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3. Februar 2004

Schützt Akupunktur vor Übelkeit nach der Operation?

Heidelberger Studie zeigt Wirksamkeit nach gynäkologischen Eingriffen / Placebo-Nadel ermöglicht wissenschaftliche Testung

Akupunktur-Behandlung kann Übelkeit und Erbrechen nach chirurgischen Eingriffen in der Frauenheilkunde senken; dies gilt allerdings in erster Linie für Unterleibsoperationen und weniger für Brustoperationen. Dabei wird das Erbrechen deutlich besser durch Akupunktur beeinflußt als die Übelkeit. Dies ist das Ergebnis einer modifizierten "doppelblinden" Studie, bei der weder die insgesamt 220 teilnehmenden Frauen noch der das Behandlungsergebnis beurteilende Arzt wussten, ob Akupunktur- oder "Placebo-Nadeln" eingesetzt wurden.

Die Studie wurde von Dr. Konrad Streitberger, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Anästhesiologischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Eike Martin), durchgeführt, in Zusammenarbeit mit der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. Sie ist in der letzten Ausgabe der britischen Fachzeitschrift "Anaesthesia" erschienen. Die Planung, Umsetzung und Auswertung der Studie wurde vom Koordinierungszentrum Klinische Studien Heidelberg maßgeblich unterstützt.

Die wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit von Akupunktur ist im Vergleich zur Medikamenten-Testung schwierig. Wie lässt sich ausschließen, dass Akupunktur allein durch den Placebo-Effekt (Erwartungshaltung von Patient und Arzt) wirkt? Setzt man die Nadeln bei Vergleichspersonen an Stellen, die der spezifischen Krankheit nicht zugeordnet sind, können unspezifische Akupunktur-Effekte nicht ausgeschlossen werden.

Placebo-Nadel täuscht den Einstich vor

Die Lösung diese Problems hat Dr. Streitberger vor einigen Jahren entwickelt: eine Placebo-Nadel, mit der ein Akupunkturstich simuliert werden kann, ohne dabei die Haut zu durchstechen. Die Spitze der Placebonadel ist stumpf und verletzt die Haut nicht. Um einen tiefen Stich vorzutäuschen, lässt sich die Nadel in den Nadelgriff zurückschieben. In einer Studie mit 60 freiwilligen Probanden hat der Heidelberger Wissenschaftler die Verum-Akupunktur und mit der Placebo-Akupunktur verglichen. Dabei zeigte sich, dass ein echter Akupunkturstich durchweg simuliert werden konnte; keiner der Placebo-Akupunktierten hatte bemerkt, dass er in Wirklichkeit gar nicht gestochen worden war. Die Studie wurde in der renommierten britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht.

"Mit der Placebo-Nadel können wir nun die Wirksamkeit der Akupunktur bei verschiedenen Krankheiten und Beschwerden überprüfen", erläutert Dr. Streitberger. Dazu gehören auch Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation, die bei 30 bis 70 Prozent der Patienten als Folge der Anästhetika auftreten. Sie werden als unangenehm und belastend empfunden und verlängern zudem die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus. Medikamente können zwar vorbeugend wirken, haben aber teilweise nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Die Akupunktur könnte deshalb ein wichtige Alternative oder Ergänzung werden; erste Studien legen zudem diese Vermutung nahe.

Keine Wirksamkeit nach Brustkrebs-Operation

Die Heidelberger Ärzte setzten die Akupunktur-Nadeln in dem auf dem Unterarm zwei Fingerbreit von der Handgelenksfalte entfernt gelegenen Akupunktur-Punkt P6 ein, die Placebo-Nadeln wurden 1 cm entfernt davon plaziert um mögliche Akupressureffekte zu vermeiden. Insgesamt 220 Patientinnen, die keinerlei Medikamente gegen Übelkeit oder Erbrechen vor der Operation erhielten, wurden durch eine Zufallsverteilung den beiden Gruppen zugeordnet.

Etwa die Hälfte der Patientinnen mit oder ohne Akupunktur klagten über Übelkeit und/oder Erbrechen. Allerdings war bei einer Untergruppe, die sich einer Unterleibsoperation unterzogen hatte, ein vorbeugender Effekt der Akupunktur zu erkennen, während dies bei Patientinnen mit Brustoperationen nicht der Fall war. Erbrechen alleine betrachtet konnte durch Akupunktur eindeutig vermindert werden. Überraschend war das Ergebnis, dass die Akupunktur genauso wirkte, wenn sie nach der Beginn der Narkose angewandt wurde.

Literatur : (1) Streitberger K, Diefenbacher M, Bauer A, Conradi R, Bardenheuer H, Martin E, Schneider A, Unnebrink K.: Acupuncture compared to placebo-acupuncture for postoperative nausea and vomiting prophylaxis: A randomised placebo-controlled patient and observer blind trial. Anaesthesia. 2004 Feb;59(2):142-149.
(2) Streitberger K, Kleinhenz J. Introducing a placebo needle into acupuncture research. Lancet 1998; 352: 364-365
(3) Kleinhenz J, Streitberger K, Windeler J, Güßbacher A, Mavridis G, Martin E. Randomised clinical trial comparing the effects of acupuncture and a newly designed placebo needle in rotator cuff tendinitis. Pain 1999;83:235-241.

(Die Originalartikel können bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Mehr Information im Internet:
http://www.med.uni-heidelberg.de/anaes/groups/streitberger001.htm

Ansprechpartner:
Dr. Konrad Streitberger
Anästhesiologische Universitätsklinik Heidelberg:
Konrad_Streitberger@med.uni-heidelberg.de

Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Voßstraße 2, Gebäude 4040
69115 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
Handy: 0170 / 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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