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6. Februar 2004

Wie fühlt sich ein Klon – Als Mensch oder Monster?

Professor Jens Reich sprach über Probleme der Bioethik in der Reihe "Heidelberger Forum Biowissenschaft und Gesellschaft" – Reihe wird organisiert von Universität Heidelberg, Deutschem Krebsforschungszentrum und Europäischem Laboratorium für Molekularbiologie

Professor Jens Reich gilt als einer der renommiertesten Fachmänner auf dem Gebiet der Bioethik in Deutschland. Er arbeitet am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch sowie an der Berliner Humboldt-Universität. Doch nicht nur als Wissenschaftler hat er sich hervorgetan, sondern auch als Bürgerrechtler. "Reich hat für sein Engagement eine große Anzahl von Auszeichnungen erhalten. Er ist überdies Mitglied des Ethikrates und versteht es wie kaum ein zweiter, die komplexen Sachverhalte der modernen Medizin klar und anschaulich zu vermitteln", so Professor Hans-Günther Sonntag, Dekan der Medizinischen Fakultät, in seiner Begrüßung. Und dieser gute Ruf eilte Reich voraus, die Besucher kamen in Scharen. Fast bis auf den letzten Platz war die Print Media Academy in der Kurfürstenanlage am Mittwochabend besetzt.

"Wann beginnt die Existenz eines Menschen? Über die Spannung zwischen dem philosophischen und dem biologischen Aspekt", so der Titel seines öffentlichen Vortrags, der im Rahmen des Heidelberger Forums Biowissenschaft und Gesellschaft präsentiert wurde. Das Forum wurde vor zwei Jahren auf eine Initiative von Wissenschaftlern des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – dem Zentrum für Molekulare Biologie (ZMBH) sowie der Medizinischen Fakultät Heidelberg – gegründet. Das Forum umfasst eine Reihe ausgewählter Vorträge von hochkarätigen Referenten. Finanziell unterstützt wird es von der Manfred Lautenschläger-Stiftung. Das Anliegen dieser Vorlesungen ist es, die Öffentlichkeit über Entwicklungen im Bereich der Biowissenschaften zu informieren.

"Wir Menschen züchten schon lange Tiere. Auch das Äußere unseres Körpers verändern wir seit einiger Zeit, etwa mit Brillen, Hörgeräten und anderen Hilfsmitteln. Doch der Eingriff ins Erbgut, wie er uns mittlerweile möglich ist, stellt eine radikal neue Dimension dar", so Reich. Die Medizin entwickle sich in einem atemberaubenden Tempo. Innerhalb weniger Jahre sind immer neue Eingriffe ins Genom möglich geworden – die aber immer zugleich schwierige ethische Fragen aufwerfen. "Diese ethischen Fragen im Grenzgebiet zwischen Biologie und Philosophie sind völlig neu für uns. Die traditionelle Philosophie, Plato, Aristoteles oder Kant wussten noch nichts von ihnen – denn sie hatten ja keine Vorstellung von dem, was heute machbar ist!", so Reich.

Mit Hilfe anschaulicher Fotografien erklärte Reich die Entstehung des menschlichen Lebens von der Zeugung bis hin zur Geburt. Gerade der Beginn menschlicher Existenz zeichnet sich in der bioethischen Debatte immer wieder als eine wichtige Schwelle aus. Die Frage nach dem Beginn der Persönlichkeitsrechte, dem Recht auf Unversehrtheit oder nach individueller Entfaltung hängen nicht zuletzt von ihrer Definition ab. "Doch wann ist dieser Zeitpunkt erreicht? Bei der Zeugung, bei der Einnistung des Embryos in die Gebärmutter oder erst bei der Geburt? Es gibt hier keine klare Feststellung. Ob Fachmann oder Laie, jeder kann gute Argumente für oder gegen einen bestimmten Zeitpunkt vorbringen", so der Berliner Wissenschaftler.

Auch auf die Frage nach der Verwendung embryonaler Stammzellen, den Alleskönnern unter den Zellen, die ganze Organe neu wachsen lassen können sowie nach dem Klonen beschäftigten Reich. Wenn ein Mensch geklont würde, was wäre dieser dann, ohne Vater und Mutter, ohne Zeugung? "Mensch oder Monster – wie würde er sich fühlen? Als Teil der Menschheitsfamilie oder als ein Kunstprodukt aus der Retorte?" Reich kritisierte die Haltung vieler Deutscher, in moralischen Fragen prinzipiell zu reagieren. Nicht auf jedes bioethische Problem gebe es nämlich eine einfache und eindeutige Antwort. Zwar seien viele Bedenken und auch strenge gesetzliche Richtlinien berechtigt. Doch wenn etwa in den USA, dank anderer juristischer Rahmenbedingungen, die Forschung ein neues hochwirksames Medikament fände, so dürften auch deutsche Kranke ihr Recht einfordern, es zu erhalten. Für seinen Vortrag bekam Reich großen Applaus und es fand eine angeregte Diskussion mit den Besuchern statt.

Johannes Schnurr

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Dr. Michael Schwarz
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