbildungen können dazu führen, dass die Kinder frühzeitig die Lust an ihrem Sport verlieren und dann langfristig nicht den gewünschten Erfolg haben."

Um die Ballschule in der Region bekannt zu machen, war ein enormes Engagement nötig. "Straßenfeste, Elternabende, Grundschultage, Sommerfeste – wir waren eigentlich überall," blickt Memmert auf die harte Anfangsphase zurück. Die H+G-Bank unterstützte das Projekt von Beginn an, 2002 stieß MLP-Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger hinzu, seit diesem Jahr ist auch die Wild-Gruppe (Capri-Sonne) mit im Boot. Die Sponsoren sind von der Idee, den Kindern spielerisch ein breites Fundament an taktischen und balltechnischen Grundkompetenzen zu vermitteln, hellauf begeistert.

Manfred Lautenschläger, der sich in der Region kulturell, sportlich und sozial stark engagiert, las in der RNZ von dem Projekt und bot sofort seine Unterstützung an. Er war es auch, der Roth den Rat gab, die Ballschule zunächst einmal ausschließlich in der Region zu etablieren und hier bekannt zu machen. Ein Rat, für den Roth heute sehr dankbar ist.

Die Förderung junger Talente liegen Lautenschläger besonders am Herzen. Das Nachwuchssichtungs-System in Frankreich hat es dem MLP-Gründer angetan: "Beim AS St. Etienne spielen sieben Spieler aus der eigenen Jugend, viele Spieler wurden mit Gewinn weiterverkauft. Vor 15 Jahren haben wir die Franzosen im Fußball noch geputzt, heute spielen sie uns an die Wand."

Es ist in der Tat noch nicht allzu lange her, dass das Einmaleins der Ballspiele auf den Straßen, in den Parks oder auf den Bolzplätzen erlernt wurde; eine Entwicklung, die seit Jahren rückläufig ist. Und das nicht nur, weil die vielen Autos inzwischen das Kicken auf der Straße unmöglich gemacht haben.

Die Kinder und Jugendlichen in Deutschland verbringen inzwischen weit mehr Zeit vor dem Computer und Fernseher, als dies den Eltern lieb sein dürfte. Der Sport nimmt bei den Grundschulkindern heute gerade einmal 0,6 Prozent der Zeit ein.

Die Folgen dieser Entwicklung lassen sich am niederschmetternden Ergebnis einer kürzlich durchgeführte Studie der Universität Ulm ablesen, bei der 5.000 zwölfjährige Kinder untersucht wurden: 37 Prozent dieser Kinder sind übergewichtig, kaum vorstellbare vier Prozent leiden bereits an Altersdiabetes – einer Krankheit, die normalerweise erst nach lebenslanger falscher Ernährung entsteht.

Genau hier setzt die Ballschule den Hebel an: "Wir wollen auch diejenigen zum Sport bringen, die sonst gar keinen Bezug dazu haben," erklärt Roth. "Unsere Ballschule soll nicht nur Ersatz für die verloren gegangene Straßen-Spielkultur sein, sondern auch dem Bewegungsmangel der Kinder entgegenwirken."

Die Ballschule ist in der Anfangsphase als Talentprojekt konzipiert. Die Kinder sollen keinem direkten Leistungsvergleich untereinander ausgesetzt sein und sich so besser in die Gruppe integrieren. "Zu viel Wettkampfdruck im frühen Kindes- und Jugendalter ist letztlich nicht gut für die Kinder," warnt Roth vor den Folgen einer zu frühen psychischen Belastung der jungen Talente.

Sportpädagogen, geschulte Lehrkräfte und Trainer sorgen für eine professionelle und entwicklungsgerechte Anfängerausbildung. Gearbeitet wird nach einem Lehrplan, der auf neuesten sportwissenschaftlichen und psychologischen Erkenntnissen beruht. "Bei uns kann jedes Kind profitieren," betont Daniel Memmert: "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass wir auch bei hyperaktiven Kindern den Koordinationsbereich erheblich gestärkt haben."

Gemeinsam mit Capri-Sonne hat die Ballschule Heidelberg nun auch in Berlin, München und Essen weitere Ballschulen gegründet. Dr. Eugen Zeller von der Wild-Gruppe ist vom Erfolg dieser Projekte überzeugt: "Das ist ein Projekt mit viel Potenzial, das wir mit ganzem Herzen unterstützen. Wir wollen die Fettleibigkeit bei den Kindern, die schließlich auch unsere Zielgruppe sind, abbauen."

Die Kosten für die Ballschule werden entweder an die Sportvereine (etwa 10 Euro im Monat) oder an die Schulen entrichtet (80 Euro pro Schuljahr). Die Ballschule finanziert von den Einnahmen ihre Trainer und das Material. In finanziellen Härtefällen können die Beiträge auch reduziert werden. "Wir sind kein kommerziell ausgerichteter Verein," betont Klaus Roth. Etwaige Überschüsse kommen ausschließlich der Ausbildung der Kinder zugute.

In der Region lernen inzwischen mehr als 2000 Kinder nach dem Lehrplan der Ballschule, die mit zahlreichen Schulen und Sportvereinen kooperiert. Seit Gründung der Ballschule verdoppelt sich die Anzahl der Kinder jährlich. Die Heidelberger Ballschule hat sich in der Region fest etabliert und schickt sich nun an, auch bundesweit zum Erfolgsmodell zu werden.

Christoph Ziemer

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Irene Thewalt
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