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25. Februar 2004

Heller Wahn

Wer überleben will, muss mitspielen: Theater Gutmacher spielte "Hexenjagd"

"Weiß ist unter allen Symbolen des Übersinnlichen das bedeutendste, der Schleier, worin sich dem Christen die Gottheit verhüllt, und ist dabei das Medium, wodurch das Furchtbare noch furchtbarer wird." Herman Melvilles Verdikt hat Mathias Paul offenbar beeindruckt. Denn für seine Inszenierung der "Hexenjagd" von Arthur Miller, aufgeführt vom Theater Gutmacher, die im mittelalterlichen Gewölbe des Romanischen Kellers jetzt ihre Premiere hatte, entschied er sich für abstrakte Helle. Auch die Kleidung der Schauspieler nuanciert lediglich sanft diesen weißen Grundton, der zur Farbe des Wahns wird. Nichts soll ablenken, darum findet man keine historisierenden Requisiten und nichts, was einem vorschnell das Geschehen zeitlich entrückt.

Stattdessen ein Spiel, das schnell bitterer Ernst wird. Noch verhüllt ein Schleier die Bühne, dahinter tanzen die Mädchen noch in Unschuld, aber wenn er fällt, fällt auch das Licht erbarmungslos auf alle und verschont niemanden mehr. Bekanntlich griff Arthur Miller den spektakulären Hexenprozess, der im Jahre 1692 einst die nordamerikanische Stadt Salem erschütterte, auf, um damit zugleich mit den Mitteln des Theaters gegen die Kommunistenjagd und den Gesinnungsterror von Senator McCarthy zu protestieren.

Das Theater Gutmacher nun schälte den Kern des Stücks heraus, und zeigte, wie das Irrationale zur herrschenden Logik wird und jeden befällt, der damit in Berührung kommt. Das vernünftige Argument hat keine Chance mehr. Wer überleben will, muss mitspielen.

Durch die Beschränkung auf die dramatische Aktion gelangen dem Theater Gutmacher viele Szenen großer Intimität, in denen sich die Verängstigung und Verunsicherung der Figuren verdeutlichte. Das Publikum wurde darüber zum Zeugen, der nicht entkommen kann. Der Dank dafür gebührt insbesondere den vielen Mitgliedern des Ensembles, dessen spielerische Intensität davon lebte, dass, wie man es sich bei den Theaterabenden im Romanischen Keller heimlich erhofft, einige glatt über sich hinauswuchsen. So wurde das Publikum dabei zuletzt zu Menschen, die erkannten, dass die Hexenjagd bisher keineswegs ausgerottet werden konnte, und applaudierten ob der Aufklärung recht herzlich.

Franz Schneider

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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