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3. Februar 2004

Balance von Distanz und Nähe

Norbert Lammert, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, im Grünen Salon der Literarischen Gesellschaft Palais Boisserée

Eine exklusive Rolle der Literatur im politischen Leben Deutschlands konnte der CDU-Politiker Dr. Norbert Lammert nicht ausmachen. Zu Gast im Grünen Salon der Literarischen Gesellschaft Palais Boisserée im Heidelberger Max-Weber-Haus, befürwortete der Vizepräsident des Deutschen Bundestages bei der Diskussionsveranstaltung zum Thema "Literatur und Politik" diesbezüglich vielmehr eine "vernünftige Balance von Distanz und Nähe". Literatur könne insbesondere Themen zuspitzen und Aspekte freisetzen, um mentale Innovationen auszulösen.

Der Grüne Salon ist eine Veranstaltung im privaten Kreis, der seit einigen Jahren zwei Mal pro Semester im Max-Weber-Haus am Neckar stattfindet. Auf diese Weise soll die von Max und Marianne Weber gepflegte Salonkultur eine Fortsetzung finden. Das Publikum aus Universität und Stadt diskutiert dort vornehmlich Themen aus Literatur, Kultur sowie Wissenschaft. Und Lammert brachte einige Voraussetzungen für diese Sachgebiete mit, denn in der Vergangenheit war das langjährige Mitglied des Bundestages (seit 1980) etwa Staatssekretär im Wissenschaftsministerium (1989-1994) oder Kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (1998-2002).

Im Grünen Salon traf der Politiker nun auf ein Publikum, zu dem auch wichtige Repräsentanten der hiesigen Wissenschafts- und Kulturszene zählten: neben anderen der Jurist und frühere Rektor Peter Ulmer, der Psychiater Heinz Häfner, der Politikwissenschaftler Klaus von Beyme, der Philosoph Rüdiger Bubner, der Alzheimer-Forscher Konrad Beyreuther oder der Theaterintendant Günther Beelitz. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem Heidelberger Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel.

In einem Themenkomplex befasste sich die Runde mit dem Stellenwert von Literaten im öffentlichen Leben. Eine wichtige Rolle spielte die Dominanz der gesellschaftskritischen, linken Literatur in den vergangenen Jahrzehnten. Speziell die Gruppe 47 wurde kontrovers diskutiert: War sie nun ein "Kartell für Preisverleihungen", oder lieferte sie der Bundesrepublik in ihren frühen Jahren das notwendige kulturelle Fundament? Kritisiert – allerdings nicht ohne Widerspruch – wurde auch die geringe Rolle der Literatur im Bundestag, wo sie nur selten in Zitaten vorkomme.

Lammert zeigte sich als gewiefter Debatter mit einem nüchternen Blick auf die Dinge, und er legte sich selten fest. Als Lieblingsautoren ließ er sich noch Heinrich von Kleist und Gabriel Garcia Márquez entlocken – aber nicht, ohne darauf zu verweisen, dass es keinerlei Zusammenhang zwischen seinen literarischen Präferenzen und der von ihm vertretenen Politikrichtung gebe. Auch hätten die politischen Wortmeldungen von Literaten nicht automatisch hohes Gewicht. Dennoch spiele die Literatur in der Berliner Politik eine Rolle, in Gestalt von Salons wie Einzelveranstaltungen.

Dass die Literatur im Bundestag keine auffällige Rolle spielt, zeugt Lammert zufolge nicht von Desinteresse. Denn nach seiner Meinung haben Politik und Literatur nun einmal unterschiedliche Aufgaben: Der erste Bereich sei naturgemäß eher affirmativ ausgerichtet, während die Literatur kritischer sein könne. Unter dieser Prämisse habe er beispielsweise die Grass-Bücher "Aus dem Tagebuch einer Schnecke" und "Das Treffen in Telgte" durchaus mit Gewinn gelesen.

Der Politiker, der im Urlaub keine Zeitungen liest, sondern ausschließlich Bücher, unterstrich, dass sich Literatur und Politik gerade wegen ihrer Unterschiedlichkeit brauchen: "Das Verhältnis von Politik und Kunst im allgemeinen muss schwierig bleiben, damit beide voneinander profitieren können." Durch ihre provozierende wie inspirierende Eigenart sei die Literatur für ihn insbesondere auch Geistestraining. Wenn die Differenzen zwischen Politik und Kunst in Deutschland auch ausgeprägter sind als anderswo, so ist hier nach Lammert die kritische Öffentlichkeit doch hochentwickelt und schlägt die entsprechenden Strukturen anderer Länder um Längen.

Heribert Vogt

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