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26. Januar 2004

Warum aus Drogenkontakten Sucht entstehen kann

Medizin-Psychologen untersuchen Hintergründe und Mechanismen / Studie befasst sich mit kontrolliertem Gebrauch / Neue Vortragsreihe ab 28. Januar

Wer Menschen vor Sucht und Abhängigkeit bewahren möchte, muss sich grundsätzlich mit deren Entstehung, ihrem kulturellen, sozialen und psychologischen Nährboden, auseinandersetzen. Mehrere Projekte der Abteilung Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg widmen sich der Entschlüsselung von Süchten, Grenzerfahrungen und Abwehrmechanismen. "Wir suchen nach Werkzeugen für erfolgreiche Präventionsstrategien", erklärt Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Verres, Ärztlicher Direktor der Abteilung.

Am 28. Januar 2004 startet die Vortragsreihe "Rauscherfahrungen: zwischen Ritual, Kunst und Sucht". Alle 14 Tage, Mittwochabends um 20 Uhr, wird der Themenbereich aus unterschiedlicher Sicht beleuchtet. Das breite Spektrum reicht von der kunsthistorischen Aufarbeitung von Rauschgefühlen über Anmerkungen zur Geschichte des Drogenverbotes bis zum Bericht über die praktische Arbeit eines Suchtmediziners zur Vorbeugung in der Familie. Die Vortragsreihe wird gemeinsam mit der Sammlung Prinzhorn des Universitätsklinikums Heidelberg, dem Förderverein Zukunftsmusik an der Abteilung Medizinische Psychologie und dem Sonderforschungsbereich Ritualdynamik der Universität Heidelberg, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, veranstaltet.

Bei der ersten Veranstaltung am 28. Januar werden unter dem Titel "Bildstörung oder Durchblick? Drogenmythen oder – wirklichkeiten" die Chancen der Prävention diskutiert. Prof. Verres und Dr. Henrik Jungaberle, Mitarbeiter der Abteilung Medizinische Psychologie, setzen sich mit der vordergründig bekannten Situation in Deutschland und neuen Vorsorgestrategien auseinander: Die jährliche Zahl der Todesopfer durch "harte Drogen" liegt bei ca. 1.300, die meisten Jugendlichen haben irgendwann Kontakt mit Drogen, etwa ein Drittel aller Frauen und Männer rauchen, jährlich sterben Zehntausende an den Folgen des Alkoholismus, die Zahl der Tablettenabhängigen wird auf einige Millionen geschätzt. Anti-Drogen-Kampagnen ("Keine Macht den Drogen") sind auf Jugendliche fokussiert und klammern gesellschaftlich anerkannte Süchte aus.

RISA-Studie: Schützen Rituale vor Drogenmißbrauch?

"Es gibt keine harten Zahlen zum Drogenmissbrauch", sagt Dr. Jungaberle. "Vor allem wissen wir nicht, warum der eine nach gelegentlichem Genuss eine Sucht entwickelt, während er beim anderen eine Episode bleibt." Die RISA-Studie, die seit 2002 das Thema "Ritualdynamik und Salutogenese beim Gebrauch und Missbrauch psychoaktiver Substanzen" bearbeitet und auf zehn Jahre angelegt ist, sucht Fährten im sozialen Dschungel. "Drogengebrauch bei Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen hat heute zum Teil die Funktion von Ritualen übernommen", erklärt Dr. Jungaberle. Der Übergang zum Erwachsenenalter wird – im Gegensatz zu anderen Kulturen – ohne spezielles Ritual vollzogen; religiöse oder staatliche Zeremonien (z.B. Konfirmation, Jugendweihe) spielen kaum noch eine Rolle. Die RISA-Studie untersucht, welche Bedeutung Rituale für den Genuss oder Mißbrauch von psychoaktiven Substanzen, spielen. Weitere Fragen sind: Welche Kompetenzen begünstigen einen kontrollierten Umgang mit den Substanzen und gibt es einen Zusammenhang mit Ritualen? Daten werden mit Hilfe von Interviews, Fragebögen und Filmen erhoben.

Die Medizinpsychologen haben mittlerweile 280 Schüler aus 12 Schulklassen unterschiedlichen Schultyps im Rhein-Neckar-Kreis gewinnen können, die an der RISA-Studie teilnehmen. Den Teilnehmern, die alle beschränkten Erfahrungen mit Drogenkonsum (Nikotin, Alkohol, Marihuana, Ecstasy, LSD, Kokain) haben, ist Anonymität zugesichert. Abhängige, kranke oder stark gefährdete Jugendliche sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Die Studie bietet keine Drogenberatung an, gibt aber bei akuter Bedrohung der Gesundheit Empfehlungen zur Beratung und Betreuung.

Eine zweite Stichprobe enthält 50 volljährige Teilnehmer aus der sogenannten "Partyszene". "Drogenkonsum ist heute nicht mehr auf bestimmte Gesellschaftsschichten beschränkt wie noch vor 30 Jahren" sagt Dr. Jungaberle. So nehmen etwa 20 Prozent aller Medizinstudenten vorübergehend psychoaktive Substanzen ein, um sich den Anforderungen von Prüfungen gewachsen zu fühlen.

Programm der Vortragsreihe (als PDF-Datei).

Ansprechpartner:
Dr. Henrik Jungaberle
Abt. für Medizinische Psychologie
Tel: 06221 / 56-8147
Email: Henrik_Jungaberle@med.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Rolf Verres
Ärztlicher Direktor der Abteilung Medizinische Psychologie
06221 / 56-8151 (Sekretariat)

Weitere Information im Internet:
Abteilung Medizinische Psychologie:
http://www.med.uni-heidelberg.de/psycho/medpsych/index.htm

RISA-Studie:
http://www.med.uni-heidelberg.de/psycho/medpsych/risa/default.htm

Sonderforschungsbereich Ritualdynamik der Universität Heidelberg
http://www.ritualdynamik.uni-hd.de/

Rückfragen bitte an:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät
der Universität Heidelberg
Voßstraße 2, Gebäude 4040
69115 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
Handy: 0170 / 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.med.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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