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21. Januar 2004

Dr. Gunther von Hagens' frühere Tätigkeit als Wissenschaftler an der Universität Heidelberg

Die Entwicklung und Bedeutung der Plastination für Lehre und Forschung (Mitte der 80er Jahre bis Mitte der 90er Jahre)

Dr. Gunther von Hagens war von 1977 bis 1994 und danach halbtags bis 1996 Mitarbeiter des Instituts für Anatomie und Zellbiologie (vormals Anatomisches Institut) der Universität Heidelberg. Er war Oberassistent und Leiter des Plastinationslabors, das zur Abteilung Anatomie und Embryologie (Prof. Dr. Wilhelm Kriz) gehörte. Herr Dr. von Hagens erfand Ende der 70er Jahre die Plastination, das heißt im Wesentlichen zwei Verfahren, um dicke organische Präparate mit Kunststoff zu durchtränken – für kleine Proben bis zu einer Größe von 2 x 2 x 2 mm gab es dies schon – und die Kunststoffe dann im Präparat aushärten zu lassen. Diese Erfindung wurde im Verlauf der 80er und frühen 90er Jahre in vielen Details perfektioniert, sowohl was die Kunststoffmischung als auch die Vorbehandlung der Präparate betraf.

Es entstanden zwei grundsätzlich verschiedene Techniken. Erstens die Silikontechnik, mit der dreidimensionale Plastinate (so werden die nach diesem Verfahren hergestellten Präparate genannt) als auch Ganzkörperplastinate hergestellt werden. Zweitens wurde die Scheibenplastination mit Epoxydharzen entwickelt, die auch zur besseren Darstellung von Hohlräumen, zum Beispiel von Blutgefäßen, geeignet ist.

Diese Entwicklungen stellten auf dem Gebiet der anatomischen Präparateherstellung einen revolutionären Fortschritt dar, der in seiner unmittelbaren Umgebung in Heidelberg, aber auch in der Fachwelt mit Begeisterung aufgenommen wurde. Die Silikontechnik war ideal geeignet, um Präparate für den akademischen Unterricht, also für die Ausbildung der Medizinstudenten, herzustellen.

Die Scheibenplastination war zugleich in Forschung und Unterricht von hohem Nutzen. Für die gleichzeitig in der Medizin zunehmend angewandten bildgebenden Verfahren (Computertomographie, Magnetresonanztomographie, aber auch Ultraschalldiagnostik) stellten die dünnen Scheiben das exakt entsprechende anatomische Korrelat dar, das man darüber hinaus noch anfassen und auf den Tisch legen konnte. Im Unterricht ermöglichen die Scheiben den Erwerb der grundlegenden Kenntnisse der Schnittanatomie, die für die Interpretation der modernen bildgebenden Diagnostik Voraussetzung ist.

Das Anatomische Institut hat diese Entwicklungen durchgehend gefördert; allerdings überstiegen in den 80er Jahren die dafür nötigen Kosten die Möglichkeiten des Instituts. Ein Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde abgelehnt mit der Begründung, dass es sich um keine "hypothesengesteuerte Grundlagenforschung" handle. Andererseits waren die Plastinate in Kliniken und Instituten in Heidelberg und in der ganzen Bundesrepublik gefragt, so dass zunehmend Präparate an andere medizinische Einrichtungen im In- und Ausland abgegeben wurden. Dafür hat die Universität Heidelberg mit Herrn Dr. von Hagens eine Vereinbarung getroffen, nach der die Herstellungs- und Entwicklungskosten berechnet und auf ein eigenes Konto der Universität gebucht wurden. Aus diesen Einnahmen wurde die laufende Entwicklung der Plastinationstechnik bezahlt.

Mit der Förderung der Entwicklungsarbeiten von Herrn Dr. von Hagens verfolgte das Anatomische Institut zwei Ziele: bessere Präparate für die Ausbildung der Medizinstudenten zu gewinnen und detailgenaue Vergleichspräparate für die modernen bildgebenden Verfahren herzustellen. Beide Ziele wurden bis zu einem gewissen Grade erreicht.

Das noch zu Beginn der 90er Jahre zusammen mit Dr. von Hagens begonnene "Vierkörper-Projekt" konnte, nachdem Herr von Hagens das Institut verlassen hatte, nicht zu Ende geführt werden. Das Ziel dieses "Vierkörper-Projektes" war es, alle für einen Medizinstudenten wichtigen anatomischen Details in einem Set von vier Ganzkörperplastinaten sichtbar und studierbar zu machen. Dieses Projekt ist in den Anfängen stecken geblieben; ein Prototypen-Set wurde zwar erstellt und wird noch heute im Unterricht der Medizinstudenten eingesetzt.

"Es gab nach dem Ausscheiden von Gunther von Hagens niemanden, der die Arbeit hätte fortführen können. Entwicklungsarbeiten in Richtung der in den Körperwelten gezeigten ‚Schaupräparate' gab es im Institut für Anatomie und Zellbiologie nicht", sagte Prorektor Prof. Dr. Jochen Tröger heute in Heidelberg vor Journalisten.

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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