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2. Februar 2004

Hanns-Josef Ortheil schreibt ein neues Buch

Einladung zu einem Vortrag an die Universität Heidelberg gab "Anstoß" zu einem "langen biographischen Essay" – Ortheil sprach im Hörsaal 14 der Neuen Universität über Robert Schumann als Teil seiner Biographie

Oft werden Vorträge dazu genutzt, die Stofffülle gerade erschienener Bücher in leicht verdaulicher Häppchenform dem Publikum vorzusetzen. Für den Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil, der 1998 die Heidelberger Poetik-Dozentur bestritten hatte, galt jetzt das Gegenteil. Eine Einladung des Germanistischen und des Musikwissenschaftlichen Seminars, in der Reihe "Ut musica poesis" zu sprechen, geriet nämlich – wie Ortheil freimütig bekannte – zum "Anstoß" für ein neues Buch, das er schreiben möchte. "Die Ländereien des Herrn Schumann – eine Reise im Kopf des Herrn Ortheil", so der Titel seines Referats, war somit als ein erstes Herantasten ans Thema zu betrachten, am Ende soll dann ein "langer biographischer Essay" winken.

Der Komponist Robert Schumann als schwergewichtiger Teil der Biographie Hanns-Josef Ortheils, darum ging es. Was in der Vita des Schriftstellers knapp mit "pianistischer Ausbildung" umschrieben wird, entpuppte sich nun als das künstlerische Schlüsselerlebnis des "Herrn Ortheil". In mehreren Stationen zeichnete er in seinem Heidelberger Vortrag nach, wie dem Kind zunächst die Musik zur eigentlichen Sprache wird und das Klavier zum Artikulationsinstrument. Schumann nimmt dabei die Rolle einer Leitfigur ein, eines Idols, zu dem er eine imaginierte persönliche Beziehung aufbaut – man "duzt" sich selbstverständlich. Das Klavierspiel des "jungen Mannes" reift heran, er nimmt an Meisterkursen teil und hat schließlich seinen großen Auftritt: Für einen erkrankten Pianisten darf er bei einem Konzert mit dem RSO Frankfurt unter der Leitung von Eliahu Inbal kurzfristig einspringen. Auf dem Programm: Schumanns Klavierkonzert a-moll op. 54.

Ortheil hatte die Aufnahme mitgebracht – von einem Freund seinerzeit mit einem "Philips-Kassettenrekorder" eher notdürftig aufgezeichnet; gezeigt während des Vortrags wurden außerdem die Klavier spielenden Hände des Schriftstellers, die er bei einer Fernsehproduktion über Robert Schumann dem Hauptdarsteller geliehen hatte. Nur, was ist aus dem Pianisten Hanns-Josef Ortheil seitdem geworden? Nach dem Frankfurter Konzert fühlte er sich am Ziel seiner Bestimmung und ging auf Tournee. Doch dann verletzte er sich. Ein Anriss der Sehne im Arm machte die Laufbahn zunichte.

Eindringlich schilderte Ortheil, wie seine "Schumann-Beschwörung" ins Wanken geriet. Das physische Manko wurde geradezu als Kränkung empfunden, er musste sich vom Klavierspiel und auch von Robert Schumann "befreien" – ein Ringen zwischen "Schumann-Fieber" und "Schumann-Austreibung" begann. Hanns-Josef Ortheil vollzog schließlich, was man heute mit dem hübschen Ausdruck Medienwechsel bezeichnen könnte. Er wandte sich der Sprache zu, studierte Germanistik, Philosophie, Musikwissenschaft und wagte sich aufs Terrain der Literatur.

1979 erschien Ortheils erster Roman "Fermer", der seine Schriftstellerkarriere einleitete und sogleich mit dem gerade ins Leben gerufenen "Aspekte-Literaturpreis" des ZDF ausgezeichnet wurde. "Fermer" aber, so erläuterte es Ortheil als Interpret seines eigenen Werks, ist reine "Übersetzungsarbeit" – aus Schumanns Musik sollte literarisches Sprechen werden, die Figuren sind "Schumann-Figuren". Und mit der so beschriebenen Geburt des literarischen Werks aus dem Geist der Tonkunst endete der Vortrag. Der Grundstein für den versprochenen "langen biographischen Essay" ist damit gelegt. Auf den darf man gespannt sein.

Oliver Fink

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
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