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24. Februar 2004

Winziger Starschnitt, schonende Technik, flexible Linsen

Experten für Intraokularlinsen-Implantation und Refraktive Chirurgie tagen in Heidelberg / Neue Ansätze zur Verhinderung des "Nachstars" und in der Mikrochirurgie

Winziger Starschnitt, schonende Technik, flexible Linsen

Mit einem winzigen Deckel wird die eröffnete Augenlinse per Vakuum abgedichtet. Dadurch wird sichergestellt, dass zugeleitete Substanzen zur Auflösung des Linsengewebes nicht mehr austreten und das Auge schädigen können.
Abbildung: Universitäts-Augenklinik Heidelberg.

Sie ist die weltweit häufigste Operation. Allein in Deutschland werden jedes Jahr 600.000 Patienten am "Grauen Star" operiert: Ihre getrübte Augenlinse (Katarakt) wird entfernt und durch eine optimal angepasste Kunstlinse ersetzt. Trotz des großen Erfolgs und der hohen Sicherheit des Eingriffs beschäftigen sich Ärzte und Wissenschaftler mit einer weiteren Optimierung der Operationsverfahren und der verwendeten Kunstlinsen.

Am 27. und 28. Februar 2004 findet in Heidelberg der 18. Kongress der Deutschsprachigen Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation und Refraktive Chirurgie (DGII) statt. Tagungspräsident ist Prof. Dr. Duy-Thoai Pham, Chefarzt der Vivantes-Augenklinik in Berlin; die lokale Kongressorganisation liegt bei dem Sekretär der DGII, Privatdozent Dr. Gerd Auffarth, Leitender Oberarzt der Universitäts-Augenklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Hans-Eberhard Völcker). Mehrere hundert Augenärzte werden in Heidelberg erwartet. Die Experten diskutieren die neuesten Entwicklungen der Kataraktchirurgie und der Behandlung von Fehlsichtigkeit durch chirurgische oder Laser-Eingriffe an der Hornhaut.

"Ein Problem der Kataraktchirurgie ist nach wie vor die Entwicklung eines sogenannten Nachstars", erklärt Dr. Auffarth. Nicht immer gelinge es, das Linsengewebe vollständig zu entfernen, oft komme es zu neuen Trübungen. Davon sind je nach Kunstlinsenmaterial ca. 10 bis 30 Prozent der Patienten betroffen. Ist die Sicht behindert, muss das verbliebene Gewebe entfernt werden. Ob eine neue mikrochirurgische Operationstechnik oder eine Kunstlinse erfolgreich ist, wird maßgeblich an der Entwicklung eines Nachstars bemessen.

Neues System dichtet Linsenkapsel vor Auflösung der getrübten Linse ab

Die Heidelberger Augenärzte beschäftigen sich seit Jahren mit der Bewertung neuer Linsentypen und Operationsverfahren in der Kataraktchirurgie. Dabei setzen sie eine in Heidelberg entwickelte Software ein, die mittels standardisierter Photos an der Spaltlampe misst, ob sich ein Nachstar in dem operierten Auge gebildet hat und dichte Zonen im Linsenbereich erfasst. Mittlerweile konnte in Heidelberg ein umfassendes "Nachstar-Register" angelegt werden, dass die Risiken verschiedener Linsentypen dokumentiert.

Hoffnungen zur Vorbeugung des Nachstars wurden immer wieder in den Einsatz von Substanzen gesetzt, die das Linsengewebe vor seiner Absaugung möglichst vollständig auflösen. Allerdings besteht die Gefahr, wie man aus früheren Versuchen weiß, dass die Pharmaka in Kontakt mit anderen Strukturen des Auges kommen und diese angreifen. An der Heidelberger Augenklinik wird derzeit ein System erprobt, das die Linsenkapsel abdichtet und den Austritt der Substanzen verhindert.

Das "Capsule Sealing System" stammt aus Australien. Es besteht aus einem Ansaugdeckelchen aus Silikon, das nur sieben Millimeter Durchmesser hat. Das Deckelchen wird auf die Vorderkapsel der getrübten Linse aufgesetzt, die zuvor mit einem wenige Millimeter langen Schnitt eröffnet wurde, und mit Hilfe eines Vakuums fixiert. Damit ist die Linse abgedichtet, und die auflösenden Substanzen können eingespritzt werden. "Erste Erfahrungen mit nicht-toxischen Substanzen, wie sterilem Wasser, das zur Spülung der Linsenkapsel eingesetzt wird, zeigen vielversprechende Ergebnisse", erklärt Dr. Auffarth. Sollten die Untersuchungen positiv ausfallen, hält er eine Renaissance der Nachstar-Vorbeugung durch Pharmaka für möglich.

Mikrochirurgie am Auge: Linsen werden mit Wasserstrahl zerstäubt

Ein weiteres Thema, das intensiv auf dem Kongress erörtert wird, sind Verbesserungen bei den Ultraschallgeräten. Mit ihrer Hilfe wird das Linsegewebe möglichst vollständig und schonend entfernt. Der "Starschnitt" misst bei den modernsten Systemen nur noch 1 - 1,5 Millimeter. Durch diese winzigen Inzisionen werden neue, ultradünne Linsen mit Hilfe spezieller Injektoren im Auge implantiert.

Neueste Technologien bei der Linsenentfernung verzichten sogar ganz auf Ultraschall und benutzen eine Wasserstrahl-Technologie, mit der die Linse im Auge zerstäubt und zerschnitten wird. Ein solches Gerät wird an der Universitäts-Augenklinik Heidelberg bereits seit letztem Jahr getestet. Davon erhoffen sich die Wissenschaftler eine weitere Schonung des Auges, da geringere Energiemengen verwendet werden und sich die Temperatur im Auge kaum erhöht.

Kontakt:
Privatdozent Dr. Gerd Auffarth
Leitender Oberarzt der Universitäts-Augenklinik Heidelberg
06221 / 56-6695 (Sekretariat)

Informationen zum Kongress unter: www.dgii.org

Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Voßstraße 2, Gebäude 4040
69115 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
Handy: 0170 / 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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